NewsMedizinVitamin B3-Derivat beugt Hautkrebs in Studie vor
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Vitamin B3-Derivat beugt Hautkrebs in Studie vor

Freitag, 23. Oktober 2015

Malignes Melanom dpa

Sydney – Die Einnahme von Nicotinamid, dem Amid der Nicotinsäure (Niacin, Vitamin B3), hat in einer randomisierten klinischen Studie die Häufigkeit von nicht-melanotischen Hauttumoren und aktinischen Keratosen vermindert. Das rezeptfreie Mittel erwies sich der Publikation im New England Journal of Medicine (2015; 373: 1618-1626) zufolge als gut verträglich.

Nicotinamid ist ein Baustein von Nicotinamidadenindinukleotid, besser bekannt unter der Abkürzung NAD, das ein essenzieller Kofaktor für die ATP-Produktion ist. Nicotinamid kann deshalb einen ATP-Mangel verhindern, zu dem es unter der Einwirkung von UV-Licht in der Epidermis kommt und der eine Reparatur von DNA-Schäden verhindert. Daraus lässt sich eine hautkrebspräventive Wirkung von Nicotinamid ableiten, die bereits in zwei Phase 2-Studien gezeigt werden konnte (J Invest Dermatol 2012; 132: 1497-50).

Anzeige

Die jetzt publizierten Ergebnisse der Phase 3-Studie (die bereits im Mai auf der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology vorgestellt wurden) lassen keinen Zweifel am Nutzen des kostengünstigen Mittels. An der „Oral Nicotinamide to Reduce Actinic Cancer“ oder ONTRAC-Studie hatten 386 Patienten im Durchschnitts­alter von 66 Jahren teilgenommen, bei denen in den vorangegangenen fünf Jahren mindestens zwei nicht-melanotischen Hautkrebse diagnostiziert worden waren und die deshalb ein hohes Risiko auf weitere Tumore hatten.

Sie wurden in der Studie auf zwei Gruppen randomisiert, in denen sie über 12 Monate zweimal täglich 500 mg Nicotinamid oder Placebo einnahmen. Alle Patienten wurden alle drei Monate von einem Dermatologen untersucht. Primärer Endpunkt war das Auftreten von neuen nicht-melanotischen Hautkrebsen.

Wie das Team um Diona Damian vom Royal Prince Alfred Hospital in Sydney berichtet, kam es in den ersten 12 Monaten im Nicotinamid-Arm der Studie zu 20 Prozent weniger Basaliomen und zu 30 Prozent weniger Spinaliomen. Die Gesamtzahl dieser beiden nicht-melanotischen Hautkrebsformen war um signifikante 23 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 4 bis 38 Prozent) geringer. Darüber hinaus kam es zu einem Rück­gang der aktinischen Keratosen, die ebenfalls eine Folge der UV-Einstrahlung und eine Präkanzerose für nicht-melanotische Hauttumoren sind.

Nicotinamid erwies sich laut Damian als sehr gut verträglich. Die Nebenwirkungsrate war nicht höher als im Placebo-Arm. Die von der Therapie mit Nikotinsäure (Niacin) bekannten Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Hitzewallungen oder Blutdruckabfälle wurden nicht beobachtet. Laut Damian spricht nichts gegen die Einnahme von Nicotinamid zur Hautkrebsprävention.

Die Empfehlung ist in erster Linie an die Bevölkerung in Australien gerichtet, wo mehr als die Hälfte der Bevölkerung an Hautkrebs erkrankt. Hautkrebs ist dort viermal häufiger als alle anderen Krebserkrankungen zusammen. Eine Alternative zur Verwendung von Lichtschutzfaktoren ist Nicotinamid jedoch nicht, da eine Schutzwirkung gegen Melanome vermutlich fehlt. Unklar bleibt, ob Nicotinamid auch die vorzeitige Alterung der Haut aufhalten kann, zu der es unter Einwirkung von UV-Licht kommt. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

7. Juni 2019
Essen – Etwa ein Drittel der Patienten einer Phase-3-Studie mit fortgeschrittenem schwarzen Hautkrebs profitieren langfristig von einer Therapie mit Dabrafenib und Trametinib. Das zeigen Ergebnisse
Überlebensdaten bestätigen Wirksamkeit der Doppeltherapie bei schwarzem Hautkrebs
29. Mai 2019
Berlin – Alle zwei Jahre übernehmen die Krankenkassen die Kosten für ein Hautkrebsscreening beim Haus- oder Hautarzt für Erwachsene. Dieses Präventionsangebot würden jedoch nur erschreckend wenige
Nur jeder fünfte geht zur Hautkrebsfrüherkennung
9. Mai 2019
Berlin – Gesundheitserziehung und Hautkrebsprävention sollten bereits im frühen Kindesalter beginnen. Der Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) fördert daher mit Unterstützung der Nationalen
Dermatologen beraten Kindergärten bei der Hautkrebsvorsorge
15. April 2019
Heidelberg – Eine künstliche Intelligenz (KI) ist mittlerweile bei gezielten Fragestellungen erfahrenen Medizinern in der Diagnostik überlegen. Diese Erfahrung mussten auch 157 Dermatologen aus 12
Künstliche Intelligenz erkennt Melanome zuverlässiger als Uni-Dermatologen
7. Januar 2019
Köln – Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) konnte bei einer Dossierbewertung keinen Zusatznutzen der Wirkstoffkombination Encorafenib plus Binimetinib für
IQWiG sieht keinen Zusatznutzen von Encorafenib plus Binimetinib bei fortgeschrittenem Melanom
3. Januar 2019
Köln – Patienten mit Melanom im Stadium III mit einer BRAF-V600-Mutation, deren Tumor vollständig entfernt wurde, können von der Therapie mit Dabrafenib plus Trametinib profitieren. Das Institut für
Melanom: IQWiG bescheinigt Dabrafenib plus Trametinib beträchtlichen Zusatznutzen
28. Dezember 2018
Berlin – Hauttumore können künftig im Rahmen der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) versorgt werden. Das hat kürzlich der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) beschlossen. Die Neuregelung
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER