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Medizin

USA: Notfälle durch Nahrungs­ergänzungsmittel keine Seltenheit

Donnerstag, 15. Oktober 2015

Atlanta – Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln verursacht in den USA jährlich mehr als 23.000 Notfallbehandlungen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung von Mitarbeitern der Arzneibehörde FDA und der Centers for Disease Control and Prevention im New England Journal of Medicine (2015; 373: 1531-1540).

Jeder zweite erwachsene US-Amerikaner nimmt regelmäßig Vitaminpräparate oder Nahrungsergänzungsmittel ein, um seine Abwehrkräfte zu stärken, das Gewicht zu kontrollieren, Muskeln aufzubauen oder auch um seine sexuelle Potenz zu stärken. Dass die gewünschte Wirkung eintritt, ist zweifelhaft, denn die Hersteller von Vitaminen und Nahrungsergänzungsmitteln müssen die Wirksamkeit ihrer Mittel nicht belegen.

Sie müssen der FDA lediglich mitteilen, dass ihre Produkte sicher sind. Auch dies ist nicht unbedingt gewährleistet. Zwischen 2004 und 2012 hat die FDA mehr als 200 Mittel aus dem Verkehr gezogen. Das bedeutet allerdings nicht, dass die anderen Präparate sicher sind. Es ist gar nicht so selten, dass die Mittel in falsche Hände (etwa von Kindern) gelangen oder die Anwender nach der Einnahme über Beschwerden klagen, die sie zu einem Besuch in einer Notfallambulanz veranlassen.

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Das Team um CDC-Mitarbeiter Andrew Geller hat die Krankenakten aus 63 Notfallauf­nahmen von „Abstraktoren“ sichten lassen. Diese fanden in 3.667 Fällen einen Hinweis, dass der Besuch durch die Einnahme von Vitaminen oder Nahrungsergänzungsmitteln veranlasst wurde. Ein Fünftel der Besuche betraf Kinder, die Multivitamine, Diätmittel, Schlafmittel oder Anxiolytika in größerer Menge geschluckt hatten.

Bei den Erwachsenen wurden die Beschwerden am häufigsten durch Schlankmacher oder Mittel zur Steigerung der Energie ausgelöst. Häufig waren dies kardiale Symptome wie Palpitationen, Brustschmerz oder Tachykardie. Bei jüngeren Patienten wurden diese Symptome eher durch Muskelaufbaupräparate oder Potenzmittel ausgelöst.

Nach der Einnahme von Vitaminen und Spurenelementen klagten die Anwender am häufigsten über allergische Reaktionen. Oder über Schluckprobleme, die vor allem bei älteren Menschen infolge der Pillengröße zum Verschlucken führen oder ein Globusgefühl oder eine Dysphagie auslösten. Während die FDA bei Medikamenten die Größe der Tabletten auf 22 Millimeter beschränkt, gibt es bei Nahrungs­ergänzungs­mitteln keine Beschränkungen.

Hochgerechnet auf das gesamte Land ergeben die Zahlen 23.005 Notfallbehandlungen im Jahr (95-Prozent-Konfidenzintervall 18.611 bis 27.398), darunter wären 2.154 Hospitalisierungen (1342-2967). © rme/aerzteblatt.de

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Staphylococcus rex
am Sonntag, 18. Oktober 2015, 15:13

TTIP und Verbraucherschutz

In der öffentlichen Diskussion wird TTIP in erster Linie als Freihandelsabkommen gepriesen. Das Problem beim Freihandel sind mittlerweile aber nicht die Zölle, sondern die unterschiedlichen Regelungen zum Verbraucherschutz.

Historisch bedingt hat Europa strengere Regeln bei den Lebensmitteln, dafür sind z.B. in den USA Medizinprodukte besser kontrolliert. Es besteht die große Gefahr, daß die Unternehmen den für sie günstigsten Standard einklagen werden, und dies ist nun einmal der schwächste Standard. Einzelne kritische Stimmen bezeichnen TTIP bereits als "Konzernermächtigungsabkommen": http://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/sendung/mdr/ttip-verbraucherschutz-100.html

Wie hoch die Mißbrauchsgefahr bei Ermächtigungsgesetzen ist, das sollten gerade wir Deutschen aus den Erfahrungen mit dem Ermächtigungsgesetz vom 24.03.1933 gelernt haben: https://de.wikipedia.org/wiki/Ermächtigungsgesetz
LNS

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