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Medizin

Depressionen und PTBS: Mentale Folgen des Menschenhandels

Dienstag, 20. Oktober 2015

London – Menschen, die durch Täuschung oder mit Gewalt zum Zweck der Ausbeutung zur Arbeit gezwungen werden, leiden häufig unter psychischen Erkrankungen, die Mediziner aus London erstmal in einer Studie in Lancet Psychiatry (2015; doi: 10.1016/S2215-0366(15)00290-4) dokumentieren.

Über das Ausmaß des Menschenhandels gibt es nur Schätzungen. Die 391 Ermitt­lungsverfahren, die im letzten Jahr in Deutschland zu 557 mutmaßlichen Opfern eröffnet wurden, sind vermutlich nur die Spitze eines Eisbergs. Das britische Innenministerium schätzt, dass im Land 10.000 bis 13.000 Menschen gegen ihren Willen zu sexuellen Dienstleistungen, zur Haushaltsarbeit oder zu Jobs in Landwirtschaft und Industrie gezwungen werden. Über die mentalen Folgen des Menschenhandels ist wenig bekannt, da die meisten Opfer sich auch im Fall einer Erkrankung nicht offenbaren.

Siân Oram vom King’s College London konnte jedoch in den Krankenakten des South London and Maudsley NHS Foundation Trust, in dessen Einzugsgebiet ärmere Stadtteile liegen, 133 Opfer identifizieren, die wegen psychiatrischer Erkrankungen behandelt wurden: 78 von 96 Erwachsenen und 25 von 37 Kindern waren weiblich. Die meisten von ihnen – darunter auch 19 Kinder – waren Opfer sexueller Ausbeutung.

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Die häufigsten Diagnosen waren eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS, 39 Prozent bei Erwachsenen und 27 Prozent bei Kindern) sowie Depressionen (34 Prozent beziehungsweise 27 Prozent). Beides lässt sich als Folge der physischen und psychischen Gewalt deuten, denen die Opfer ausgesetzt waren. Bei immerhin 15 Prozent wurde eine Schizophrenie diagnostiziert. Diese Personen könnten als Folge ihrer Psychose zum Opfer des Menschenhandels geworden sein, oder aber eine latente Psychose wurde durch die Belastungen klinisch manifest. Der Anteil der Drogen­abhängigen war unter den Opfern des Menschenhandels nicht erhöht, berichtet Oram.

Viele Opfer wurden übrigens zwangsweise in die Klinik eingewiesen. Die Behandlung besteht bei PTBS und Depressionen in einer kognitiven Verhaltenstherapie. Ob dieser Ansatz erfolgreich ist, konnte die Forscherin nicht ermitteln. Psychiater sollten bei diesen Erkrankungen achtsam sein, rät Oram, und bei ihren Patienten auf Hinwiese einer Zwangslage achten. © rme/aerzteblatt.de

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