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Medizin

Physiotherapie mit schwacher Wirkung bei akuten Kreuzschmerzen

Freitag, 16. Oktober 2015

dpa

Salt Lake City – Eine frühe Physiotherapie mit Wirbelsäulen-Manipulation hat in einer randomisierten klinischen Studie nur wenig zur Linderung von akuten Kreuzschmerzen beigetragen. Laut der Publikation im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2015; 314: 1459-1467) waren die Unterschiede zur Kontrollgruppe gering und nach einem Jahr nicht mehr erkennbar.

Akute Kreuzschmerzen, im Volksmund auch als Hexenschuss bezeichnet, werden häufig als Folge einer „Verrenkung“ interpretiert, die einen chiropraktischen Therapie­ansatz nahelegen. Die Wirksamkeit gilt allerdings nicht als erwiesen. Ein Team um die Physiotherapeutin Julie Fritz von der Universität von Utah in Salt Lake City hat die Therapie jetzt erstmals in einer größeren randomisierten Studie untersucht. Bei allen 220 Teilnehmern der Studie lag der Schmerzbeginn weniger als 16 Tage zurück. Die Schmerzintensität war mittelstark bis stark (20 Punkte im Oswestry Disability Index, ODI, der von 0 bis 100 reicht). Es lagen keine Beschwerden unterhalb des Knies vor. Frühere Studien hatten nahegelegt, dass diese Gruppe am ehesten von einer Physiotherapie mit Wirbelsäulen-Manipulation profitieren würde.

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Der Hälfte der Teilnehmer wurden vier Sitzungen einer Physiotherapie angeboten. Die andere Gruppe erhielt lediglich einen Patientenratgeber. Sie wurde gebeten, sich möglichst viel zu bewegen. Die Physiotherapie bestand aus Wirbelsäulenmanipulationen und einem Übungsprogramm. Die Wirbelsäulenmanipulationen wurden am liegenden Patienten vorgenommen. Der Therapeut führte zunächst langsame Rotationen des Rückgrats durch, um dann das Becken ruckartig zu bewegen.

Der primäre Endpunkt war die Besserung im ODI. Hier kam es auch ohne Physio­therapie bereits nach 3 Monaten zu einer deutlichen Verbesserung: Der mittlere ODI sank von 40,9 auf 14,5 Punkte. Die Physiotherapie erreichte eine Verbesserung von 41,3 auf 11,1 Punkte. Das ist zwar ein Plus von 3,5 Punkten gegenüber der Kontroll­gruppe. Der Unterschied war signifikant, nach Ansicht von Fritz jedoch nicht klinisch relevant. Bei einer weiteren Untersuchung nach einem Jahr hatten sich die Patienten in beiden Gruppen weitgehend von den Rückenschmerzen erholt (ODI unter 10 Punkte).

In einigen Endpunkten, wie die Schmerzkatastrophisierung, der Selbsteinschätzung des Erfolgs oder den Angst-Vermeidungs-Einstellungen („fear-avoidance-beliefs”) am Arbeitsplatz, erzielte die Physiotherapie zunächst bessere Ergebnisse. Dies deutet an, dass die Patienten von der Therapie überzeugt waren. Angesichts der guten Spontan­besserung gibt es nach Ansicht von Fritz aber keinen Grund, die Physiotherapie in der Akutphase des Rückenschmerzes anzubieten.

© rme/aerzteblatt.de

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