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Politik

Medizinische Fakultäten: Gegen eine Primärarztquote

Donnerstag, 1. Oktober 2015

dpa

Berlin - Für eine freie Wahl der Fachrichtung nach dem Medizinstudium plädierte heute Heyo Kroemer, Präsident des Medizinischen Fakultätentages (MFT), beim XI. Inno­vationskongress der Deutschen Hochschulmedizin. Der gesellschaftliche Wunsch, die Verteilung der Ärzte im Land zu regulieren, sei nicht durch strukturelle Vorgaben oder über eine Primärarztquote bei der Zulassung zum Medizinstudium zu realisieren, sagte er.

Dabei bezog er sich auf den von der Bundesregierung im Koalitionsvertrag ange­kündigten „Masterplan Medizinstudium 2020“, der Maßnahmen für eine zielgerichtete Auswahl der Studienplatzbewerber festlegen soll und den die Deutsche Hochschul­medizin in einer ersten Stellungnahme bewertet. Bis Mitte 2016 will eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe eine Reformkonzept für das Medizinstudium vorlegen.

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Für die Medizinischen Fakultäten ist allerdings nicht ersichtlich, warum Studien­bewerber, die außerhalb der Auswahlverfahren der Hochschulen zugelassen werden, später Allgemeinmediziner werden und sich für eine Praxis auf dem Land entscheiden sollten. „Eine Quote, die sicherstellt, dass genügend Allgemeinmediziner ausgebildet werden, erscheint in der Praxis nicht umsetzbar“, betonte Kroemer. Von vielleicht 18jährigen Studienbewerbern könne man nicht erwarten, sich bereits zu Beginn ihres Studiums auf ihre spätere berufliche Tätigkeit festlegen zu können.

Kroemer verwies auch auf die rechtliche Seite: Zahlreiche Studienplatzbewerber, die von den Universitäten abgelehnt wurden, beriefen sich bereits jetzt auf das Kapazitäts­recht und versuchten ihre Studienplätze einzuklagen. „Für diese rechtlichen Auseinandersetzungen brauchen wir klare Verfahren zur Vergabe der Studienplätze“, sagte er.

„Die Abiturnoten und der Eignungstest TMS haben sich als ein rechtssicheres Zulassungskriterium bewährt.“ Dennoch sollte die Zulassung nicht ausschließlich von der Abiturnote abhängen, räumte Kroemer ein. Als Ergänzung schlagen die Fakultäten einen zweistufigen, bundesweit einheitlichen Eignungstest vor, nach dem die Hochschulen in einem eigenen Auswahlverfahren die Studierenden auswählen könnten.

Zudem halten es die Medizinischen Fakultäten für erforderlich, die Wartezeitquote für die Zulassung zum Medizinstudium auf 20 Prozent zu verringern. Der Studienerfolg ist bei Studierenden mit Zulassung durch Wartezeiten nachweislich geringer. Ein weiterer Vorschlag ist auch die Teilnahme an einem Losverfahren mit maximal drei Versuchen, wie es in den Niederlanden praktiziert werde. „So würde sich die Zahl der Wartenden nicht endlos vergrößern und die Wartezeit sich nicht weiter verlängern“, meinte der MFT-Präsident. /ER

© ER/aerzteblatt.de

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