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Politik

„China hat viel von der Zusammenarbeit mit Deutschland profitiert“

Freitag, 2. Oktober 2015

Berlin - China treibt den Umbau seines Gesundheitssystems voran. Auf der 28. Jahres­tagung der Deutsch-Chinesischen Gesellschaft für Medizin (DCGM) benannten Politiker und Wissenschaftler aktuelle Reformprojekte und lobten die Zusammenarbeit beider Nationen. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) verwies auf den im vergangenen Jahr beschlossenen Aktionsplan zur deutsch-chinesischen Zusammen­arbeit im Gesundheitswesen.

In der Folge sei zum Beispiel im Rahmen einer Zusammenarbeit der Universitäten Heidelberg und Qingdao ein Brustkrebszentrum in der chinesischen Millionenstadt südöstlich von Peking aufgebaut worden. „Im Mittelpunkt des chinesischen Interesses steht derzeit das deutsche DRG-System“, sagte Gröhe. Zudem gehe es um eine stärkere Vernetzung von ambulanter und stationärer Versorgung und die Reform des chinesischen Rettungswesens.

Der Präsident der Chinesisch-Deutschen Gesellschaft für Medizin, Chen Amin, sagte, auch der personelle Austausch zwischen Deutschland und China habe sich intensiviert. In der gut 30-jährigen Kooperation beider Länder habe China viel von dieser Zusammen­arbeit profitiert. Der Austausch habe zudem die Freundschaft zwischen beiden Völkern gefördert. Nebenbei erklärte Amin, dass China sehr erfreut darüber sei, dass Deutschland so viele Flüchtlinge aus dem Nahen Osten aufnehme und dass das Vertrauen der Chinesen in Deutschland „nicht im geringsten“ durch den VW-Skandal beeinträchtigt werde.

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„Ende des Jahrzehnts wird in China 100 Prozent der Bevölkerung krankenversichert sein“
Bert Rürup, Präsident des Handelsblatt Research Institutes, benannte Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Gesundheitssysteme beider Länder. Die Krankheitslast sei bei Deutschland und China ähnlich. So stürben in Deutschland 87 Prozent der Menschen an einer nicht übertragbaren Krankheit, in China 91 Prozent. Einen großen Unterschied gebe es jedoch bei den Todesfällen infolge von Lungenerkrankungen, deren Anzahl in China weit höher sei. „Die Gründe dafür sind, dass es in China noch Mode ist zu rauchen und dass die krankheitsfördernde Luft in den Ballungszentren“, so Rürup.

Die Gesundheitsreformen beider Länder hätten sich in den vergangenen 20 Jahren hingegen deutlich unterschieden, erklärte der frühere Vorsitzende der Wirtschafts­weisen. Sei es dabei in Deutschland vor allem um Kostendämpfungsmaßnahmen gegangen, habe China in den vergangenen Jahren sein Kran­ken­ver­siche­rungssystem umgestellt. Ein Indikator dafür sei, dass die Zahl der sogenannten Out-of-Pocket-Zahlungen, der direkten Gesundheitsausgaben der Privathaushalte, in China deutlich zurückgegangen sei. „Ende des Jahrzehnts wird in China 100 Prozent der Bevölkerung krankenversichert sein. Das ist ein großer Erfolg für China“, meinte Rürup. „Das heißt aber nicht, dass damit alle Aufgaben gelöst sind.“

„In Deutschland glaubt man, alle Fehler erst einmal selbst machen zu müssen“
Eine dieser Aufgabe sei es, die Arzneimittelversorgung zu reformieren. Das Problem heute sei, dass sich die Krankenhäuser massiv über die Arzneimittel finanzierten. „Das ist ein massiver Kostentreiber im chinesischen Gesundheitssystem. Es ist gut, dass China jetzt dagegen vorgeht“, betonte Rürup.

Abschließend benannte der Wirtschaftswissenschaftler die Vorteile beider Systeme: „China kann von Deutschland lernen, wie man günstig in zwei Systemen arbeiten kann: dem stationären und dem ambulanten. Und, dass neben der Kran­ken­ver­siche­rung auch eine Pflegeversicherung sinnvoll ist. Deutschland kann von China lernen, wie Reformen schnell umgesetzt werden, und wie man dabei von den Erfahrungen anderer Länder profitieren kann. In Deutschland glaubt man, alle Fehler erst einmal selbst machen zu müssen.“ 

© fos/aerzteblatt.de

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