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Medizin

Neues Hörgerät stimuliert Trommelfell mit Laser

Donnerstag, 1. Oktober 2015

The EarLens Tympanic Contact Actuator (TCA). 

Silver Spring – Die Food and Drug Administration hat die Vermarktung eines neuartigen Hörgeräts zugelassen, das das Trommelfell über eine Laserdiode in Schwingung versetzt. Das Gerät hatte sich zuvor in einer klinischen Studie als sicher und effektiv erwiesen.

Herkömmliche Hörgeräte bestehen aus einem Mikrophon und einem kleinen Lautsprecher, der den Schall in Richtung Trommelfell sendet. Dabei muss eine Luftstrecke überwunden werden, was zu Verlusten in der Schallleitung und der Schallübertragung führt. Der „tympanic membrane transducer“ (TMT) des Herstellers EarLens Corporation in Menlo Park/Kalifornien wird direkt auf dem Trommelfell platziert.

Das TMT besteht aus einer Membran, die in einer ringförmigen peritympanischen Plattform aufgespannt ist und dem Trommelfell aufliegt, getrennt lediglich von einer Ölphase. Diese Ölphase wird von Ohrentropfen erzeugt, die der Arzt einmal in der Woche in das Außenohr in den Bereich des TMT tröpfelt.

Die Membran, die nach einem Abdruck für jeden Patienten maßangefertigt werden muss, enthält in ihrer Mitte eine kleine Plattform. Sie ist direkt über dem Umbo platziert. Der Umbo ist eine Einsenkung des Trommelfells, auf deren gegenüberliegenden Seite sich der Hammergriff befindet, also der Beginn der Kette aus den drei Gehör­knöchelchen, die den Schall durch die Paukenhöhle zum ovalen Fenster des Innenohrs transportieren (und dabei verstärken).

Die Umbo-Plattform wird von einem „Mikroaktuator“ in Schwingungen versetzt. Der „Mikroaktuator“ wiederum wird über Lichtsignale gesteuert, die von einer Laser-Diode abgegeben werden. Die Laser-Diode gehört zu dem äußeren Teil des Hörgeräts, das wie ein Inohr-Kopfhörer in den Ohrkanal geschoben wird. Die Lichtsignale werden von einem „behind-the-ear“ (BTE) Audio-Prozessor erzeugt. Die Schallsignale werden also nicht einfach verstärkt, sondern zunächst in elektronische Signale, dann in Lichtsignale und schließlich wieder in akustische Signale verwandelt.

Der vergleichsweise hohe technische (und bei der Betreuung durch den Arzt) auch personelle Aufwand soll durch eine gute Hörleistung belohnt werden. Das Gerät wurde an 48 Patienten mit unterschiedlich stark ausgeprägter sensorineuraler Schwerhörigkeit untersucht, die das Hörgerät über vier Monate getestet haben. Laut FDA zeigten die Probanden nach 30-tägiger Gewöhnungsphase eine im Durchschnitt 33-prozentige Verbesserung der Worterkennung. Der funktionelle Gewinn betrug im Hoch­frequenzbereich von 2000 bis 10000 Hertz (Hz) 30,5 Dezibel (dB), im Bereich von 6000 Hz waren es 30-40 dB, und das Maximum von 68 dB wurde bei 9.000-10.000 Hz erreicht. Diese Werte werden von konventionellen Hörgeräten in der Regel nicht erreicht.

Die wichtigsten Nebenwirkungen waren Abschürfungen in den Gehörgängen, die in der Regel beim Anfertigen des Abdrucks entstanden. Schwerwiegende gerätebezogene unerwünschte Ereignisse sind laut FDA nicht aufgetreten.

© rme/aerzteblatt.de

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