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Medizin

Essenzielle Herz-Kreis­lauf-Medikamente fehlen in ärmeren Ländern

Mittwoch, 21. Oktober 2015

dpa

Hamilton/Ontario – Durch die Zunahme von Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt in Ländern mit geringem oder mittleren Einkommen der Bedarf an Medikamenten zur Sekundärprävention. Eine Studie in Lancet (2015; doi: 10.1016/S0140-6736(15)00469-9) zeigt, dass die Patienten in vielen Ländern unterversorgt sind.

Acetylsalicylsäure, Betablocker, ACE-Hemmer und Statine werden in den reicheren Ländern heute als Generika kostengünstig angeboten. Wenn nicht alle Patienten, die sie benötigen, diese Mittel erhalten, liegt dies nicht am Preis. Salim Yusuf, der Leiter des Population Health Research Institute in Hamilton im kanadischen Bundesstaat Ontario schätzt, dass weniger als ein Prozent der Bevölkerung der reicheren Länder sich diese Medikamente nicht kaufen können, weil sie zu arm sind.

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In Ländern mit geringem oder mittleren Einkommen ist die Situation anders, wie Yusuf in einer Analyse der „Prospective Urban Rural Epidemiology“ oder PURE-Studie zeigt, die Daten zur Arzneimittelversorgung in ländlichen und urbanen Regionen in 18 Ländern recherchiert hat. In Ländern mit mittleren Einkommen seien die vier Medikamente (oder Wirkstoffgruppen), die ein Eckstein in der Sekundärprävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind, für ein Drittel bis ein Viertel der Menschen unerschwinglich. In Ländern mit niedrigem Einkommen könnten sich sogar 60 Prozent der Patienten die Mittel nicht leisten.

Folglich werden sie auch in den Apotheken der Länder nicht angeboten. Vor allem in ländlichen Regionen ist die Bevölkerung unterversorgt. In den Ländern mit mittlerem Einkommen bieten auf dem Land 62 bis 80 Prozent der Apotheken in der Stadt die Medikamente an, auf dem Land sind es nur 37 bis 73 Prozent. In ärmeren Ländern kann man die Mittel laut Yusuf in Städten nur zu 25 Prozent und auf dem Land nur zu 3 Prozent kaufen. Indien ist eine Ausnahme: Dort führen 89 Prozent der Apotheken in der Stadt und 81 Prozent der Apotheken auf dem Land die vier Arzneimittel.

Yusuf fordert die Regierungen der ärmeren Länder auf, die Mittel für die Bevölkerung in Stadt und Land verfügbar zu machen und möglicherweise kostenlos abzugeben, wie dies für antiretrovirale Medikamente geschehe. Louis Niessen und Jahangir Khan von der Liverpool School of Tropical Medicine schlagen im Editorial vor, dass ähnlich wie zur Bekämpfung von HIV und Tropenerkrankungen ein Globaler Fond gegründet wird, damit die Bevölkerung in allen Ländern mit allen essentiellen Medikamenten versorgt werden könne. © rme/aerzteblatt.de

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