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Explosionswaffen größte Gefahr für Kinder im syrischen Bürgerkrieg

Freitag, 2. Oktober 2015

dpa

Brüssel – Der Einsatz explosiver Waffen in Syrien ist besonders für Kinder verheerend, die in den betroffenen Gebieten leben. Eine neue Analyse im British Medical Journal zeigt, dass Kinder durch den Einsatz von Explosionswaffen ein zwei- bis fünffach höheres Risiko hatten zu sterben als erwachsene Männer. Die Autorengruppe um Debarati Guha-Sapir spricht sich für ein Verbot von Explosionswaffen in dicht besiedelten Gebieten aus (doi: 10.1136/bmj.h4736 ).

Seit Beginn des Bürgerkriegs im Frühjahr 2011 wurden nach Berichten der UN bis März 2015 von den 21 Millionen Einwohnern Syriens über sieben Millionen vertrieben, vier Millionen sind auf der Flucht, eine Millionen wurden verwundet und 220.000 sind ums Leben gekommen. Von den 220.000 Toten sind rund ein Drittel Zivilisten.

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Auf Seiten der Assad-Regierung kommen hochtechnisierte Waffen wie Panzer, Geschütze und Flugzeuge zum Einsatz, während die Opposition meist von improvisierten Sprengfallen und leichten Waffen Gebrauch macht.

Die Experten um Debarati Guha-Sapir an der Katholischen Universität Löwen untersuchten in ihrer Studie durch welche Waffen und Konfliktsituationen die Bevölkerung am stärksten in Mitleidenschaft gezogen wird. 

Das Violations Documentation Center in Syrien (VDC) ist eine von vier Institutionen, welche die Opferzahlen des Konfliktes erfasst. Insgesamt registrierte es von März 2011 bis Januar 2015 78.769 getötete Zivilisten. Davon starben 77.646 in von Rebellen kontrollierten Gebieten. 

Die 9.368 Kinder, die in den Auseinandersetzungen ums Leben kamen, wurden in 75 Prozent der Fälle durch Explosionswaffen getötet. Dies übertraf bei weitem die Zahl der 969 getöteten Kinder, die durch Chemiewaffen umkamen. Chemische Waffen werden wie alle Massenvernichtungswaffen international kontrolliert und sind wegen der breiten Schadenswirkung gegen die Zivilbevölkerung nach UN-Recht verboten. Kinder hatten, je nach Gebiet in dem sie lebten, ein 1,81 bis fünffach höheres Risiko als Männer, durch Explosionswaffen zu versterben. 

Männer kamen am häufigsten durch Schusswechsel und Granaten ums Leben oder wurden hingerichtet. Für Frauen waren Explosionswaffen die zweithäufigste Todesursache – also waren auch sie oft in die Bombardements und Angriffe verwickelt.

Die Forscher gehen davon aus, dass unter anderem durch das unselektive Schadensverhalten von Explosionswaffen Kinder und andere Zivilisten so häufig in Mitleidenschaft gezogen werden. Sie fordern daher den Einsatz von Explosionswaffen in den dicht besiedelten Gebieten schnellstmöglich zu beenden. Dies sei jedoch nur dann möglich, wenn internationale Kräfte den Import schwerer Waffen in die Krisengebiete stoppen.

© hil/aerzteblatt.de

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