Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Adipositas-Opera­tionen erhöhen Suizidrisiko

Freitag, 9. Oktober 2015

Toronto – Eine Magenverkleinerung oder ein Magenbypass hat nicht nur Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit von Menschen mit Adipositas. Zu den Folgen gehört ein Anstieg der Suizidrate. In einer Kohortenstudie in JAMA Surgery (2015; doi: 10.1001/jamasurg.2015.3414) hatten alle Patienten, die sich selbst Verletzungen zufügten, mentale Probleme.

Bariatrische Operationen erzwingen nicht nur eine deutliche Reduktion des Körper­gewichts. Sie kurieren häufig auch einen Typ 2-Diabetes und andere Folgen der Fettleibigkeit. Doch nicht alle Patienten sind glücklich mit dem Ergebnis. Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass die Suizidrate bis zu 4-fach höher ist als in der Allgemein­bevölkerung.

Ein Grund wird in der erhöhten psychiatrischen Morbidität der Patienten vermutet. Viele Patienten mit extremer Adipositas leiden bereits vor der Operation unter Major-Depressionen oder anderen mentalen Störungen, die sich nach der Operation nicht notwendigerweise bessern. Es wird sogar vermutet, dass die hormonellen Verä­nderungen, die sich aus der funktionellen Darmverkürzung ergeben, Auswirkungen auf das psychische Befinden haben könnte. Bei einigen Patienten wird Alkohol zur Ersatzdroge für die verhinderte „Fettsucht“.

Junaid Bhatti vom Sunnybrook Research Institute in Toronto hat die Daten von 8.815 Patienten untersucht, die sich im Bundesstaat Ontario einer bariatrischen Operation unterzogen. Insgesamt 111 Patienten waren in den drei Jahren vor und/oder den drei Jahren nach der Operation wegen selbst beigebrachter Verletzungen in einer Notfallaufnahme behandelt worden.

Bhatti errechnet eine Häufigkeit von 2,33 pro 1.000 Personenjahre vor der Operation und von 3,63 pro 1.000 Personenjahre nach der Operation. Die Suizidalität, die vor der Operation bereits über dem Durchschnitt lag, hatte sich nach der Operation noch einmal um 54 Prozent erhöht (Rate Ratio 1,54; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,03-2,30). Mehr als sieben hatten eine Überdosis von Medikamenten eingenommen, die anderen hatten sich erhängt oder eine körperliche Verletzung zugefügt. Fast alle Patienten hatten laut Bhatti eine mentale Erkrankung in der Vorgeschichte.

Das Problem der erhöhten Suizidalität ist bekannt. Die American Society for Metabolic and Bariatric Surgery hat bereits 2004 gefordert, dass die Patienten vor der Operation psychiatrisch untersucht werden. Nach der Operation sollte sich eine psychologische Betreuung anschließen. Ob diese Empfehlungen umgesetzt werden, konnte Bhatti nicht prüfen. Seine Analyse zeigt jedoch, dass die meisten Selbstverletzungen im zweiten und dritten Jahr nach der Operation auftreten. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

alexanes
am Mittwoch, 30. März 2016, 12:14

Plastisches Symptom

Rational ist das alles ja nicht nachvollziehbar, wenn der psychodynamische "Wert" der Symptome nicht in Betracht kommt.
Ein plastisches Beispiel dafür, dass (psychische und (psycho)somatische) Symptome an sich schon oft Kompromisslösungen seien können.
Die Lösung kann dann nicht durch Behandlung oder Beseitigung des (körperlichen oder psychischen) Symptoms alleine gelingen.
Der Symptomshift z.B. von Fett- zu anderer Sucht erscheint dann verständlicher.
Auch der fettleibige Körper kann identitätsstiftend wirken und die Psyche kann eine (wenn auch konfliktreiche und ambivalente) Beziehung mit diesem Körper eingegangen sein, die nicht durch eine Operation alleine Behandelt werden kann...
Herz1952
am Montag, 12. Oktober 2015, 16:53

Oder ist es der Kampf gegen die Veranlagung des eigenen Körpers

Vielleicht spielt auch der ständige Kampf mit dem eigenen Körper eine Rolle beim Suizid. Viele sind schon beim Abnehmen depressiv geworden. Leider ist bei manchen Patienten ein Magenband die einzige Rettungsmöglichkeit.

Nachrichten zum Thema

16.10.17
Ältere Männer besonders suizidgefährdet
Hamburg – Alte Menschen sind nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention (DGS) besonders stark selbstmordgefährdet. Rund 10.000 Menschen nehmen sich in Deutschland pro Jahr das Leben.......
12.10.17
Wieso ein Kaiserschnitt zu dickeren Kindern führt
New York – Mäuse, die per Kaiserschnitt entbunden werden, wiegen später ein Drittel mehr als nach einer natürlichen vaginalen Geburt. Die Auswirkungen, die Forscher in Science Advances (2017; doi:......
11.10.17
Adipositas bei Kindern und Jugendlichen bald häufiger als Untergewicht
London – Immer mehr Kinder und Jugendliche sind fettleibig. Weltweit hat sich die Zahl der adipösen Menschen im Alter von fünf bis 19 Jahren in den letzten vier Dekaden verzehnfacht. Wenn der Trend......
06.10.17
Kindersterblichkeit und Suizide nehmen unter Indigenen in Brasilien zu
Brasilia – Brasiliens indigene Völker leiden zunehmend unter Gewalt und prekären Lebensbedingungen. Das berichtet der Indianermissionsrat der brasilianischen Bischofskonferenz (Cimi) in seiner in......
29.09.17
Hypertonie in der Schwangerschaft fördert Adipositas der Kinder
Qingdao – Ein erhöhter Blutdruck in der Schwangerschaft kann möglicherweise dazu führen, dass das Kind bereits im Vorschulalter eine Adipositas entwickelt. Dies kam in einer prospektiven......
22.09.17
Adipositas: Magenbypass senkt Körpergewicht langfristig und vermeidet Typ 2-Diabetes
Salt Lake City – Ein Roux-en-Y-Magenbypass kann langfristig den Body-Mass-Index senken. In einer prospektiven Beobachtungsstudie konnten die Teilnehmer auch nach 12 Jahren ihr reduziertes......
08.09.17
Union, SPD und Grüne wollen Suizide verhindern
Berlin – SPD, Union und Grüne haben zum Welttag der Suizidprävention am 10. September erneut eine bessere Prävention von Selbsttötungen gefordert. In einem interfraktionellen Gesetzesantrag wollen die......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige