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Medizin

Herzinfarkt: Studie findet Grenzwert für hochsensitives Troponin I

Donnerstag, 8. Oktober 2015

Edinburgh – Nicht jeder Anstieg des „kardialen“ Troponins I, einem bei einer Ischämie aus Herzmuskelzellen freigesetzten Protein, weist auf ein akutes koronares Syndrom (ACS) hin. Der British Heart Foundation ist es in einer Kohortenstudie im Lancet (2015; doi: 10.1016/S0140-6736(15)00391-8) gelungen, einen Grenzwert zu definieren, der mit einem hohen prädiktiven Vorhersagewert bei zwei Dritteln aller Notfallpatienten mit typischen Beschwerden ein ACS ausschließt und die Diagnostik damit beschleunigen könnte.

Starke Schmerzen in der Brust, eventuell begleitet von Atemnot, sind ein häufiger Anlass für eine internistische Notaufnahme. Die Verdachtsdiagnose ist häufig ACS (Herzinfarkt oder instabile Angina), und der erste Test in der Klinik ist – neben einem EKG – die Bestimmung des „kardialen“ Troponins I. Die neueste Generation von hoch-sensitiven Tests kann das Protein bereits im Bereich von wenigen Pikogramm pro Liter nachweisen.

Da auch bei gesunden Menschen immer etwas Troponin I ins Blut gelangt, sind diese Werte unbedenklich. Eine genaue Grenzziehung zum ACS fällt vielen Kardiologen jedoch schwer. Viele Patienten werden deshalb zur Beobachtung aufgenommen, um durch wiederholte Messung des Troponins I oder anderer Zeichen die Diagnose eines ACS zu stellen oder auszuschließen.

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Die British Heart Foundation hat jetzt in einer prospektiven Studie untersuchen lassen, wie hoch der initiale Troponin I-Wert sein darf, um mit 99,5-prozentiger Sicherheit einen ACS nicht zu übersehen (negativer Vorhersagewert). Dies war in einer ersten Kohorte von 4.870 Patienten bei einem Grenzwert von 5 ng/l der Fall. Insgesamt 2.311 von 3.799 Patienten (61,5 Prozent), die nicht an einem ACS erkrankt waren, hatten einen Troponin I-Wert von unter 5 ng/l und hätten deshalb ohne weitere Beobachtung nach Hause entlassen oder einer anderen Diagnostik zugeführt werden können.

Der „Cut off“-Wert bestand in allen Altersgruppen, beiden Geschlechtern und vor dem Hintergrund unterschiedlicher Herz-Kreislauf-Risiken. Die Ergebnisse konnten in zwei weiteren Kohorten validiert werden und die Nachbeobachtung ergab, dass von den Personen mit einem Troponin unter 5 ng/l innerhalb des ersten Jahres nur 0,6 Prozent an einem Herzinfarkt erkrankten oder einen plötzlichen Herztod erlitten.

Louise Cullen und William Parsonage vom Royal Brisbane and Women's Hospital weisen im Editorial darauf hin, dass der Grenzwert nur für den verwendeten Test eines US-Herstellers gilt (der nicht an der Finanzierung der Studie beteiligt war). Eine Unsicherheit ergibt sich daraus, dass die Messgenauigkeit bei niedrigen Troponin I-Konzentrationen schwanken kann. Ein Qualitätsindikator sei eine Variation der Messwerte von weniger als 10 Prozent in der 99. Perzentile. © rme/aerzteblatt.de

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