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Qualität der Krankenhaus­leistungen bleibt gut

Freitag, 2. Oktober 2015

dpa

Berlin - Krankenhäuser haben im vergangenen Jahr eine gute Arbeit geleistet. „Von Ausnahmen abgesehen“ seien die Qualitätsziele überwiegend erreicht worden und man könne insgesamt „von einer guten Versorgungsqualität in deutschen Krankenhäusern sprechen“.

So steht es im Qualitätsreport 2014, den das AQUA-Institut im Auftrag des Gemein­samen Bundes­aus­schusses (G-BA) erstellt hat. Für den Report wurden 416 Qualitäts­indikatoren aus 30 Leistungsbereichen definiert. „Gegenüber 2013 wurde die Qualität in 65 Indikatoren verbessert. Bei 14 gab es eine leichte Verschlechterung, 330 sind unverändert geblieben“, erklärte Joachim Szecsenyi, Geschäftsführer des AQUA-Instituts, gestern bei der Vorstellung des Reports auf der 7. Qualitätssicherungs­konferenz des G-BA in Berlin. „Das zeigt, dass wir eine gute Qualität in der Versorgung haben.“ In einzelnen Bereichen gebe es jedoch einen Verbesserungsbedarf.

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Als Beispiel nannte Szecsenyi die hüftgelenknahe Femurfraktur. „Der Zeitpunkt der Operation einer Femurfraktur ist stark von dem Tag abhängig, an dem der Patient ins Krankenhaus eingeliefert wird“, erklärte er. Bei einer Aufnahme an einem Freitag hätten über 20 Prozent der Patienten länger auf eine Operation gewartet, als nach den Leitlinien zu akzeptieren sei. „Hier kann die Qualitätssicherung darauf hinweisen, dass etwas im Argen liegt“, so Szecsenyi.

Krankenhäuser zur Einführung bestimmter Prozesse verpflichten
Bernhard Egger vom GKV-Spitzenverband kritisierte, dass man in Deutschland in solchen Fällen keine Möglichkeiten habe, die Krankenhäuser zur Einführung bestimmter struktureller Maßnahmen zu zwingen. „Viele der Patienten, die am Freitag in das Krankenhaus eingeliefert werden, werden am Wochenende nicht operiert, weil manche Kliniken aus finanziellen Gründen keinen Wochenenddienst gewährleisten können oder er ihnen zu teuer ist“, kritisierte Egger. So gebe es Krankenhäuser, die ihre Patienten fast ausschließlich erst nach 48 Stunden operierten. „Der zentrale Schwachpunkt der jetzigen Qualitätssicherung ist, dass wir keine Möglichkeiten haben, Krankenhäuser zu verpflichten, diese Patienten innerhalb von 48 Stunden zu operieren“, meinte Egger. Eine Änderung erhofft er sich vom Krankenhaus-Strukturgesetz, mit dem Kranken­häusern Erlöse gekürzt werden sollen, die eine im Vergleich schlechtere Qualität abliefern.

Szecsenyi nannte aber auch ein Beispiel, bei dem sich die Versorgungsqualität verbessert hat: „Bei der ambulant erworbenen Pneumonie ist die Bestimmung der Atemfrequenz bei der Aufnahme der Patienten ein Prozessindikator, der eine ganz essenzielle Auswirkung auf das Überleben der Patienten hat. Im Jahr 2013 wurde diese Bestimmung bei 87,5 Prozent aller Patienten durchgeführt, im Jahr 2014 bei 94,8 Prozent.“ Grund für diese Verbesserung sei, dass sich die Fachgesellschaften und die Krankenhäuser infolge der Qualitätsmessung mit diesem Thema beschäftigten. So werde ein sogenannter Strukturierter Dialog mit den Krankenhäusern ausgelöst, die rechnerisch auffällig sind. In der Folge können Krankenhäuser zum Beispiel zu einer Stellungnahme aufgefordert werden. Andere Optionen sind eine Begehung des Krankenhauses oder das Schließen von Zielvereinbarungen.

Regionale Unterschiede bei der Qualitätssicherung sind groß
Egger kritisierte, dass es in diesem Bereich große regionale Unterschiede gebe. „In Bayern wurden 35 Prozent der auffällig gewordenen Krankenhäuser um eine Stellungnahme gebeten, bei 0,9 Prozent wurde eine Begehung vereinbart, und Zielvereinbarungen gab es gar keine“, sagte er. „In Nordrhein-Westfalen hingegen wurden 60 Prozent der auffälligen Häuser um Stellungnahmen gebeten, es gab keine Begehungen, aber bei acht Prozent der Häuser Zielvereinbarungen.“

Bernd Metzinger von der Deutschen Krankenhausgesellschaft betonte, dass der Qualitätsreport einmal mehr die guten Leistungen der Krankenhäuser belege – auch im internationalen Vergleich. „In der Politik scheint das aber nicht so richtig anzukommen“, bemängelte er. „Denn die Politik meint, im Krankenhaus-Strukturgesetz eine Qualitäts­offensive beginnen zu müssen. Dabei sind 99,9 Prozent der gemessenen Qualität unauffällig, also gut.“

DKG fordert Bürokratieabbau bei der Qualitätssicherung
Metzinger forderte, dass man sich bei der Qualitätssicherung auf die Bereiche konzen­trieren müsse, bei denen noch ein vermutetes Verbesserungspotenzial liege. „Wir müssen davon wegkommen, auch die Bereiche jedes Jahr zu messen, in denen die Leistung zuvor über Jahre gut war“, sagte er. In solchen Fälle könne man bei der Qualitätsmessung eine Pause von drei bis fünf Jahren machen. Zudem „müssen wir uns bei der Qualitätssicherung hinterfragen, wie wir eine elegantere und weniger bürokratische Methode umsetzen können“, zum Beispiel mithilfe von Routinedaten.

Zudem betonte Metzinger, dass die Krankenhäuser die sektorenübergreifende Qualitätssicherung weiter verfolgen wollten. Denn „wir wollen wissen, ob Patienten ein halbes Jahr nach einer Hüftoperation laufen können oder nicht. Wegen des Datenschutzes ist es leider nicht möglich, die notwendigen Daten zusammenzuführen.“

© fos/aerzteblatt.de

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