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Politik

Krankenhäuser: Mit Restrukturierung aus der Krise

Montag, 5. Oktober 2015

Biersdorf – Unter dem Druck der wachsenden Anforderungen und von Überkapazitäten stellen viele Krankenhäuser die tradierte Kostenstruktur und ihr Angebotsverhalten auf den Prüfstand. Weitreichende Restrukturierungs-, Sanierungs- und Fusionsmaßnahmen werden mit wechselndem Erfolg unternommen. Mehr als ein Drittel aller bundes­deutschen Akutkrankenhäuser (Stand Ende 2014: 1.993) schreiben rote Zahlen oder müssen saniert werden, um Krankenhausschließungen zu vermeiden. Von einer „krisenhaften Situation auf dem Krankenhausmarkt“ zu sprechen, sei aber weithin überzogen. Statt zuzuwarten, seien rechtzeitige und zielgerichtete Maßnahmen notwendig, um der krisenhaften Situation entgegenzuwirken. Dies ist ein Fazit der 36. Biersdorfer Krankenhaus-Management-Gespräche Ende September in Biersdorf/Bitburg (Eifel).

Trotz alarmierender Berichte über die sich zuspitzende finanzielle Situation vieler Krankenhäuser gab Martin Hohmann, Kliniksanierer der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers AG, Frankfurt/Main, einstweilen Entwarnung: Die Zahl der Krankenhausinsolvenzen sei zwar 2009 deutlich gestiegen, sie sei aber im Vergleich zum industriellen und gewerblichem Sektor nicht überdimensioniert hoch. Allerdings: „Krisenfälle“ würden realitätswidrig hochgespielt, um die Krankenkassen zu alarmieren und die Patienten zu verunsichern. Insolvenzen seien aber zumeist weniger spektakulär und durch regionale Überkapazitäten programmiert gewesen.

Der Unternehmensberater unterstrich dies mit Zahlen des Statistischen Bundesamtes: 2008 gab es bei 2 083 Krankenhäuser erst 17 Insolvenzen; die Ausfallwahrscheinlichkeit betrug 0,8 Prozent. 2010 gab es bei 2064 Krankenhäusern 18 Insolvenzen; Ausfall­wahrscheinlichkeit: 0,9 Prozent. Aktuell wurden bei 1.996 Krankenhäusern jedoch schon 28 Insolvenzen aktenkundig. Die Ausfallwahrscheinlichkeit beträgt aktuell 1,4 Prozent.

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Den Klinikbetreibern und dem Management rät der Sanierer zu folgendem erfolg­versprechenden Vorgehen: Je früher eine krisenhafte Entwicklung erkannt und dagegen interveniert wird, desto höher sind die Chancen, den Ruin und ein Marktversagen abzuwenden.

Umgekehrt gelte: Je später reagiert wird, desto geringer sind die Möglichkeiten, wieder auf einen „grünen Zweig“ zu gelangen. Erforderlich sei eine gründliche Ursachenanalyse unter Einbeziehung der Entscheidungsträger und aller Funktionsbereiche der Kliniken. Außerdem müsse geklärt werden, welche Entwicklung der Klinikbetrieb nach erfolgreicher Umstrukturierung, Sanierung und Fusion nehmen soll.

Ziel sei es, eine Insolvenz ebenso wie Reputationsverluste bei den Zuweisern und den präsumtiven Patienten zu vermeiden. Sowohl die Ertrags- als auch die Kostenseite müssten analysiert und die Schwachpunkte benannt werden. Das Management müsse rasch die Strategie- und Ertragskrise bewältigen. Ein Fehler der Betriebsführung sei es, Umsatzrückgänge und Positionsverluste hauptsächlich auf externe Ursachen und die Politik zurückzuführen. Interne Ursachen, die in die Krise führten: geringe Reputation, veralterte bauliche Strukturen und unwirtschaftliche Betten- und Funktionstrakte, verringerte Zuweiserraten, Unterauslastung und schwindende Akzeptanz bei Patienten und Einweisern.

Erforderlich sei ein besseres Patientenmanagement mit einheitlichen, straff geführten Ablaufprozessen. Empfohlen werden: Neubau mit wirtschaftlicheren Strukturen, die Ausrichtung auf zukunftsträchtige Geschäftsfelder, Bildung von interdisziplinären Zentren, gezielte Fusionen und Trägerzusammenschluss mit Klinikkonzernen, ein gezieltes Einweisermanagement und die Zusammenarbeit mit ärztlichen Partnern im Klinikumfeld sowie die Etablierung einer plausiblen Krankenhausmarke. © HC/aerzteblatt.de

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