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Medizin

WHO: Tuberkulose-Sterb­lichkeit seit 1990 (nur) halbiert

Mittwoch, 28. Oktober 2015

Washington – Der Kampf gegen die Tuberkulose zahlt sich aus. Laut dem „Global Tuberculosis Report“ der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) ist die Zahl der Todesfälle an Tuberkulose seit 1990 um 47 Prozent gesunken. Doch im Jahr 2014 starben noch immer 1,5 Millionen Menschen an Tuberkulose, obwohl die Infektion nach Einschätzung der WHO in den meisten Fällen erfolgreich behandelt werden könnte.

Die größten Fortschritte hat es laut dem Bericht seit dem Jahr 2000 gegeben, als die UNO die Millenniums-Entwicklungsziele (MDG) ausgerufen hatte. Im MDG 6, das die Bekämpfung von HIV/AIDS, Malaria und anderen schweren Krankheiten fordert, zählt die Tuberkulose zwar nur zu den anderen schweren Infektionen. Die häufigen Ko-Infektionen mit HIV haben aber gezeigt, dass die Bekämpfung der Tuberkulose wichtig ist. Das dort genannte Ziel eines Stillstands der Epidemie und einer Trendumkehr wurde global erreicht, und selbst in 16 von 22 Hoch-Endemie-Ländern sinkt laut WHO die Zahl der Erkrankungen.

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Kein Grund zur Zufriedenheit
Für Mario Raviglione, den Direktor des „Global TB Programme“ der WHO, gibt es dennoch keinen Grund zur Zufriedenheit. Nach wie vor würden jeden Tag 4.400 Menschen an Tuberkulose sterben. Dies sei in einer Zeit, in der fast jede Erkrankung diagnostiziert und fast jeder Patient geheilt werden könnte, einfach nicht akzeptabel.

Im Jahr 2014 sind laut dem WHO-Report 890.000 Männer, 480.000 Frauen und 140.000 Kinder an Tuberkulose gestorben. Die Krankheit ist neben HIV heute weltweit die führende Todesursache (durch Infektionskrankheiten). Von den 1,5 Millionen Menschen, die im Jahr 2014 an Tuberkulose starben, waren 400.000 HIV-positiv. Dies ist ein beträchtlicher Anteil an allen HIV-Todesfällen, die die WHO auf 1,2 Millionen Menschen weltweit schätzt.

Ein Grund für die hohe Zahl der Todesfälle an Tuberkulose ist eine Erfassungslücke. Ein Drittel aller Erkrankungen, deren Zahl die WHO auf 9,6 Millionen im Jahr 2014 schätzt, würden nicht erkannt und deshalb nicht gemeldet, heißt es in dem Bericht. Eine Erfassungslücke gebe es auch bei der MDR-Tuberkulose, bei der die Erreger gegen einzelne Standardmedikamente wie Isoniazid oder Rifampicin resistent sind. Von den geschätzten 480.000 Neuerkrankungen im Jahr 2014 wurde laut WHO nur etwas Viertel - 123.000 - erkannt und gemeldet. Wenn eine MDR-Tuberkulose jedoch gemeldet werde, komme es heute in fast jedem Fall zur Einleitung einer Therapie, so der Bericht.

Multiresistente Formen der Tuberkulose ein großes Problem
An der MDR-TB erkranken weltweit rund  480.000 Menschen. Besonders betroffen sind hier China, Indien und Russland. „Wir verlieren im Kampf um die Kontrolle der resistenten Tuberkulose an Boden”, sagte Grania Brigden von Ärzte ohne Grenzen.

„Multiresistente Formen der Tuberkulose werden sich weiterhin ausbreiten, bis sich die Lücke zwischen diagnostizierten und tatsächlichen Fällen geschlossen hat. Wir müssen dringend den Zugang zu Diagnosemöglichkeiten für resistente Formen der Tuberkulose durch patientennahe Diagnostika verbessern und erhöhen.”

Zudem werde nicht ausreichend in öffentliche Forschung investiert, kritisierte Ärzte ohne Grenzen. Auch Deutschland sei da keine Ausnahme. Für Tuberkuloseforschung gebe etwa das Forschungsministerium jährlich weniger als fünf Millionen Euro aus.

Für die nächsten Jahre hat sich die WHO ein neues Ziel gesetzt. Die im letzten Jahr verabschiedete „End TB Strategy“ sieht vor, bis zum Jahr 2030 die Inzidenz der Tuberkulose um 80 Prozent und die Zahl der Todesfälle um 90 Prozent zu senken. Außerdem sollen die betroffenen Haushalte von den katastrophalen Kosten der Therapie befreit werden. © rme/aerzteblatt.de

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