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Medizin

Ebola: Spermien bleiben viele Monate infektiös

Donnerstag, 15. Oktober 2015

Ebola-Virus dpa

Freetown/Frederick – Das Ebola-Virus kann im Hoden von männlichen Patienten länger persistieren als bisher angenommen. In einer laufenden Querschnittstudie im New England Journal of Medicine (2015; doi: 10.1056/NEJMoa1511410) waren Virusgene bei einem Viertel der Patienten noch sieben bis neun Monate nach der Erkrankung im Ejakulat nachweisbar. In einem Fall kam es 155 Tage nach dem ersten negativen Bluttest zu einer sexuellen Übertragung der Viren (New England Journal of Medicine 2015; doi: 10.1056/NEJMoa1509773).

Dass Ebola-Viren nach dem Abklingen der Erkrankung in immunprivilegierten Organen persistieren können, war bekannt. In früheren Untersuchungen wurden die Viren nach dem Ausbruch der Erkrankung bis zu 15 Tage in der Brustmilch, bis zu 33 Tage im Vaginalsekret, bis zu 98 Tage im Augenkammerwasser und bis zu 101 Tage in den Spermien nachgewiesen.

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Die Empfehlungen der Weltgesundheitsbehörde (WHO) waren jedoch relativ lax. Den Überlebenden wurde geraten, in den ersten drei Monaten nach der Erkrankung sexuell abstinent zu bleiben, oder Kondome zu benutzen. Dass dieses Intervall, das im Wesentlichen aus einer Übertragung des verwandten Marburg-Virus Ende der 1960er Jahre abgeleitet wurde, zu kurz ist, zeigte sich im März diesen Jahres.

Damals erkrankte in Liberia eine Frau tödlich an Ebola, bei der keine aktuellen Kontaktpersonen als Überträger ermittelt werden konnten. Die Frau gab allerdings an, zwei Wochen vor Beginn der Erkrankung vaginalen Geschlechtsverkehr mit einem Mann gehabt zu haben, der im September zuvor an Ebola erkrankt war und überlebt hatte.

Der Fall, der bereits im Mai im Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR 2015; 64:479-481), einem Organ der US-Centers for Disease Control and Prevention, vorgestellt wurde, veranlasste die WHO, ihre Empfehlungen zu aktualisieren. Allen Überlebenden wird jetzt drei Monate nach dem Ende der Erkrankung zu einer Unter­suchung der Spermien geraten. Ungeschützte Sexualkontakte sollen solange vermieden werden, bis der Nachweis negativ ausfällt.

Die jetzt von Gustavo Palacios vom Forschungslabor der US-Armee in Frederick/Maryland vorgestellten Ergebnisse lassen kaum Zweifel daran zu, dass die Frau tatsächlich von ihrem Sexualpartner infiziert wurde. Das Erbgut der Viren war im Samen des Mannes und im Blut der Frau identisch, einschließlich von drei Mutationen, die ansonsten bei Ebola-Viren sehr selten sind. Die Übertragung der Viren hatte 179 Tage nach dem Beginn der Erkrankung bei dem überlebenden Patienten und 155 Tage nach dem zweiten negativen Bluttest stattgefunden.

Dieser Fall veranlasste eine Querschnittstudie an 93 Ebola-Überlebenden. Wie Gibrilla Deen vom Connaught Hospital in Freetown und Mitarbeiter berichten, hatte jeder zweite Virus-Gene im Ejakulat. Alle neun Männer, deren Erkrankung erst 2 bis 3 Monate zurücklag, waren positiv. Von den 40 Männern, die 4 bis 6 Monate nach der Erkrankung untersucht wurden, hatten 26 (65 Prozent) noch Virusgene in der Samenflüssigkeit.

Von 43 Männern mit einem Intervall von 7 bis 9 Monaten waren noch 11 (26 Prozent) infiziert. Und bei einem Mann, der 10 Monate zuvor erkrankt war, war das Ergebnis der Untersuchung unklar. Der „Cycle-Threshold Value“ – er gibt an, wie viele Zyklen der Polymerasekettenreaktion bis zu einem positiven Signal notwendig sind – stieg zwar mit zunehmendem Abstand von der Infektion leicht an, was auf ein allmähliches Abflauen der latenten Infektion hinweist.

Es könnte jedoch sein, dass die Männer ein Jahr nach der Erkrankung oder noch länger ansteckend sind. Eine entsprechende Querschnittstudie zu Frauen wurde bisher nicht durchgeführt. Angesichts von etwa 16.000 Überlebenden der Ebola-Epidemie, ist nach Ansicht von Deen nicht auszuschließen, dass die Epidemie in den nächsten Monaten erneut aufflackert. Derzeit sieht es allerdings nicht danach aus. Nach einem Höhepunkt von 1.063 Neuerkrankungen pro Woche im Oktober 2014, liegt die Zahl derzeit seit 11 Wochen bei unter 10 Neuerkrankungen pro Woche. © rme/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Donnerstag, 15. Oktober 2015, 23:09

Ebola in der Antike?

Bereits in der Antike gab es einige schlimme Epidemien, bei einigen könnte man durchaus an Ebola denken:
http://wwwnc.cdc.gov/eid/article/2/2/96-0220_article

Bei einer mehrmonatigen Viruslatenz wäre es durchaus vorstellbar, daß überlebende antike Seefahrer ungewollt das Virus in die damaligen mediterranen Ballungszentren eingeschleppt haben.
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