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Medizin

Studie: Wein statt Wasser am Abend könnte Diabetiker schützen

Dienstag, 13. Oktober 2015

dpa

Beer Sheva – Ein Glas Rotwein zum Abendessen hat in einer randomisierten klinischen Studie die Lipidwerte von Patienten mit Typ 2-Diabetes verbessert. Ein günstiger Einfluss auf den Blutzucker war der Publikation in den Annals of Internal Medicine (2015: doi:10.7326/M14-1650) zufolge auch beim Weißwein erkennbar, allerdings bei beiden Weinsorten nur bei langsamen Ethanol-Metabolisierern. Andere Komponenten des metabolischen Syndroms veränderten sich nicht.

Der Konsum von Alkohol wird von Diabetologen kontrovers diskutiert. Zum einen ist bekannt, dass ein leichter bis moderater Alkoholkonsum die Insulinempfindlichkeit verbessert und die Konzentration des „guten“ HDL-Cholesterin steigert. In größeren Mengen kann Alkohol aber auch die Glukoneogenese in der Leber hemmen und damit das Risiko einer Hypoglykämie erhöhen.

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Zu bedenken ist auch, dass übermäßiger Alkoholkonsum zu einer Fettleber führen kann, die die Kontrolle des Blutzuckers beeinträchtigt, da die Leber ein wichtiger Glukosespeicher ist. Die meisten Diabetologen raten deshalb ihren Patienten, es bei einem leichten bis moderaten Alkoholgenuss zu belassen.

Seine Auswirkungen auf kardiovaskuläre Risikofaktoren wurde jetzt erstmals in der „CArdiovaSCulAr Diabetes & Ethanol“ oder CASCADE-Studie in einem klinischen Experiment untersucht. 224 Typ 2-Diabetiker, die bisher kaum oder keinen Alkohol getrunken hatten, wurden auf drei Gruppen randomisiert. Eine Gruppe wurde gebeten, zum Abendessen ein Glas Wasser zu trinken. In den beiden anderen Gruppen sollten sich die Teilnehmer abendlich ein Glas Rotwein oder ein Glas Weißwein (jeweils 150 ml) genehmigen. Den Teilnehmern aller drei Gruppen wurde zudem zu einer mediterranen Ernährungsweise geraten. Einschränkungen in der Kalorienzufuhr gab es nicht. Die Dauer der Studie betrug zwei Jahre.

Wie das Team um Iris Shai von der Ben-Gurion Universität in Beer Sheva jetzt berichtet, kam es nur bei den Rotwein-Trinkern zu einer Verbesserung der Lipidparameter. Das HDL-Cholesterin stieg um 2,0 mg/dl) das Apolipoprotein (a) um 0,03 g/l. Der Gesamtcholesterin-HDL-C-Quotient verringerte sich um 0,27.

Ein Einfluss auf den Glukosestoffwechsel – bestimmt wurden Nüchtern-Blutzucker, Insulinresistenz (HOMA) und HbA1c – war für beide Weinsorten nur für langsame Metabolisierer (Genotyp ADH1B*1) nachweisbar. Bei den schnellen Metabolisierern, etwa ein Fünftel der Teilnehmer hatte den Genotyp ADH1B*2, war kein Einfluss erkennbar.

Für Shai bestätigen die Ergebnisse die Annahme, dass die Auswirkungen auf den Blutzucker vor allem über die Alkoholkomponenten vermittelt werden. In den 150 ml Wein waren etwa 17 Gramm Ethanol enthalten mit einem Brennwert von 120 Kilokalorien. Den günstigen Einfluss auf den Fettstoffwechsel führt Shai auf den siebenfach höheren Gehalt von Phenolen und den 4 bis 13-fach höheren Anteil von Resveratrol im Rotwein zurück.

Ob die günstigeren Veränderungen im Stoffwechsel den Verlauf des Typ 2-Diabetes beeinflussen, konnte die Studie aufgrund der geringen Teilnehmerzahl nicht unter­suchen. Da es aber weder beim Blutdruck, noch beim Körpergewicht signifikante Veränderungen gab, dürfte der Einfluss, sofern er überhaupt vorhanden ist, gering sein.

Immerhin gab es keine Hinweise, dass der Alkohol die Adipositas fördert oder die Leberfunktion schädigt. Interessanterweise berichteten sowohl die Rotwein- als auch die Weißweintrinker über eine bessere Schlafqualität, was der Einschätzung der Schlafme­diziner widerspricht, nach der Alkohol eher zu einem unruhigen Schlaf führt. Die geringe Dosis mag hier den Ausschlag gegeben haben. © rme/aerzteblatt.de

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