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Medizin

US-Pädiater: Klimawandel bedroht die Gesundheit von Kindern

Montag, 26. Oktober 2015

Dürre in Kenia /dpa

Washington – Die American Academy of Pediatrics, der führende Verband der US-amerikanischen Pädiater, sieht Kinder als Hauptgeschädigte des Klimawandels. Das Unterlassen von sofortigen Gegenmaßnahmen wird in einem Positionspapier in Pediatrics (2015; doi: 10.1542/peds.2015-3232) als „Akt der Ungerechtigkeit gegenüber allen Kindern“ bezeichnet. Ein „technical report“ (2015; doi: 10.1542/peds.2015-3233) erläutert, warum Kinder besonders empfindlich auf den Klimawandel reagieren.

Während weite Teile der US-Bevölkerung den Klimawandel ignorieren oder negieren, hat die American Academy of Pediatrics bereits 2007 in einer Stellungnahme auf die Folgen des globalen Klimawandels für die Gesundheit von Kindern hingewiesen. Im jetzigen „update“ gehen die Pädiater mit „97 Prozent aller Klimatologen“ davon aus, dass die von Menschen freigesetzten Treibhausgase das Klima der Erde erwärmen.

Dies habe primäre, sekundäre und tertiäre Folgen für die Gesundheit der Kinder, heißt es in dem Positionspapier. Die primären Folgen bestehen in den mentalen und physischen Erkrankungen, die sich aus einer zunehmenden Zahl von extremen Wetterereignissen und Naturkatastrophen ergeben. Dazu zählen Verletzungen oder Todesfälle durch Hitzewellen.

Die sekundären Auswirkungen werden durch Veränderungen des Ökosystems ausgelöst. Relevant sind hier die gesteigerten Infektionsrisiken, denen die Kinder durch die Ausbreitung von Überträgern ausgesetzt sind oder auch ein Anstieg von Schadstoffen, der beispielsweise durch Waldbrände freigesetzt wird. Die tertiären Folgen betreffen den Verlust an natürlichen Ressourcen, zu dem es beispielsweise in Dürrezeiten oder infolge von klimabedingten Kriegen kommen kann.

Der „technical report“ untermauert die Bedenken mit Zahlen. So sei bis zum Ende des Jahrhunderts mit einem Anstieg der hitzebedingten Todesfälle um 5,5 Prozent bei weiblichen und um 7,8 Prozent bei männlichen Säuglingen zu rechnen. Kinder seien auch die bevorzugten Opfer einiger Infektionskrankheiten, die wie Malaria, Dengue-Fieber, West-Nil-Virus, Chikungunya, Lyme-Borreliose, Rocky-Mountain-Fleckfieber, Durchfallerkrankungen, Amöben-Meningoenzephalitis und Kokzidioidomykose infolge des Klimawandels häufiger werden. 

Der Report erwähnt, dass die Zahl der Football-Spieler aus High Schools und Colleges, die an einem Hitzschlag gestorben sind, sich in einem Jahrzehnt von 15 auf 29 verdoppelt habe. Es gebe Bedenken, dass der Anstieg des atmosphärischen CO2 den Proteingehalt von Getreidesorten wie Weizen, Reis und Gerste senke, die die Kinder für ihr Wachstum benötigen. Nach Wirbelstürmen und Überschwemmungen komme es vor allem bei Kindern zu post-traumatischen Belastungsstörungen. Kinder in den ärmsten Ländern der Welt, wo die Krankheitslast bereits heute überdurchschnittlich hoch ist, sind nach Einschätzung der Reports am meisten vom Klimawandel betroffen.

Bis zum Jahr 2030 käme es infolge des Klimawandels – vor allem in Asien und in Afrika südlich der Sahara – voraussichtlich zu 48.000 zusätzlichen Todesfällen aufgrund von Durchfallerkrankungen bei Kindern unter 5 Jahren. Die US-Pädiater zitieren eine Untersuchung der Welt­gesund­heits­organi­sation, nach der mehr als 88 Prozent der Krankheitslast, die auf den Klimawandel zurückzuführen ist, Kinder unter 5 Jahre betrifft. © rme/aerzteblatt.de

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Dr.Bayerl
am Donnerstag, 24. März 2016, 21:35

solche "Ärzte" sind eher peinlich für unseren Berufsstand.

Man sollte doch erwarten, dass hier noch rudimentäre Kenntnisse von Physik und Naturwissenschaft vorhanden sein müssten.
Weder gibt es eine messbare Korrelation von CO2 und Erdtemperatur,
noch gibt eine Erwärmung in den letzte 17 Jahren,
noch hat man mehr Unwetter registriert,
noch sterben Menschen vermehrt im Sommer,
sondern immer noch im Winter, weltweit, nicht nur in Deutschland, auch in Spanien.

CO2 ist im Gegenteil nützlich und unverzichtbar für die Pflanzenwelt
und vermindert damit messbar das Risiko des Nahrungsmangels.
Die Sahara ist (von Süden her) nicht größer, sondern kleiner geworden,
das zeigen auch Satellitenaufnahmen.

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