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Politik

Flüchtlinge: Ärzte und Psychotherapeuten entwickeln Modellprojekt zur besseren Versorgung

Freitag, 16. Oktober 2015

Berlin – Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) und die Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) haben eine bessere psychotherapeutische und psychiatrische Versorgung von psychisch kranken Flüchtlingen gefordert. Ob ein Flüchtling eine Psychotherapie benötigt, muss den Kammern zufolge von unabhängigen und qualifizierten Gutachtern geprüft werden.

Bisher träfen solche Entscheidungen viel zu häufig Sachbearbeiter in den Sozial­behörden oder fachfremde Gutachter, so die Kritik. BÄK und BPtK haben deshalb ein Modellprojekt konzipiert, das aus Bundesmitteln finanziert werden soll. Falls eine Psychotherapie indiziert sei, müsse außerdem der Einsatz von Dolmetschern finanziert werden.

Bundesweiter Dolmetscherpool
Kern des Modellprojekts sind drei aufeinander abgestimmte Module. Das erste Modul sieht den Aufbau eines bundesweiten Dolmetscherpools vor. Dieser könnte von Anbietern geleistet werden, die bereits in der Sprachmittlung tätig sind. Eine Koor­dinierungsstelle würde die Sprachmittler qualifizieren und zertifizieren, an Ärzte und Psychotherapeuten vermitteln und auch deren Vergütung abwickeln.

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Koordinierungstellen für die psychotherapeutische Versorgung
Als zweites Modul schlagen BÄK und BPtK in jedem Bundesland eine Koordinierungs­stelle für die psychotherapeutische Behandlung von Flüchtlingen vor. Diese soll für die Beantragung, Begutachtung, Genehmigung sowie Vergütung von Psychotherapien bei Flüchtlingen zuständig sein. Die Begutachtung, ob die beantragte Psychotherapie indiziert ist, soll durch einen unabhängigen und qualifizierten Gutachter erfolgen. Die Koordinierungsstelle entscheidet über die Psychotherapie auf Grundlage des Votums des Gutachters. Sie leistet auch die Vergütung der Ärzte und Psychotherapeuten und rechnet die Ausgaben mit der Behörde ab, die gesetzlich die Kosten übernehmen muss.

Qualifizierung sicherstellen
Ein drittes Modul soll die erforderliche Qualifizierung der Ärzte und Psychotherapeuten sicherstellen. Kompetenzen wie asylrechtliche Kenntnisse sollen durch entsprechende Fortbildungen der Lan­des­ärz­te­kam­mern beziehungsweise Landespsychothera­peu­tenkammern sichergestellt werden.

Unterdessen hat die Delegiertenversammlung der Ärztekammer Berlin mehrere Forderungen an den Senat gestellt, um „die gesundheitsgefährdenden Zustände bei der Erstregistrierung der in Berlin neu ankommenden Flüchtlinge umgehend abzustellen“. Dazu zählen unter anderem die Einführung einer Krankenversichertenkarte für alle Asylsuchenden, die Sicherstellung einer hauptamtlichen medizinischen Erst- und Basisversorgung durch Haus- und Fachärzte, der Ausbau der Zentralen Impfstätte am Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) zu einer zentralen Untersuchungs- und Impfstelle.

Ärztekammer Berlin fordert Gesundheitskarte und mehr Personal für Gesundheitsämter
Zudem fordert die Kammer, alle Flüchtlinge gemäß den Empfehlungen der Ständige Impfkommission (STIKO) zu impfen. Gleichzeitig müssen laut Kammer Berlin die bezirklichen Gesundheitsämter personell verstärkt werden, damit sie den fortlaufenden Mehraufwand für Hygienemaßnahmen leisten sowie die rasche Integration asylsuchender Kinder und Jugendlicher in Schulen und anderen Gemeinschafts­einrichtungen garantieren können. © hil/aerzteblatt.de

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