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Medizin

Reflex-Epilepsie: Sudoku als Trigger

Montag, 19. Oktober 2015

dpa

München – Ein 25-jähriger Sportstudent musste nach einer ischämischen Hirnverletzung sein Hobby aufgeben. Immer wenn er ein Sudoku lösen wollte, kam es in seinem linken Arm zu unwillkürlichen klonischen Bewegungen. Mediziner beschreiben den ungewöhnlichen Fall einer Reflex-Epilepsie in JAMA Neurology (2015; doi: 10.1001/jamaneurol.2015.2828).

Reflex-Epilepsien sind selten. Der Anteil an allen Krampfanfällen soll unter 2 Prozent liegen. Als Auslöser kommen alle Ereignisse infrage, die das Gehirn besonders beanspruchen. Am häufigsten sind visuelle Reize, beispielsweise ein flackerndes Licht oder ein Computerspiel mit rasch wechselnden Bildern.

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Es gibt aber auch exotische Trigger wie Lesen, Rechenaufgaben, Zähneputzen oder das Hören einer bestimmten Melodie. Bei einem 25-jährigen Mann, über den Privat­dozent Berend Feddersen von der Ludwig-Maximilians-Universität München und Mitarbeiter berichten, war es das tägliche Sudoku-Rätsel. Immer wenn der Sportstudent versuchte, die richtigen Zahlen zu finden, kam es zu klonischen Bewegungen in seinem linken Arm.

Die Reflex-Epilepsie war so gut vorhersehbar, dass die Forscher ihr in einer funktio­nellen Kernspintomographie auf den Grund gehen konnten. Die Provokation eines Anfalls ging dort mit einer Hyperperfusion im posterioren Gyrus cinguli einher, einer besonders stoffwechselreichen Region des limbischen Systems, die für kognitiven Aufgaben verwendet wird. Die Diffusions-Tensor-Bildgebung zeigte, dass bestimmte Nervenbahnen (zentroparietale inhibitorische U—Fasern) fehlten, die normalerweise die Hirnaktivität mindern.

Feddersen vermutet, dass sie bei einem Skiunfall verloren gegangen sind. Der Student war von einer Lawine verschüttet worden und hatte 15 Minuten ohne Sauerstoff ausharren müssen. Die Forscher konnte zeigen, dass es nach der Reizung des linken Nervus medianus im Gehirn oberhalb der lädierten Region ein dreifach verstärktes evoziertes Potential abgeleitet werden kann.

Dieser Befund zeigt an, dass das Gehirn an dieser Stelle zu einer vermehrten Aktivität neigt, was die Reflex-Epilepsie plausibel erklären kann. Wie alle Patienten mit dieser Erkrankung musste der junge Mann lernen, auf den Trigger zu verzichten. Seitdem er keine Sudokus mehr löst, ist er frei von epileptischen Anfällen, berichtet Feddersen. © rme/aerzteblatt.de

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