Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Medizinische Fakultäten: Gegen eine Primärarztquote

Donnerstag, 1. Oktober 2015

dpa

Berlin - Für eine freie Wahl der Fachrichtung nach dem Medizinstudium plädierte heute Heyo Kroemer, Präsident des Medizinischen Fakultätentages (MFT), beim XI. Inno­vationskongress der Deutschen Hochschulmedizin. Der gesellschaftliche Wunsch, die Verteilung der Ärzte im Land zu regulieren, sei nicht durch strukturelle Vorgaben oder über eine Primärarztquote bei der Zulassung zum Medizinstudium zu realisieren, sagte er.

Dabei bezog er sich auf den von der Bundesregierung im Koalitionsvertrag ange­kündigten „Masterplan Medizinstudium 2020“, der Maßnahmen für eine zielgerichtete Auswahl der Studienplatzbewerber festlegen soll und den die Deutsche Hochschul­medizin in einer ersten Stellungnahme bewertet. Bis Mitte 2016 will eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe eine Reformkonzept für das Medizinstudium vorlegen.

Für die Medizinischen Fakultäten ist allerdings nicht ersichtlich, warum Studien­bewerber, die außerhalb der Auswahlverfahren der Hochschulen zugelassen werden, später Allgemeinmediziner werden und sich für eine Praxis auf dem Land entscheiden sollten. „Eine Quote, die sicherstellt, dass genügend Allgemeinmediziner ausgebildet werden, erscheint in der Praxis nicht umsetzbar“, betonte Kroemer. Von vielleicht 18jährigen Studienbewerbern könne man nicht erwarten, sich bereits zu Beginn ihres Studiums auf ihre spätere berufliche Tätigkeit festlegen zu können.

Kroemer verwies auch auf die rechtliche Seite: Zahlreiche Studienplatzbewerber, die von den Universitäten abgelehnt wurden, beriefen sich bereits jetzt auf das Kapazitäts­recht und versuchten ihre Studienplätze einzuklagen. „Für diese rechtlichen Auseinandersetzungen brauchen wir klare Verfahren zur Vergabe der Studienplätze“, sagte er.

„Die Abiturnoten und der Eignungstest TMS haben sich als ein rechtssicheres Zulassungskriterium bewährt.“ Dennoch sollte die Zulassung nicht ausschließlich von der Abiturnote abhängen, räumte Kroemer ein. Als Ergänzung schlagen die Fakultäten einen zweistufigen, bundesweit einheitlichen Eignungstest vor, nach dem die Hochschulen in einem eigenen Auswahlverfahren die Studierenden auswählen könnten.

Zudem halten es die Medizinischen Fakultäten für erforderlich, die Wartezeitquote für die Zulassung zum Medizinstudium auf 20 Prozent zu verringern. Der Studienerfolg ist bei Studierenden mit Zulassung durch Wartezeiten nachweislich geringer. Ein weiterer Vorschlag ist auch die Teilnahme an einem Losverfahren mit maximal drei Versuchen, wie es in den Niederlanden praktiziert werde. „So würde sich die Zahl der Wartenden nicht endlos vergrößern und die Wartezeit sich nicht weiter verlängern“, meinte der MFT-Präsident. /ER

© ER/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

26.05.17
Mainz – An der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz (JGU) wollen Wissenschaftler ein Computerprogramm entwickeln, das die kommunikativen Kompetenzen von Medizinstudierenden in simulierten......
25.05.17
Bundesländer sollen Zahl der Studienplätze erhöhen
Freiburg – Die Delegierten des 120. Deutschen Ärztetages haben in mehreren Beschlüssen die Bundesländer aufgefordert, die Zahl der Medizinstudienplätze um mindestens zehn Prozent zu erhöhen und......
24.05.17
Freiburg – Der 120. Deutsche Ärztetag in Freiburg hat die Bundesländer aufgefordert, ihrer Verantwortung für die ärztliche Nachwuchsförderung gerecht zu werden und die nötigen Finanzmittel für die......
18.05.17
„Wir möchten zur Qualitätssteigerung von Promotionen beitragen“
Essen – Der Bedarf an forschenden Ärzten ist groß. Das wachsende Wissen aus der medizinischen Grundlagenforschung muss schließlich in der Krankenversorgung umgesetzt werden. Dazu bedarf es......
18.05.17
Leipzig – Das neue Studien-Begleitprojekt „Leipziger Kompetenzpfad Allgemeinmedizin“ (LeiKA) will Medizinstudierenden der medizinischen Fakultät der Universität Leipzig den Hausarztberuf nahebringen.......
15.05.17
Neue Checkliste für das Krankenpflege­praktikum im Medizinstudium
Berlin – Eine neue Checkliste soll konkretisieren, was angehende Mediziner vor oder während ihres Studiums in dem dreimonatigen Pflicht-Krankenpflegepraktikum lernen sollen. „Unser Fokus liegt auf den......
12.05.17
Mainz – Deutschland braucht mehr Studienplätze für Medizin. Der Ärztemangel hierzulande darf nicht über Ärzte aus dem Ausland gelindert werden. Darauf haben heute die Landesärztekammern Brandenburg......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige