NewsMedizinHodenkrebs: Vier weitere Risiko-Gene gefunden
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Hodenkrebs: Vier weitere Risiko-Gene gefunden

Dienstag, 27. Oktober 2015

London - Mit der Entdeckung von vier weiteren Einzelnukleotid-Polymorphismen steigt die Zahl der Risikogene, die mit testikulären Keimzelltumoren assoziiert sind, auf 25. Sie erklären laut der Publikation in Nature Communications (2015; 6: 8690) fast ein Fünftel des genetischen Risikos bei Hodenkrebs.

In Europa erkranken jährlich 19.000 Männer zumeist im Alter von 19 bis 45 Jahren an Hodenkrebs. Die Inzidenz hat sich in den letzten vier Jahrzehnten verdoppelt, wofür Umwelteinflüsse und Veränderungen des Lebensstils verantwortlich gemacht werden. Gleichzeitig haben testikuläre Keimzelltumoren eine starke genetische Komponente, der seit einigen Jahren in genom-weiten Assoziationsstudien nachgegangen wird. In der jüngsten Untersuchung verglich ein Team um Clare Turnbull vom Institute of Cancer Research in London das Erbgut von insgesamt 6.059 Patienten und 19.094 Kontrollen. Dabei wurden vier Risiko-Gene auf den Chromosomen 3q23, 11q14.1, 16p13.13 und 16q24.2 gefunden.

Alle vier befinden sich auf oder in der Nähe von Genen, die plausibel das Krebsrisiko erklären könnten. Am deutlichsten erscheint der Zusammenhang mit der Region 16p13.13. Hier ist das Gen GSPT1 lokalisiert­, dessen Aktivität bei Männern mit Hodenkrebs um 35 Prozent gesteigert war, wenn sie Träger der entdeckten Genvariante waren. GSPT1­ greift auf der Ebene des G1-zu-S-Phase in den Zellzyklus ein und eine vermehrte Aktivität des Genes wurde bereits bei Krebserkrankungen des Magens, der Prostata und der Brust gefunden, wie Turnbull berichtet.

Anzeige

Die 25 Gene erklären laut Turnbull zusammen 19 Prozent des Krebsrisiko, das Brüder von Hodenkrebspatienten haben. Das oberste Prozent mit den meisten Risikogenen hätte ein um den Faktor 10 erhöhtes Risiko, an Hodenkrebs zu erkranken. Ein Gentest wäre allerdings nur sinnvoll, wenn es eine effektive Vorsorge gäbe. Eine solche steht derzeit nicht zur Verfügung. Die Behandlungsergebnisse von testikulären Keimzelltumoren sind heute jedoch sehr gut. Die meisten Patienten überleben den Hodenkrebs. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

11. Oktober 2019
Köln – Hodenkrebs ist selten, wird auch ohne regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen in den meisten Fällen rechtzeitig erkannt und ist gut behandelbar. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des
IQWiG erachtet Screening auf Hodenkrebs nicht als empfehlenswert
7. August 2019
Berlin/Hamburg – Vor gut einem Jahrzehnt startete das Zweitmeinungsprojekt Hodentumor auf Initiative der Deutschen Gesellschaft für Urologie. Im Jahre 2018 wurde jeder dritte Patient mit neu
Zweitmeinung beim Hodentumor verbessert jede fünfte Therapieplanung
8. Juli 2019
Rochester – US-Forscher haben eine neue Autoimmunerkrankung entdeckt, die bei Männern mit Seminomen eine paraneoplastische Enzephalitis auslösen kann. Die Antikörper sind laut der Studie im New
KLHL11-Enzephalitis: Nach Hodenkrebs folgt Autoimmunerkrankung
22. Mai 2019
Berlin – Nach den S3-Leitlinien zum Prostatakarzinom, zum Nierenzellkarzinom und dem Harnblasenkarzinom folgt nun die vierte onkologische Leitlinie höchster Klassifikation: Erstmals wurde eine
Erste S3-Leitlinie Hodentumoren finalisiert
20. November 2018
Berlin – Eine neue Leitlinie auf dem Niveau S3 zum Thema Hodenkrebs ist im Leitlinienprogramm Onkologie erschienen. Darauf hat die Deutsche Krebsgesellschaft hingewiesen. Experten, aber auch
Neue S3-Leitlinie Hodentumor vorgestellt
9. Mai 2018
Edmonton/Kanada – Viele jüngere Männer, die einen bösartigen Hodentumor dank Strahlen- und/oder Chemotherapie überlebt haben, leiden später unter körperlicher, emotionaler und/oder geistiger
Sport hilft gegen Fatigue nach Behandlung von Hodenkrebs
26. Januar 2018
Frankfurt – Bei der Betreuung von Patienten mit einem Hodentumor bewährt es sich, eine qualifizierte und unabhängige Zweitmeinung eines Experten einzuholen. Das berichten die Deutsche Gesellschaft für
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER