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„Transparenz und klar strukturierte Zusammenarbeit“

Sonntag, 1. November 2015

Frankfurt/M. – Die Deutsche Stiftung Organtransplantation hat Verfahrensanweisungen zur Zusammenarbeit in allen Phasen des Organspendeprozesses bis zur Trans­plantation veröffentlicht. Sie sollen größtmögliche Sicherheit und Qualität gewährleisten. Axel Rahmel stellt diese Verfahrensanweisungen, die am 5. November in Kraft treten, vor.

5 Fragen an Dr.med. Axel Rahmel, Medizinischer Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO)

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DÄ: Herr Dr. Rahmel, warum hat der Gesetzgeber der DSO den Auftrag erteilt, Verfahrensregeln für die zentralen Schritte der Organspende zu erstellen?
Rahmel: Unsere Aufgabe als Koordinierungsstelle ist es, die Zusammenarbeit aller Partner im Organ­spendeprozess zu koordinieren und unterstützend zu begleiten. Um größtmögliche Sicherheit und Qualität in allen Phasen des Organspendeprozesses bis zur Trans­plantation zu gewährleisten, hat der Gesetzgeber der DSO den Auftrag erteilt, Verfahrensanweisungen für die Zusammenarbeit in den zentralen Schritten der Organspende zu erarbeiten. Diese Verfahrensanweisungen sorgen für Transparenz und eine klar strukturierte  Zusammenarbeit.

Unser Ziel ist es, gemeinsam mit den Entnahmekrankenhäusern, den Willen der Verstorbenen umzusetzen, die sich entschieden haben, ihre Organe an schwer kranke Patienten zu spenden. Dieses wertvolle Geschenk soll mit größter Sorgfalt an die Patienten auf der Warteliste weitergegeben werden – im Sinne der Spender und im Interesse der Empfänger.

DÄ: Worum geht es, in Kürze, in diesen Verfahrensanweisungen?
Rahmel: Es geht darum, alle Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten innerhalb der zentralen Schritte in der Organspende für alle Partner verbindlich festzulegen, um Transparenz zu schaffen und gleichzeitig Handlungssicherheit zu geben. Dies betrifft alle Schritte von der Meldung möglicher Spender über die Überprüfung der Spender­identität, der Einwilligung, der Organ- und Spendercharakterisierung, der Entnahme, Konservierung und Verpackung bis zum Transport und der Sicherstellung der Rück­verfolgbarkeit im Falle schwerwiegender Zwischenfälle und schwerwiegender unerwünschter Reaktionen.

DÄ: Welche Unterstützungsmöglichkeiten bietet die DSO den Entnahme­krankenhäusern?
Rahmel: Die DSO begleitet als bundesweite Koordinierungsstelle alle Abläufe in der Akutsituation Organspende. Um dies flächendeckend sicherzustellen, hat die DSO sieben Regionen gebildet, deren Mitarbeiter die Entnahmekrankenhäuser im Interesse einer bestmöglichen Effizienz und Qualität bei der Erfüllung  der gesetzlich verankerten Gemeinschaftsaufgabe Organspende begleiten. Dieser Bereitschaftsdienst zur Unter­stützung einer Organspende steht den Krankenhäusern rund um die Uhr zur Verfügung.

Die Unterstützungsangebote reichen von einer allgemeinen Krankenhausbetreuung und Beratung  bis zur konkreten Unterstützung im Organspendeprozess. Dazu gehören zum Beispiel auch die Klärung der medizinischen und juristischen Voraussetzungen einer Organspende, die Beratung und Unterstützung bei den organprotektiven Intensiv­maßnahmen nach festgestelltem Tod und die Beauftragung der umfassenden Labordiagnostik.

DÄ: Gibt es Vorbehalte der Krankenhäuser gegenüber dieser Unterstützung?
Rahmel: Unserer Erfahrung nach sind die Krankenhäuser dankbar für diese Unterstützungsangebote, die ihnen die Abläufe im Organspendeprozess erleichtern. Dies gilt umso mehr für viele kleinere Entnahmekrankenhäuser, in denen eine Organspende ein eher seltenes Ereignis ist und es dementsprechend  intensiverer  Unterstützung bedarf. So ist die Durchführung beziehungsweise Veranlassung der Untersuchungen zum Nachweis des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls Aufgabe des Entnahmekrankenhauses. Auf Wunsch unterstützt die DSO hier durch die Vermittlung konsiliarisch tätiger Experten.

Wir sehen unsere Aufgaben als Koordinierungsstelle  nicht nur in der Unterstützung im akuten Organspendeprozess, sondern auch als allgemeine Service- und Beratungs­stelle. So stehen wir den Krankenhäusern jederzeit für alle Fragen rund um die Organspende zur Verfügung. Zudem bieten wir den Transplantationsbeauftragten in den Entnahmekrankenhäusern Unterstützung  bei der Analyse und Optimierung krankenhausinterner Abläufe im Organspendeprozess und organisieren regionale und überregionale Schulungen und Fortbildungsveranstaltungen.

DÄ: Wie sehen Sie die Rolle der DSO bei den Angehörigengesprächen?
Rahmel: Ziel eines jeden Angehörigengesprächs ist es, ergebnisoffen aufzuklären und den Willen beziehungsweise den mutmaßlichen Willen des Verstorbenen zu ermitteln beziehungsweise die entscheidungsbefugte Person bei einer stabilen Entscheidungs­findung zu begleiten. Hier kann ein Koordinator der DSO wertvolle Unterstützung leisten, indem er die Ärzte im Gespräch mit den Angehörigen individuell, kompetent und situationsbezogen begleitet.

Es ist wichtig, sich genügend Zeit in den Gesprächen zu nehmen und individuell auf die Fragen und Bedürfnisse der Angehörigen einzugehen. Unsere Empfehlung ist, dass Ärzte und Koordinatoren gemeinsam mit den Angehörigen sprechen, um sie, sofern keine schriftliche oder mündliche Willensbekundung des Verstorbenen vorliegt, zu einer stabilen Entscheidung zu begleiten - unabhängig davon, wie diese ausfällt.

Im Anschluss an die Organspende werden die Angehörigen auf Wunsch über die Transplantationsergebnisse in allgemeiner Form informiert.  Das ist für viele Familien sehr wichtig und selbstverständlich können sich die Angehörigen auch nach einer Spende mit ihren Fragen immer wieder an uns wenden. Viele von ihnen nutzen zudem das Angebot der sogenannten Angehörigentreffen, bei denen wir Familien von Organspendern unter psychologischer Begleitung eine Austauschmöglichkeit untereinander und später auch mit Organempfängern anbieten. © Kli/aerzteblatt.de

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