NewsÄrzteschaftBrief an Gröhe: KBV und KVen plädieren gegen Portalpraxen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Brief an Gröhe: KBV und KVen plädieren gegen Portalpraxen

Dienstag, 27. Oktober 2015

Berlin – Die Vorstände der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und der 17 Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) haben sich in einem offenen Brief an Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) für mehr Steuerungselemente in der ambulanten Notfallversorgung geworben. In einem gemeinsamen Schreiben sprachen sie sich gegen die geplanten Gesetzesänderungen zu Portalpraxen im Krankenhaus­strukturgesetz (KHSG) aus.

„Ohne eine geeignete Patientensteuerung wird das gesetzliche Vorhaben zu massiven Fehlverteilungen in der Patientenversorgung und Leistungsvergütung führen“, heißt es in dem Brief. In der Bund-Länder-Arbeitsgruppe zum KHSG hatten die Ge­sund­heits­mi­nis­ter Anfang Oktober beschlossen, dass „KVen zukünftig entweder Portalpraxen in beziehungs­weise an Krankenhäusern als erste Anlaufstelle einrichten oder die Ambu­lanzen von Krankenhäusern über entsprechende Vertragsvereinbarung unmittelbar in der vertragsärztlichen Notfalldienst einbinden“ sollen.

KBV und KVen gemeinsam für "klare Spielregeln"
Dies hatte bereits zu massiver Kritik einzelner KVen geführt. Gemeinsam werben die KBV- und KV-Chefs nun für „klare Spielregeln“ zwischen ambulanter und stationärer Notfallversorgung und warnen vor einem Anstieg der Krankenhausfälle. Denn: „Eine weitere Zunahme erzeugt unnötige Kosten durch vermeidbare Krankenhausfälle und darf nicht zugelassen werden.“

Anzeige

Zu den Spielregeln müsse aus Sicht der KBV und der KVen gehören, dass bereits bestehende funktionierende Strukturen fortgeführt werden können. Neue Portalpraxen sollen nur dann eingerichtet werden, wenn diese wirklich benötigt werden würden. Ebenso fordern die KV-Chefs, dass die Versorgung in solchen Praxen sowie die sich anschließende Weiterbehandlung bei einem niedergelassenen Arzt oder in der Klinik „unter Berücksichtigung der regionalen Versorgungsstrukturen nach festzulegenden Prinzipien mit dem Ziel der Vermeidung unnötiger stationärer Behandlungen“ erfolgen soll. Diese neuen Strukturen müssten in den regionalen Honorarverträgen „ange­messen“ berücksichtigt werden.

Hintergrund der Diskussion ist die seit Jahren steigende Zahl der Notfälle in Kliniken. Nach Daten des Zentralinstitutes für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi) übernehmen zwar die Vertragsärzte rund 71 Prozent der ambulanten Notfälle außerhalb der Sprechstundenzeiten. Dennoch sei die Anzahl von ambulanten Notfällen in Kliniken in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. In der Diskussion um das Krankenhausstrukturgesetz hatte die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) vorgerechnet, dass ihre Kliniken rund 10 Millionen ambulante Fälle betreuen. Dafür bekämen sie allerdings nur 32 Euro pro Fall erstattet, benötigten aber für die Versorgung rund 120 Euro. Dadurch entstehe ein jährliches Defizit von rund einer Milliarde Euro, so die DKG. Laut den aktuellen Änderungen zum KHSG sollen Kliniken nun einen finanziellen Ausgleich dafür bekommen. © bee/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

6. Oktober 2020
Magdeburg/Aachen – Das AKTIN- Notaufnahmeregister erfasst im Augenblick Daten aus 17 Notaufnahmen deutschlandweit. Bis März 2021 sollen 50 Notaufnahmen an dem Register angebunden sein und ihre Daten
Notaufnahmeregister will Deutschland abdecken
23. Juli 2020
Berlin – Um die Notfallversorgung von Patienten ist nach Äußerungen der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) ein neuer Streit entbrannt. Hintergrund ist die
Neuer Streit um Notfallversorgung
22. Juli 2020
Köln – Die COVID-19-Pandemie in Deutschland führte zu einem signifikanten Rückgang medizinischer Notfälle jeglicher Art in den Notaufnahmen. Anna Slagman und Co-Autoren werteten die Daten von
Signifikanter Rückgang medizinischer Notfälle während der COVID-19-Pandemie
7. Juli 2020
Ulm – Wegen der Coronakrise sind Patienten mit Herz-Notfällen zögerlich und oft verspätet ins Krankenhaus gegangen. Das bestätigt eine heute veröffentlichte Untersuchung des Universitätsklinikums Ulm.
Analyse bestätigt Rückgang von Herz-Notfall-Patienten
3. Juli 2020
Berlin – Die Zahl der Fälle in den Notaufnahmen ist während der Coronapandemie seit Mitte März um bis zu 40 Prozent gesunken. Das berichtete das Robert Koch-Institut (RKI) in seinem aktuellen
Weniger Fälle in Notaufnahmen während der Pandemie
25. Juni 2020
Berlin – Nach den ersten Monaten der Pandemie beginnt unter vielen gesundheitspolitischen Experten eine Debatte über die Lehren für die künftige Versorgung in Deutschland. Dabei müsse die ambulante
Rüddel: „Die ambulante Versorgung ist die Stütze des Systems“
23. Juni 2020
Magdeburg – Ärzte und Wissenschaftler der Universitätsmedizin der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg haben zusammen mit der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen ein neues
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER