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Medizin

Antibiotika-Resis­tenzen gefährden Sicherheit von Chirurgie und Chemotherapie

Freitag, 16. Oktober 2015

dpa

Washington – Die Ausbreitung resistenter Keime gefährdet zunehmend den Erfolg der Antibiotikaprophylaxe, die Patienten nach Operationen oder im Rahmen einer Krebs-Chemotherapie vor Infektionen schützen soll. Ein Team von US-Forschern legt in Lancet Infectious Diseases (2015; doi: 10.1016/S1473-3099(15)00270-4) eine düstere Prognose vor.

Infektionen mit resistenten Keimen gehören heute in den meisten Kliniken zum Alltag. Sie gefährden zunehmend die Antibiotika-Prophylaxe, die vor vielen Operationen und bei onkologischen Patienten üblich ist. Ramanan Laxminarayan, der Leiter des Center for Disease Dynamics, Economics & Policy, einer öffentlichen Forschungsorganisation mit Sitz in Washington und Delhi, berichtet, dass in den USA bereits heute zwischen 39 Prozent (nach dem Kaiserschnitt) und 50 bis 90 Prozent (nach transrektaler Prostata­biopsie) aller postoperativen Wundinfektionen durch Mikroorganismen hervorgerufen werden, die gegen die eingesetzten Antibiotika resistent sind. Darüber hinaus würden mehr als ein Viertel (27 Prozent) der Infektionen nach einer Chemotherapie resistent gegen Standard-Antibiotika. Diese Zahlen beruhen auf Daten des National Healthcare Safety Network, das für die Centers for Disease Control and Prevention Antibiotika-Resistenzen erfasst.

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Laxminarayan wertet dann die Ergebnisse von 31 Meta-Analysen aus, die die Wirk­samkeit der Antibiotika-Prophylaxe in unterschiedlichen Indikationen untersucht haben. Diese ließen keinen Zweifel an der Wirksamkeit. Die Rate von Wundinfektionen wurde dort um 2,9 Prozent (nach Hüftoperationen) bis 26 Prozent (nach Darmoperationen) gesenkt. Bei der Chemotherapie verminderten Antibiotika die Gefahr einer schweren Infektion, die infolge einer durch die Zytostatika induzierten Neutropenie droht, um 35 Prozent.

Laxminarayan benutzt diese Zahlen als Grundlage für Modellberechnungen. Für den Fall, dass die Antibiotika-Resistenz die Wirksamkeit um 10 Prozent vermindert, käme es in den USA in den 31 Indikationen zu 40.000 zusätzlichen Infektionen. Bei einem Wirkungsverlust um 30 Prozent wären es 120.000 Infektionen und bei einem Wirkungs­verlust um 70 Prozent sogar 280.000 Infektionen, schreibt der Forscher.

Bezogen auf einen 30-prozentigen Wirkungsverlust wären das 21.862 zusätzliche Wundinfektionen nach Kaiserschnitten, 17.100 zusätzliche Infektionen nach trans­rektalen Prostatabiopsien und 22.500 zusätzliche Infektionen nach Darmoperationen. An diesen Infektionen würden 4.586 Menschen nach Darmoperationen, 683 nach einer Krebschemotherapie und 376 Menschen nach einer Hüftoperation sterben.

Diese Zahlen sind natürlich, da sie das Ergebnis komplexer Berechnungen sind, spekulativ. Nicht alle Patienten erhalten die vorgesehene Antibiotika-Prophylaxe, in anderen Fällen setzen die Ärzte rechtzeitig ein wirksames Mittel ein. Der gezieltere Einsatz der vorhandenen Antibiotika und die Entwicklung neuer Wirkstoffe könnte das Szenario verhindern. Wenn die Antibiotikaresistenz jedoch nicht dringend in Angriff genommen werde, könnte es passieren, dass einige chirurgische Eingriffe und Chemotherapien nicht mehr möglich sind, weil die Infektionen einen Erfolg der Behandlungen verhindern. © rme/aerzteblatt.de

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