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Medizin

„Radiation Recall“: Zelboraf kann Strahlenschaden potenzieren

Donnerstag, 22. Oktober 2015

Bonn – Die Behandlung mit dem Wirkstoff Vemurafenib, der in Deutschland als Zelboraf zur Behandlung des malignen Melanoms zugelassen ist, kann in Körperregionen, die zuvor bestrahlt wurden, schwere Komplikationen auslösen. Diese Reaktionen, die als Strahlensensibilisierung und „Radiation Recall“ bezeichnet werden, können nach Auskunft des Herstellers tödlich enden.

Eine Strahlensensibilisierung liegt vor, wenn das Medikament entweder gleichzeitig mit der Strahlentherapie oder innerhalb von 3 Tagen danach verabreicht wird. Ein „Radia­tion Recall“ kann noch Monate oder Jahre nach dem Ende der Strahlentherapie auftreten. Typisch für beide Komplikationen ist, dass die Nebenwirkung des Medika­mentes auf die bestrahlten Regionen beschränkt bleibt.  

Schon in den Phase III- und Phase IV-Studien war es unter der Therapie mit Vemurafenib zu strahlenbedingten Schäden gekommen. Der Hersteller gibt die Häufigkeit in einem Rote-Hand-Brief mit 5,2 Prozent beziehungsweise 6 Prozent an. In den meisten Fällen hatten die Patienten Strahlendosen von 2 Gy/Tag oder mehr erhalten.

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Die jetzt beschriebenen 20 Fällen wurden als außergewöhnlich schwerwiegend eingestuft. Acht Fälle wurden als „Radiation-Recall“ klassifiziert, da zwischen der Bestrahlung und der Anwendung von Vemurafenib mehr als sieben Tage vergangen waren. Bei den fünf Komplikationen der Haut betrug das Intervall 21 bis 42 Tage. Zwei Komplikationen in der Lunge waren nach 26 und 28 Tagen aufgetreten. Beim „Radiation-Recall“ einer Harnblase waren 1.460 Tage seit der Bestrahlung vergangen.

Von den 12 Komplikationen, die als Strahlensensibilisierung klassifiziert wurden, betrafen neun Fälle die Haut, drei Fälle die Speiseröhre und jeweils ein Fall die Leber und das Rektum. Es gab drei Todesfälle: Ein Patient starb an einer Strahlennekrose der Leber, die anderen beiden erlagen einer Strahlen-Ösophagitis.

Der Hersteller rät, Zelboraf vor, während und unmittelbar nach einer Strahlentherapie nur mit Vorsicht anzuwenden. Ein entsprechender Hinweis soll in die Fachinformation aufgenommen werden.

Eine „Radiation Recall“ wurde erstmals 1950 in Zusammenhang mit Actinomycin D beschrieben. Seither sind eine Reihe weiterer Zytostatika hinzugekommen. Die genaue Pathogenese ist nicht bekannt. © rme/aerzteblatt.de

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