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Medizin

Darmkrebs: Europaweite Unterschiede in der Sterblichkeit

Mittwoch, 7. Oktober 2015

Lyon – In den meisten Ländern West- und Nordeuropas ist die Zahl der Darmkrebs­todesfälle in den letzten Jahren gesunken, in einigen osteuropäischen Ländern ist die Mortalität vor allem bei Männern jedoch gestiegen, wie eine Untersuchung im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2015; 351: h4970) zeigt.

Europaweite Vergleiche sind aufgrund der unterschiedlichen Datenerhebung immer mit Vorsicht zu beurteilen. So ist nicht unbedingt glaubhaft, dass 1989/1991 in Tschechien fünfmal mehr Männer an Darmkrebs gestorben sind als in Griechenland. Bei den Frauen war die Mortalität in Ungarn dreimal höher als in Griechenland. Eine Unter­erfassung von Darmkrebstodesfällen in Griechenland dürfte nicht ganz von der Hand zu weisen sein, zumal sich auch die Hellenen nicht unbedingt nach den Prinzipien der mediterranen Kost ernähren.

Glaubhafter erscheinen die zeitlichen Trends, die ein Team um Philippe Antier vom International Prevention Research Institute in Lyon für die einzelnen Länder ermittelt hat, auch wenn hier für die Zeit nach der Wende 1989 Veränderungen in der Daten­erfassung nicht auszuschließen sind.

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Die günstigste Entwicklung sieht Antier für Deutschland, Österreich, die Schweiz, Grossbritannien, Belgien, Tschechien, Luxemburg und Irland. In diesen Ländern ist die Darmkrebsmortalität bei Männern um mehr als 25 Prozent und bei Frauen um mehr als 30 Prozent zurückgegangen. In den Niederlanden und Schweden betrug der Rückgang für beide Geschlechter weniger als 17 Prozent.

In den meisten osteuropäischen Ländern ist die Mortalität bei Männern dagegen gestiegen. In Kroatien, Mazedonien und Rumänien war dies auch bei den Frauen der Fall. Die Gründe für die gegensätzlichen Trends in West- und Osteuropa kann die Studie nicht klären. Neben dem ungesunderen Lebensstil, vor allem dem exzessiven Alkoholkonsum in einigen osteuropäischen Ländern, könnten die schlechteren Behandlungsergebnisse und das Fehlen von Vorsorgeprogrammen eine Rolle gespielt haben.

© rme/aerzteblatt.de

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