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Medizin

Offene Frakturen: Keine Vorteile durch Jet-Lavage oder Seifenlösung

Freitag, 9. Oktober 2015

Hamilton – Eine Jet-Lavage, bei der die Wunde unter einem erhöhten Wasserdruck mit einer Kochsalzlösung gereinigt wird, hat in einer randomisierten kontrollierten Studie die Behandlungsergebnisse in der Behandlung offener Frakturen nicht verbessert. Die Verwendung einer Seifenlösung war laut den im New England Journal of Medicine (2015; doi: 10.1056/NEJMoa1508502) veröffentlichten Ergebnissen sogar mit einer erhöhten Rate von Re-Operationen verbunden.

Die Behandlung von offenen Knochenbrüchen ist nach wie vor ein therapeutisches Dilemma. Wenn es nicht gelingt, die Wunde von totem und infiziertem Gewebe zu befreien, kommt es unweigerlich zu einer Osteomyelitis, die eine Re-Operation notwendig macht und in der Regel einen langfristigen Heilungsverlauf einleitet.

Eine Jet-Lavage, also eine Spülung unter erhöhtem Sprühdruck verspricht zwar eine bessere Reinigung der Wunde, sie kann aber auch Knochengewebe lädieren und Bakterien in tiefere Gewebezonen transportieren. Die Verwendung einer Seifenlösung greift neben den Bakterien immer auch das gesunde Gewebe an.

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Die „Fluid Lavage of Open Wounds“ oder FLOW-Studie war die bislang größte klinische Studie, die diese für Versorgung von Unfall- oder Kriegsverletzten wichtige Frage klären sollte. An 41 Zentren in den USA, Kanada, Australien, Norwegen und Indien wurden 2.447 Patienten per Losverfahren auf sechs Gruppen verteilt. In einem 2 x 3 Design wurde der Einfluss einer Seifenreinigung (Olivenölseife versus Kochsalzlösung) und einer Lavage mit drei unterschiedlichen Sprühdrücken (1-2 psi, 5-10 psi oder mehr als 20 psi) auf die Re-Operationsrate (primärer Endpunkt der Studie) untersucht.

Wie ein Team um Mohit Bhandari von der McMaster Universität in Hamilton im kanadischen Bundesstaat Ontario mitteilt, hatte der Sprühdruck keinen Einfluss auf die Notwendigkeit einer erneuten Operation: Nach einer Lavage mit hohem Druck war bei 13,2 Prozent der Patienten eine operative Revision erforderlich. In der Gruppe mit mittlerer Jet-Lavage lag die Rate bei 12,7 Prozent und in der Niederdruck-Gruppe bei 13,7 Prozent. Die Hazard Ratios waren nicht signifikant.

Das 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,78 bis 1,33 beim Vergleich der Jet-Lavage mit dem höchsten Druck und dem niedrigsten Druck schließt die Möglichkeit ein, dass die Behandlung das Komplikationsrisiko um 22 Prozent senkt oder um 33 Prozent erhöht. Dies sind laut Bhandari klinisch relevante Unterschiede, die möglicherweise Anlass für weitere Studien geben. Wenig untersucht sei zudem eine Jet-Lavage mit einem Spüldruck von mehr als 50 psi (ein psi, für „pound-force per square inch“, entspricht etwa 0,07 bar).

Geklärt sein dürfte die Frage der Verwendung einer Seifenlösung. Sie erhöhte in der Studie die Rate der Re-Operationen von 11,6 auf 14,8 was bei einer Hazard Ratio von 1,32 und einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,06 bis 1,66 einen signifikanten Nachteil darstellt. © rme/aerzteblatt.de

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