Politik

Mangel an Spenderorganen hält an

Donnerstag, 22. Oktober 2015

Dresden Deutschland hat weiterhin einen chronischen Mangel an Spenderorganen. Für dieses Jahr werde bundesweit eine Zahl von rund 870 Organspendern erwartet, was in etwa dem Stand von 2013 (876) entspreche, teilte die Deutsche Transplantations­gesellschaft (DTG) am Donnerstag zur Jahrestagung in Dresden mit. 2014 war mit 864 ein Tiefpunkt erreicht worden, 2012 waren es noch 1046. Die Statistik bezieht sich auf gestorbene Spender.

DTG-Geschäftsführer Christian Hugo sprach von einer „Katastrophe“. Deutschland trage bei Organspenden mittlerweile das Schlusslicht in Europa. Die DTG sieht dafür nicht zuletzt strukturelle Gründe. Zudem befürchtet sie, dass Skandale um Transplantationen Vertrauen der Bevölkerung weiter schwinden lassen.

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Mitte Oktober hatte die Uniklinik Heidelberg zugegeben, dass Ärzte am Herztrans­plantationszentrum die Warteliste für Patienten manipuliert hatten. „Hier ist gegen Grundsätze unserer Gesellschaft verstoßen worden“, sagte DTG-Präsident Nashan. Es habe zwar weder einen Organhandel noch eine Bereicherung gegeben, betonte DTG-Schriftführer Christian Strassburg. Dennoch seien Organe an anderen vorbei vergeben worden. Die DTG geht davon aus, dass bis Ende November alle Fakten auf dem Tisch liegen.

Auf der 24. Jahrestagung der DTG wollen sich bis Samstag 800 Teilnehmer unter anderem mit neuen Therapieformen der Organverpflanzung befassen. Nach den Worten von Strassburg gibt es in der Fachwelt beispielsweise eine Debatte darüber, ob man nicht die Leber von Menschen verpflanzen kann, die an Hepatitis C gelitten haben. Denn bei dieser Erkrankung seien die Heilungschancen inzwischen so groß, dass sie keinen Hinderungsgrund für eine Transplantation darstellen.

Nashan ist optimistisch, dass die geplanten Strukturverbesserungen in den kommenden Jahren zu einer besseren Versorgung mit Organen führen. Während gegenwärtig etwa 10 Spender auf eine Million Einwohner kommen, könnten es in drei bis fünf Jahren schon wieder 15 bis 20 sein. Zum Vergleich: In Spanien sind es 30 bis 40. Nashan sieht zumindest Licht am Ende des Tunnels.

Laut DTG sind mehr als 70 Prozent der Deutschen zu einer Organspende bereit. Dass am Ende nicht mehr Organe verfügbar sind, führen die Experten unter anderem auf Mängel im Meldesystem für Patienten mit irreversiblen Hirnfunktionsausfall und die Patientenverfügungen zurück. Denn wenn dort explizit der Verzicht auf lebens­verlängernde Maßnahmen erklärt werde, könnten auch nicht länger die Herz-Kreislauf-Funktionen und die Beatmung des hirntoten Patienten und potenziellen Spenders aufrechterhalten werden. Dies ist aber für eine Organspende in der Regel nötig. © dpa/aerzteblatt.de

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