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Medizin

„Breit­spektrum-Inhibitor“ könnte (nicht nur) gegen Ebola wirken

Montag, 12. Oktober 2015

Ebola-Virus

Fort Detrick – Ein bislang unbekannter „Breitspektrum-Inhibitor“ von Filoviren hat in Laborexperimenten die Replikation von Ebola- und einigen anderen Viren unterdrückt. Rhesusaffen konnten noch in der virämischen Phase vor einer tödlichen Ebola-Erkrankung geschützt werden, wenn die auf der IDWeek 2015 in San Diego vorgestellten Ergebnisse zutreffen.

Ebola ist, mit der Ausnahme einer Erkrankung in Großbritannien, aus den Schlagzeilen verschwunden. Anfang Oktober meldete die Weltgesundheitsorganisation, dass erstmals seit März 2014 über eine gesamte Woche keine neuen Ebola-Erkrankungen in Westafrika bekannt wurden. Die Gefahr ist damit nicht gebannt, und ein Wirkstoff, der nach dem Ausbruch der Erkrankung wirksam ist, fehlt bisher. Einen solchen Wirkstoff könnte die kalifornische Firma Gilead Sciences jetzt gefunden haben.

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Die Substanz GS-5734 ist nach Auskunft der Firma ein „Breitspektrum-Inhibitor“ von Filoviren. Genau genommen handelt es sich um ein Prodrug, das intramuskulär verabreicht wird, aus dem nach Eintritt in die Zellen ein Nukleotid-Analogon wird. GS-5734 hat, wenn man den auf der Tagung präsentierten Daten Glauben schenken darf – eine Publikation steht noch aus – eine erstaunlich breite Wirkung gegen Filoviren.

In Zellkulturen war der Wirkstoff nicht nur gegen Ebola-Viren (Kikwit und Makona-Varianten) aktiv. Auch die Replikation von Lassa-Virus, MERS-Virus und Marburg-Virus wurde gehemmt. Dies ist erstaunlich, da nur das Marburg-Virus zur gleichen Familie wie das Ebola-Virus gehört. Der gemeinsame Nenner zu den anderen Viren ist, dass sie alle zu den Einzel(−)-Strang-RNA-Viren gehören.

An einem Hochsicherheitslabor des U.S. Army Medical Research Institute of Infectious Diseases (USAMRIID) wurden in einer ersten Serie Rhesus-Affen an den Tagen 2 bis 4 nach einer Inokulation der Viren intramuskulär mit 3 mg/kg GS-5734 behandelt. Jedes zweite Tier überlebte, während im Placebo-Arm alle Tiere verendeten. In einer zweiten Serie wurde die Dosis auf 10 mg/kg erhöht und intravenös verabreicht. Wie Travis Warren vom USAMRIID in Fort Detrick in Maryland berichtet, überlebten dieses Mal alle mit GS-5734 behandelten Tiere. Die Viruskonzentration wurde um 5 log10 Kopien/ml gesenkt. Außerdem besserten sich erste klinische Zeichen der Ebola-Erkrankung wie Thrombozytopenie, Gerinnungsstörungen und die chemischen Laborwerte.

Ein Vertreter des Herstellers teilte mit, dass bereits Phase-1-Studien begonnen wurden. In ihnen wird der Breitspektrum-Inhibitor zunächst an gesunden Probanden getestet. Ob er nach Bestehen dieser Prüfung auch an Patienten eingesetzt wird, dürfte vom wei­teren Verlauf der derzeitigen Epidemie abhängen. Laut den letzten Zahlen der WHO sind seit dem Ausbruch in Guinea, Liberia und Sierra Leone 28.457 Menschen erkrankt, von denen 11.312 gestorben sind. © rme/aerzteblatt.de

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