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Medizin

Genom-Analyse erklärt schwache Wirkung des Malaria-Impfstoffs

Freitag, 23. Oktober 2015

dpa

Seattle – Der erste effektive Impfstoff gegen die Malaria könnte bei seiner bevor­stehenden Einführung bereits veraltet sein. Untersuchungen im New England Journal of Medicine (2015; doi: 10.1056/NEJMoa1505819) zeigen, warum die durch die Vakzine ausgelöste Immunantwort häufig ins Leere greift.

Damit ein Impfstoff eine Schutzwirkung entfaltet, müssen die Antikörper, deren Bildung der Impfstoff induziert, den Erreger erkennen. Bei der Malaria-Vakzine RTS,S/AS01 besteht diese Zielstruktur in einem Abschnitt des Circumsporozoit-Proteins (CS). Dieses Protein wird von Plasmodium falciparum nur im infektiösen Stadium auf seiner Hülle gebildet. Dies ist die Zeit von der Injektion durch den Mückenstich bis zum Erreichen der Leber. In späteren Stadien der Infektion ist der Impfstoff nicht mehr wirksam.

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Der Malaria-Impfstoff wurde Ende der 1980er Jahre entwickelt. Damals war die genaue Aminosäure-Sequenz des Proteins noch nicht bekannt. Die Entwickler mussten hoffen, dass das für den Impfstoff ausgewählte Peptid dem CS-Protein möglichst vieler Parasiten gleicht. Dies ist, wie man heute weiß, nicht der Fall.

Nur 139 von 2090 Parasiten, deren Gene am Broad Institute in Boston sequenziert wurden, zeigten eine perfekte Übereinstimmung („Match“) mit dem Impfstoff. Selbst dies reichte nicht aus, um in der Phase 3-Studie eine komplette Schutzwirkung zu erzielen. Das Team um Peter Gilbert vom Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle gibt die protektive Wirkung bei einem perfekten „Match“ für die Altersgruppe von 6 bis 17 Monaten mit 50,3 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 34,6 bis 62,3 Prozent) an. Die Schutzwirkung war damit jedoch höher als bei den 1951 Kindern mit einem „Mismatch“. Die Effektivität der Impfung sank hier auf 33,4 Prozent (29,3-37,2) ab.

Dies bedeutet, dass die Wahl eines anderen CS-Proteins oder besser noch die Mischung verschiedener CS-Proteine womöglich eine bessere Wirkung erzielt haben würde. Dies trifft allerdings auf nur die älteren Kinder zu. Bei den Säuglingen im Alter von 6 bis 12 Monaten, die die Impfung am meisten benötigen, weil die Sterblichkeit hier am höchsten ist, betrug die Schutzwirkung nur 26 Prozent. Dabei machte es keinen Unterschied, ob ein „Match“ oder „Missmatch“ vorlag. Hinzu kommt noch, dass die Impfung, sollte sie denn auf breiter Basis eingesetzt werden, zu einer Selektion der Erreger hin zu Missmatch-Varianten führen könnte. Dann würde die Schutzwirkung mit der Zeit weiter nachlassen.

Da die Entwicklung und klinische Prüfung des derzeitigen Impfstoffes in den letzten 28 Jahren mehr als eine halbe Milliarde US-Dollar gekostet haben soll, ist nicht so schnell mit der Entwicklung einer neuen Vakzine zu rechnen. Der Hersteller GlaxoSmithKline (GSK) will jedoch, wie Nature berichtet, den Gewinn aus dem Verkauf in die Verbesserung der Vakzine investieren. Die Kenntnis der Erreger-Gene könnte die Entwicklung erleichtern. Es ist jedoch offen, unter welchen Bedingungen ein modifizierter Impfstoff erneut getestet werden müsste.

Die Weltgesundheitsorganisation will im November entscheiden, ob sie den Impfstoff zum Einsatz empfiehlt. Die Europäische Arzneimittel-Agentur hatte sich bereits im Juli dafür ausgesprochen. GSK will den Impfstoff dem Vernehmen nach für ein bis 10 US-Dollar pro Dosis anbieten. Hinzu kämen noch logistische und personelle Kosten. Die meisten afrikanischen Länder werden sich die Impfung nur umsetzen, wenn die Vaccine Alliance oder andere Sponsoren die Kosten tragen.

© rme/aerzteblatt.de

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