NewsMedizinTherapie­entscheidungen: Arzt und Patient sollten sie gemeinsam treffen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Therapie­entscheidungen: Arzt und Patient sollten sie gemeinsam treffen

Sonntag, 4. Oktober 2015

Köln – Arzt und Patient entscheiden gemeinsam, welche Behandlung vorgenommen wird – dieses Ideal ist heute in Deutschland im Patientenrechtegesetz und in der Musterberufsordnung der Ärzte verankert. Die sogenannte partizipative Entschei­dungsfindung (PEF) gilt dabei als Goldstandard, bei der Arzt und Patient ihr Wissen über die Krankheit und Therapien austauschen, die möglichen Behandlungen diskutieren und sich gemeinsam für eine entscheiden.

Im Deutschen Ärzteblatt (Ausgabe 40) mit dem Schwerpunktthema "Patien­tenbeteiligung" gehen zwei Originalarbeiten den Fragen nach: Nutzt dem Patienten die PEF? Wirkt seine Therapie dadurch besser? Was bringt eine PEF-Fortbildung den Ärzten?

In ihrer Übersichtsarbeit haben Katarina Hauser und Koautoren (Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 665-71) Studien untersucht, in denen einige Patienten an einer PEF teilgenommen haben, während für die anderen die Behandlung konventionell entschieden wurde. Sie verglichen anhand sogenannter krankheitsrelevanter Endpunkte, bei welcher Patienten­gruppe die Therapie wirksamer war. In nur knapp der Hälfte der Studien zeigt sich nach PEF eine Verbesserung der Therapieergebnisse. Jedoch weisen die Autoren darauf hin, dass aufgrund der geringen Zahl auswertbarer Arbeiten – nur 22 Studien entsprachen den Einschlusskriterien – kein abschließendes Urteil über PEF getroffen werden konnte.

Anzeige

Martin Härter und Koautoren (Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 672-9) analysierten in ihrer randomisierten kontrollierten Studie, ob Ärzte nach einer zwölfstündigen PEF-Schulung besser auf die Entscheidungsgespräche mit ihren Krebspatienten vorbereitet sind und ob diese davon profitieren.

Dazu wurden die Betroffenen direkt vor und drei Monate nach ihrem Arzt-Patienten-Gespräch über einen Fragebogen interviewt und unter anderem ihre Sicherheit und Zufriedenheit mit ihrer Entscheidung abgefragt. Dabei zeigte sich, dass Patienten von PEF-geschulten Ärzten bei ihrer Wahl nicht sicherer sind als von PEF-ungeschulten. Allerdings empfinden sich die Mediziner nach ihrer Fortbildung kompetenter für PEF und ihre Patienten zeigten leicht geringere Ängstlichkeits- und Depressionswerte. Die Autoren betonen, dass die geringe Zahl der durchgängig teilnehmenden Ärzte – immerhin nur 23 der 900 angeschriebenen – durch viele Barrieren zu Stande kommen und eine Förderung von PEF-Trainings- und Evaluationsstudien notwendig ist.

© mei/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

21. Februar 2020
Karlsruhe – Das Oberlandesgericht Karlsruhe (OLG) hat einer Frau nach der Geburt ihres schwerbehinderten Kindes Schmerzensgeld zugesprochen, weil die behandelnden Ärzte die Mutter während der
Schmerzensgeld nach Geburt von schwerbehindertem Kind
19. Februar 2020
Köln – Wer das Internet nach Krankheitssymptomen durchsucht, steigert damit seine Sorgen über die eigene Gesundheit. Das konnte ein Team um Alexander Gerlach, Professor am Lehrstuhl für Klinische
Cyberchondriasis: Dr. Google schürt Sorgen
29. November 2019
Berlin – Der Erfolg eines endoprothetischen Eingriffes hängt auch von der Compliance der Patienten ab. Das betonte Rudolf Ascherl, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik (AE), gestern
Endoprothetik: OP-Risiken minimieren ist auch Patientensache
5. November 2019
Berlin – Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung glaubt, dass in Arztpraxen und Krankenhäusern medizinisch überflüssige Leistungen erbracht werden. Dieses Bewusstsein für das Thema Überversorgung
Überversorgung ist ein Problem, „aber nicht bei mir“
22. Oktober 2019
Hanover – Patienten haben weniger Schmerzen, wenn ihre Ärzte selbst an die Wirksamkeit der Behandlung glauben. Das geht aus einer Studie in Nature Human Behaviour hervor. Demnach spiegele sich die
Erwartungen des Arztes beeinflussen Schmerzempfinden von Patienten
16. September 2019
Bochum – Medizinstudierende der Ruhr-Universität Bochum (RUB) sollen künftig psychiatrische Untersuchungsgespräche mit sogenannten Avataren üben. Sie erhalten dazu eine Virtual-Reality-Brille und
Medizinstudierende üben psychiatrische Patientengespräche mit Avataren
21. August 2019
Dresden – Das Herzzentrum des Universitätsklinikums Dresden hat ein Pilotprojekt gestartet, um Patienten besser zu informieren. Im Rahmen des Projektes übergibt die Einrichtung ihren Patienten ab
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER