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Medizin

Transkriptom-Analyse unterteilt Darmkrebs in vier Arten

Mittwoch, 14. Oktober 2015

Seattle – Das Kolorektalkarzinom kann aufgrund der in den Krebszellen aktiven Gene in vier unterschiedliche Arten aufgeteilt werden. In Nature Medicine (2015; doi: 10.1038/nm.3967) stellt ein Consortium eine neue Klassifikation der häufigen Krebserkrankung vor.

Das Transkriptom ist die Summe aller in einer Zelle aktiven Gene. Sie bestimmen das Verhalten einer Zelle, was bei Krebstumoren Auswirkungen auf die Aggressivität und auch auf die Therapiemöglichkeiten hat. Mit der zunehmenden Zahl genetischer Untersuchungen ist das Bedürfnis gewachsen, die Tumore zu klassifizieren.

Für das Kolorektalkarzinom legt jetzt ein Colorectal Cancer Subtyping Consortium einen Vorschlag vor. Justin Guinney von Sage Bionetworks, einer Non-Profit-Organisation, die auf dem Campus of the Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle angesiedelt ist, hat hierzu die Daten von 3.443 Darmkrebspatienten aus aller Welt ausgewertet. Laut Guinney ist es die derzeit größte Sammlung von molekularen und klinischen Daten zum Kolorektalkarzinom.

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Das Consortium, dem auch Forscher aus Europa, nicht aber aus Deutschland ange­hören, kommen zu dem Ergebnis, dass sich 87 Prozent aller Kolorektalkarzinome auf vier molekulare Subtypen verteilen lassen, die sie als CMS 1 bis 4 bezeichnen (für Consensus Molecular Subtypes (CMS).

CMS 1 („MSI Immune“, Anteil 14 Prozent) ist gekennzeichnet durch Mikrosatelliten-Instabilitäten und eine Hypermethylierung in DNA-Abschnitten mit erhöhter CpG-Dinukleotid-Dichte. Es liegen häufig BRAF-Mutationen vor und eine starke Aktivierung des Immunsystems könnte nach Ansicht der Forscher Ansätze für eine Immuntherapie bieten.

CMS 2 („canonical“, Anteil: 40 Prozent) zeigt die höchste chromosomale Instabilität aller vier Gruppen. Hier sind häufig die Krebsgene WNT, MYC und EGFR aktiv, die durch Medikamente geblockt werden könnten.

CSM 3 („metabolic“, Anteil 15 Prozent) ist durch die Deregulierung von Stoffwechsel­wegen und Mutationen im KRAS-Gen gekennzeichnet, die ebenfalls Ansatzpunkte für eine Therapie liefern.

An CMS 4 („mesenchymal“, Anteil 30 Prozent) fällt die hohe Anzahl von somatischen Kopienzahlvariationen auf. Der Tumor wächst stark infiltrativ, aktiviert TGF-beta und stimuliert die Bildung eigener Blutgefäße. Diese Variante spricht sehr schlecht auf eine Standardbehandlung an. Rezidivfreies und Gesamtüberleben sind hier geringer als bei den anderen drei Subtypen.

Ob die neue Einteilung sich in der Klinik durchsetzt, bleibt abzuwarten. Der Erfolg jeder Einteilung hängt davon ab, ob den Subtypen Therapien zugeordnet werden können, die die Prognose der Patienten verbessern. Entsprechende klinische Studien sind laut den Autoren bereits in der Planung.

© rme/aerzteblatt.de

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