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Medizin

WHO fordert Therapie für alle HIV-Infizierten und ihre Partner

Mittwoch, 30. September 2015

hiv dpa

Genf – Die Welt­gesund­heits­organi­sation WHO lässt in ihren aktuellen Leitlinien alle Einschränkungen fallen. Jeder HIV-Positive sollte nach den Empfehlungen, die zusammen mit der UNAIDS entwickelt wurden, von Anfang an antiretrovirale Medika­mente einnehmen. Auch Menschen mit einem „substanziellen“ Infektionsrisiko wird jetzt grundsätzlich zu einer Präexpositionsprophylaxe geraten. 

In den letzten Jahren ist der Kreis der HIV-Infizierten, dem zu einer Suppression der Virusreplikation geraten wird, immer mehr ausgeweitet worden. Wurde die Behandlung anfangs auf symptomatische Patienten beschränkt, wurde die Indikation später von der CD4-Zahl, einem Laborparameter der Immunschwäche anhängig gemacht. Die Grenze wurde zuerst bei 200, dann bei 350 und schließlich bei 500 Zellen/mm3 gezogen. Die WHO hatte vor zwei Jahren noch zu einer Therapie ab einem Abfall unter 350 Zellen/mm3 geraten. Jetzt sollten nach Ansicht von WHO und UNAIDS alle Personen (Kinder und Jugendliche eingeschlossen), bei denen eine HIV-Infektion entdeckt wurde, sofort mit einer hochaktiven antiretroviralen Therapie beginnen. 

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Als Grundlage für die Empfehlung werden mehrere in den letzten Monaten veröffent­lichte Studien genannt. Dazu gehören die Daten der TEMPRANO-Studie und der START-Studie, in denen sich ein sofortiger Therapiebeginn als vorteilhaft erwiesen hatte.

Die zweite Empfehlung richtet sich in der ersten Linie an HIV-negative Partner aus serodiskordanten Paaren sowie an Männer, die Sex mit Männern haben (MSM). Diese Personen sollten eine Präexpositionsprophylaxe betreiben, vorzugsweise mit Tenofovir oder einer Kombination von Tenofovir plus Emtricitabin.

Die Leitlinie soll nicht nur die Gesundheit der Betroffenen schützen. Sie ist zur Unter­stützung der Fast-Track-Strategy der UNAIDS gedacht, die die HIV-Epidemie in den nächsten Jahren eindämmen soll. Bis zum Jahr 2020 sollen 90 Prozent aller HIV-Infizierten ihren HIV-Status kennen. Von diesen sollen 90 Prozent behandelt werden und zwar zu 90 Prozent mit dem Ergebnis einer erfolgreichen Virussuppression. Es gilt mittlerweile als erwiesen, dass dies die beste Strategie ist, die globale HIV-Epidemie einzudämmen.

© rme/aerzteblatt.de

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