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Medizin

Apherese verlängert Schwangerschaft bei Präeklampsie

Freitag, 2. Oktober 2015

Boston – Die Apherese einer speziellen Tyrosinkinase könnte die Schwangerschaft von Frauen, die an einer Präemklampsie leiden, um durchschnittlich 15 Tage verlängern. Das berichten Forscher der Harvard Medical School um Ravi Thadhani im Journal of the American Society of Nephrology (doi: 10.1681/ASN.2015020157).

Die Präeklampsie ist eine Erkrankung, die meist Schwangere nach der 20. Schwanger­schaftswoche betrifft und mit einer Hypertonie, Proteinurie und Ödemneigung einher­geht. Gefürchtete Komplikation sind Krampfanfälle oder lebensgefährliche Blutungen, die durch den hohen Blutdruck und eine Thrombozytopenie ausgelöst werden (HELLP-Syndrom). Die einzige Therapie, welche die Präeklampsie beendet, ist die Entbindung. Da in den sehr frühen Schwangerschaftswochen jeder Tag im Mutterleib die Prognose des Kindes verbessert, streben Ärzte eine größtmögliche Verlängerung der Schwangerschaft an.

Die Ätiologie der Präeklampsie ist nicht vollständig bekannt. Bei den meisten Schwan­geren ist eine erhöhte Konzentration der löslichen sogenannten fms-like Tyrosinkinase-1 (sFlt-1) im Serum messbar. Die Kinase bindet und inaktiviert den Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF) im Blut. VEGF ist ein wichtiger Faktor, welcher die Nierenfunktion reguliert und erhält. Die Forscher beabsichtigten durch die Elimination von sFlt-1, einen Anstieg von VEGF zu erreichen und so die Symptome der Präeklampsie zu lindern.

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Die Forscher therapierten elf Schwangere, die eine sehr frühe Präeklampsie zwischen der 23. und 32. Schwangerschaftswoche erlitten, mit einer Apherese. Bei diesem Verfahren wurde in einem dialyseartigen Prozess sFlt-1 selektiv aus dem Blut entfernt. Sie therapierten die Patientinnen bis zu drei Mal mit dem Verfahren.

Im Durchschnitt sanken durch die Behandlung die Spiegel von sFlt-1 um 18 Prozent und im Urin verringerte sich der Protein/Kreatinin Quotient im Mittel um 44 Prozent. 

Schwangere, die eine Apherese erhielten, zeigten eine durchschnittliche Verlängerung der Schwangerschaft um acht Tage (range= zwei bis elf Tage). Bei zwei oder sogar dreimaliger Anwendung verlängerte sich die Schwangerschaft im Mittel um 15 Tage (range= 11 bis 21 Tage). Durch die Apherese entstanden für die Schwangeren und deren Feten laut den Wissenschaftlern keine gesundheitlichen Nachteile. 

Eine Gruppe mit 22 Patientinnen, die keine spezifische Apherese erhalten hatte, zeigte mit durchschnittlich drei Tagen (range= 0 bis 14 Tage) eine deutlich kürzere verbleibende Schwangerschaft als die behandelte Gruppe. 

Die Ergebnisse der Studie deuten die Forscher als Hinweis, dass Schwangere mit einer frühen Präeklampsie sehr von der spezifischen Apherese profitieren könnten. Dies müsse nun in einer größeren kontrollierten Studie verifiziert werden.

© hil/aerzteblatt.de

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