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Medizin

ASS könnte Überlebensrate bei allen gastrointestinalen Tumoren erhöhen

Donnerstag, 1. Oktober 2015

Leiden – Patienten, die nach der Diagnose eines gastrointestinalen Malignoms mit der Einnahme von ASS begannen, hatten in einer retrospektiven Kohortenstudie eine doppelt so hohe Chance, den Tumor fünf Jahre zu überleben. Trotz dieses eindrucksvollen Ergebnisses, das auf dem europäischen Krebskongress in Wien vorgestellt wurde, lassen sich aus der Studie vorerst keine Therapieempfehlungen ableiten. Ein Beleg durch eine randomisierte klinische Studie steht aus.

Seit einem halben Jahrhundert wird vermutet, dass Acetylsalicylsäure (ASS) vor Darm­krebs schützen könnte. Hinweise darauf wurden seither in zahlreichen prospektiven Kohortenstudien gefunden. In placebo-kontrollierten Studien hat ASS zudem die Entwicklung von Adenomen bei Hochrisiko-Patienten vermindert. Dennoch halten sich die Fachgesellschaften mit den Empfehlungen zurück.

Weder in den USA noch in Europa raten die Leitlinien derzeit zu einer Primärprävention von Darmkrebs mit ASS. Als Grund wird die Gefahr von gastrointestinalen Blutungen angegeben. Die Nutzen-/Risikorelation wird bezweifelt. Die United States Preventive Services Task Force (USPSTF), ein vom US-Ge­sund­heits­mi­nis­terium eingesetztes Gremium, hat aber dieser Tage einen Neuentwurf seiner Leitlinien vorgestellt, in denen die Primärprävention von Darmkrebs als evidenzbasiert eingestuft wird.

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Vor sechs Jahren kam eine Auswertung der Nurses' Health Study und der Health Professionals Follow-up Study zu den Ergebnis, dass ASS auch in einer Sekundär­prävention nach der Diagnose von Darmkrebs eine Schutzwirkung erzielen könnte. Die Einnahme war damals mit einem um 29 Prozent verminderten Risiko verbunden, innerhalb der nächsten 11,8 Jahre am Darmkrebs zu sterben. Auch ein Einfluss auf die Gesamtsterblichkeit wurde damals festgestellt (JAMA 2009; 302: 649-658). 

Eine Studie von Martine Frouws von der Universität Leiden kommt jetzt zu ähnlichen Ergebnissen. Die Forscherin wertete die Daten von 13.715 Patienten aus, bei denen zwischen 1998 und 2011 eine gastrointestinale Krebserkrankung diagnostiziert worden war. Laut der Pressemitteilung betrug die 5-Jahres-Überlebensrate 28 Prozent nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 48,6 Monaten (Der Abstract gibt die 5 Jahres-Überlebensrate mit 56 Prozent bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 26,5 Prozent an, möglicherweise eine Vertauschung der Zahlen). 

Aus der Pressemitteilung geht ferner hervor, dass Patienten, die nach der Krebsdia­gnose mit der Einnahme von ASS begannen, eine doppelt so hohe Überlebenschance hatten wie Patienten, die niemals ASS einnahmen. Genauere Angaben fehlen im Abstract, und da die Studie derzeit nicht publiziert ist, lassen sich die Zahlen nicht bewerten. Die Beweiskraft einer retrospektiven Kohortenstudie dürfte nicht allzu hoch eingestuft werden (sie ist niedriger als in der US-Publikation der beiden prospektiven Kohorten).

Eine Evidenz für (oder gegen) die Einnahme von ASS könnte sich aus den Ergebnissen einer im Januar 2015 in den Niederlanden begonnenen randomisierten klinischen Phase 3-Studie ergeben. An der ASPIRIN-Studie („A Trial of Aspirin on Recurrence and Survival in Elderly Colon Cancer Patients) sollen 1.588 Patienten im Alter über 70 Jahre teilnehmen, bei denen ein Darmkrebs in den UICC-Stadien II oder III diagnostiziert wurde. Sie werden nach einer Operation neben der adjuvanten Chemotherapie mit 80 mg/die ASS oder Placebo behandelt. Ein Abschluss der Studie wird für 2022 angekündigt. Frouws hofft, dass die Einschlusskriterien aufgrund der Ergebnisse ihrer Studie auf alle gastrointestinalen Malignome ausgeweitet wird.

© rme/aerzteblatt.de

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