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Ärzteschaft

Sächsische Experten sehen keine Vorteile einer industriellen Zweit- und Neuverblisterung

Montag, 5. Oktober 2015

Dresden/Leipzig – In einem gemeinsamen Positionspapier haben die sächsischen Ärzte und Apotheker das Konzept der Zweit- und Neuverblisterung von Arzneimitteln bei der Heimversorgung sowie der Versorgung chronisch kranker Patienten hinterfragt. Ange­sichts der mangelhaften Datenlage sehen die Experten den Lösungsansatz dabei eher kritisch.

So fehle es laut Positionspapier an validen und objektiven Daten und Studien, die die Vorteile für Arznei­mittel­therapie­sicherheit und Kostenreduzierungen belegen könnten. Zudem werde die Therapiefreiheit des verordnenden Arztes eingeschränkt. „Es ist von großer Bedeutung, dass der behandelnde Arzt Therapiehoheit und Therapiefolge jederzeit in der Hand hat“, betonte Erik Bodendieck, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer (SLÄK).

Die Möglichkeit einer notwendigen und kurzfristigen Therapieumstellung sei bei einer Zweit- und Neuverblisterung jedoch nicht gegeben. Zudem seien viele Arzneiformen wie Säfte und Zäpfchen, aber auch Salben oder Schmerzpflaster, nicht für eine Verblis­terung geeignet. „Es besteht die Gefahr, dass solche Darreichungsformen zugunsten verblisterter Arzneimittel ersetzt werden und damit für die Versorgung von Heim­patienten und älteren Patienten nur noch eingeschränkt zur Verfügung stehen“, warnte Thomas Dittrich, Vorsitzender des Sächsischen Apothekerverbandes. Darüber hinaus  würden häufig halbe Tabletten verordnet, die sich ebenfalls schlecht verblistern ließen.

Auch hinsichtlich der Identifizierung von Arzneimitteln warnen vor allem die Apotheker vor potenziellen Sicherheitslücken. Zudem müsse kritisch hinterfragt muss, ob der isolierte Einspareffekt im Heim durch die zusätzlich notwendigen ärztlichen und pharmazeutischen Aufwendungen aufgewogen werden kann. © hil/aerzteblatt.de

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