NewsMedizinSchneller Antibiotikawechsel hemmt die Ausbildung von Resistenzen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Schneller Antibiotikawechsel hemmt die Ausbildung von Resistenzen

Dienstag, 20. Oktober 2015

Pseudomonas aeruginosa  cdc

Kiel – Die Medizin steht vor der Herausforderung, die erfolgreiche Behandlung von bak­teriellen Infektionen weiterhin zu gewährleisten – trotz eines immer kleiner werden Spektrums wirksamer Antibiotika. Jüngste Forschungsergebnisse Kieler Wissenschaftler könnten nun Möglichkeiten aufzeigen, wie die noch zur Verfügung stehenden Antibiotika länger wirksam bleiben.

Das Team um Hinrich Schulenburg und Gunther Jansen von der Arbeitsgruppe Evolu­tions­ökologie und Genetik untersuchte, wie sich die abwechselnde Gabe zweier in der klinischen Praxis gebräuchlicher Antibiotika-Paare auf das Bakterium Pseudomonas aeruginosa auswirkt. Dieses ist häufig multiresistent und kann bei immungeschwächten Patienten oder chronischen Erkrankungen lebensbedrohliche Infektionen verursachen kann.

Anzeige

Für die Untersuchungen wurden Evolutionsexperimente im Labor unter kontrollierten Bedingungen durchgeführt. Dabei erwies sich der schnelle Wechsel zweier Antibiotika, sogenanntes Antibiotika-Cycling, als hoch wirksam gegen den Keim. Gleichzeitig hemmte er die Ausbildung von Resistenzen des Bakteriums gegen die Medikamente. Die Forschungsgruppe veröffentlichte seine Ergebnisse im Fachmagazin Evolutionary Applications (doi 10.1111/eva.12330).

Im Behandlungsalltag ist das Antibiotika-Cycling zwar bereits üblich, bislang werden die verschiedenen Präparate jedoch für jeweils mehrere Wochen am Stück gegeben. Diese Intervalle sind laut der Arbeitsgruppe wahrscheinlich zu lang. Die Forscher setzten klinisch relevante Antibiotika in zwölfstündigem Wechsel ein und verglichen dieses Regime mit der dauerhaften Gabe eines einzelnen Antibiotikums.

„Uns hat überrascht, dass wir in unseren Experimenten trotz nicht-tödlicher Dosierung der Antibiotika dennoch die Eliminierung von Bakterienpopulationen erreichen konnten. Eine zeitlich komplexe Umgebung, wie sie durch den schnellen Wechsel der verschie­denen Antibiotika geschaffen wird, scheint in diesen Fällen die Resistenz­bildungs­mechanismen von Pseudomonas aeruginosa zu überfordern“, so Schulenburg.

„Die Entwicklung neuer Medikamente wird nicht mit der Geschwindigkeit mithalten können, mit der die Evolution der Krankheitserreger neue Behandlungsresistenzen hervorbringt. Unser Ansatz zielt daher darauf ab, die bereits bestehenden Wirkstoffe sinnvoller einzusetzen“, sagt Roderich Römhild, Erstautor der Studie.

© hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

23. Oktober 2020
Düsseldorf – Der Vorsitzende des Weltärztebunds, Frank Ulrich Montgomery, hält in Deutschland einen Lockdown für nötig, wenn die Schwelle von 20.000 SARS-CoV-2-Neuinfektionen am Tag überschritten
Montgomery: Lockdown ab 20.000 SARS-CoV-2-Neuinfektionen am Tag
23. Oktober 2020
Das neue Coronavirus SARS-CoV-2 traf die Welt Anfang 2020 unvorbereitet. Lange ist es her, dass sich ein völlig neuartiges Virus derart rasch pandemisch ausgebreitet hat. Fieberhafte
„SARS-CoV-2 ist ein gutes Beispiel dafür, dass nichts unsicherer ist als die Erkenntnis von gestern“
23. Oktober 2020
Lissabon – In Portugal hat es erstmals seit Ausbruch der Coronapandemie mehr als 3.000 Neuinfektionen gegeben. Binnen 24 Stunden seien 3.270 neue Ansteckungen mit dem Virus SARS-CoV-2 gemeldet worden,
Infektionsrekord in Portugal: Regierung verhängt regionalen Lockdown
22. Oktober 2020
Insel Riems/Madison/Wisconsin – Der Erreger der Röteln, die erst seit 2 Jahrhunderten als Erkrankung bekannt sind, hat 2 enge Verwandte im Tierreich, die US-amerikanische und deutsche Forscher jetzt
Auch Rötelnvirus kommt aus dem Tierreich
21. Oktober 2020
Bristol/Helsinki/München – Das neue Coronavirus SARS-CoV-2 nutzt anders als sein Vorgänger SARS-CoV-1 neben ACE2 einen weiteren Rezeptor zum Eintritt in die Zellen. Die Bindung an Neuropilin-1, die 2
Zweiter Rezeptor für SARS-CoV-2 erklärt breites Symptomspektrum von COVID-19
21. Oktober 2020
Boston/Liverpool – Wissenschaftler des Massachusetts General Hospital und der Harvard Medical School haben den spezifischen Typ von Immunzellen identifiziert, der bei der Herpes-simplex-Virus
Welche Immunzellen die Entzündung bei Herpes-Enzephalitis auslösen
21. Oktober 2020
London – In Großbritannien sind innerhalb von 24 Stunden mehr als 21.000 Coronaneuinfektionen registriert worden. Damit steigt die Gesamtzahl der Ansteckungen nach Regierungsangaben von gestern auf
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER