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Politik

Kindergesundheit: Experten betonen die Bedeutung der Prävention

Mittwoch, 28. Oktober 2015

Berlin – Vertreter der Barmer GEK, des Dachverbands für Anthroposophische Medizin in Deutschland (DAMiD) und des Kneipp-Bundes haben heute in Berlin das Präventions­gesetz begrüßt. „Es gibt 1,9 Millionen übergewichtige Kinder in Deutschland; 800.000 von ihnen sind fettleibig“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK, Christoph Straub, auf dem Kongress „Zukunft Prävention 2015“, der von den drei Organisationen veranstaltet wurde. In den letzten zehn Jahren habe sich in der Folge die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit Diabetes mellitus Typ 2 verfünffacht.

„Als ich Medizin studiert habe, gab es diese Krankheit bei Jugendlichen überhaupt nicht. Die Krankheit hieß damals Altersdiabetes“, erklärte Straub. „Das zeigt uns, dass wir uns dringend mehr um Prävention kümmern müssen.“ Insofern sei  das Präventionsgesetz ausdrücklich zu begrüßen. Es sei eine gute Grundlage für Krankenkassen und andere Sozialversicherungsträger, aktiv zu werden.

Zugleich betonte Straub: „Was jetzt aber nicht passieren darf, ist, dass die Bundesländer und andere ihr Engagement in der Prävention zurückfahren, weil ja jetzt die Kranken­kassen dafür zuständig sind.“ Zudem forderte er mehr Transparenz in der Prävention. Es müsse ersichtlich sein, wer welche Aktivitäten mit welchen Geldmitteln angestoßen habe.   

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„Jetzt geht es erst richtig los“
Die Präsidentin des Kneipp-Bundes, Marion Caspers-Merk, befand, dass die im Rahmen des Präventionsgesetzes für die Gesund­heits­förder­ung zusätzlich bereitgestellten 500 Millionen Euro „ein spürbarer Schritt nach vorne“ seien. Dennoch gebe es nach wie vor eine große Diskrepanz zwischen den Ausgaben für Prävention und den Ausgaben für die Behandlung von Krankheiten.

Sie forderte zudem, dass „wir die Erfolge von Präventionsmaßnahmen messen müssen, damit wir überhaupt sagen können, welche Maßnahmen etwas bringen und damit wir wissen, was wir ins System implementieren müssen“. Das Robert Koch-Institut habe als Ergebnis seiner KiGGS-Studie umrissen, welche Aufgaben insbesondere angegangen werden müssten: „Es gibt einen großen Unterschied in der Kindergesundheit zwischen den sozialen Schichten. Psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen nehmen zu. Und Kinder leiden unter einem Bewegungsmangel“, fasste Caspers-Merk zusammen. „Das Präventionsgesetz ist da, aber damit ist die Aufgabe nicht erledigt, sondern jetzt geht es erst richtig los.“

Kinder nicht „von der Welt isolieren“
„Bei 80 Prozent der Kinder, die ich früher als Kinderarzt behandelt habe, hätte eigentlich das Umfeld der Kinder behandelt werden müssen“, sagte Stefan Schmidt-Troschke, Vorstandsmitglied des DAMiD. Für viele Kinderärzte sei es schlimm, dass sie das krankmachende Umfeld ihrer Patienten nicht verändern könnten.

Er kritisierte, dass die Kinder heute vielfach „von der Welt isoliert“ seien. Deshalb litten Kinder heute zum Beispiel viel öfter an Allergien. Zudem kritisierte er, dass die Jugendhilfe und die Medizin häufig nicht zusammenarbeiteten. Die getrennten Zuständigkeiten in diesem Bereich müssten vom Gesetzgeber aufgehoben werden.

„Wir müssen Angebote schaffen, die in den Alltag integriert werden können“
„Nach zahlreichen Präventionsprojekten wissen wir: Wir müssen niedrigschwellige Angebote schaffen, die in den Alltag integriert werden können“, betonte der Barmer GEK-Vorsitzende Straub. „Das klingt banal, aber das ist entscheidend. Wir brauchen die Schulen, die Lehrer, die Eltern und die Arbeitgeber als Partner. Denn nur dann haben wir die Chance, dass sich Strukturen ändern.“

Straub kündigte an, dass die Barmer GEK in Kitas und Schulen, in sozialen Brenn­punkten und im Bereich des betrieblichen Gesundheitsmanagements ihre Präven­tionsangebote deutlich ausbauen werde. Die Kasse engagiere sich auch „in Groß­projekten, weil wir damit die Öffentlichkeit besser erreichen“, zum Beispiel in der vor zwei Wochen gestarteten Kampagne der Sarah Wiener Stiftung „Ich kann kochen!“. Dabei sollen die Erzieher befähigt werden, Kinder mit gesünderer Ernährung in Kontakt zu bringen. „Auf diese Weise können wir 1,4 Millionen Kinder erreichen“, so Straub.

© fos/aerzteblatt.de

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