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Medizin

Blasenkrebs: Biomarker keine Alternative zur Zystoskopie

Donnerstag, 29. Oktober 2015

Portland – Die Bestimmung von Biomarkern kann ein Harnblasenkarzinom oft nicht sicher ausschließen oder bestätigen. Das berichten Forscher um Roger Chou an der Oregon Health & Science University und der University of Washington in einer Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift Annals of Internal Medicine (doi: 10.7326/M15-0997).

Harnblasenkarzinome sind mit rund 30 Fällen pro 100.000 Einwohnern die fünft­häufigste Krebserkrankung des Menschen. Bekannte Risikofaktoren sind die Exposition mit aromatischen Aminen in bestimmten Berufsfeldern und Tabakkonsum. Auffällig werden die Karzinome oft durch eine schmerzlose Makrohämaturie. Besonders für ältere Männer stellt dieses Symptom eine quasi zwingende Indikation zur Zystoskopie dar.

Es gibt Bemühung diese Untersuchung durch die Bestimmung einer Reihe von Bio­markern zu ersetzen. Hierzu gehören unter anderem das Nukleäre-Matrix-Protein 22 (NMP22), das Bladder Tumor Antigen (BTA) und zytologische Verfahren. In der Meta­analyse wollten die Forscher untersuchen, ob diese Methoden zum Ausschluss oder zur Bestätigung eines Karzinomverdachts geeignet sind.

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Die Arbeitsgruppe nutzte unterschiedliche Datenbanken wie Ovid Medline, das Cochrane Central Register of Controlled Trials und die Cochrane Database of Syste­matic Reviews. Insgesamt schlossen sie 57 gefundene Studien in ihre Auswertung ein. Sie untersuchten hierbei die Rolle von NMP22, BTA, die Detektion pathologischer mRNA-Expressionsprofile (Cxbladder) und den Einsatz zytologischer Verfahren wie der Fluoreszenz in situ Hybridisierung (FISH) und einer immunhistochemischen Methode (Immunocyt).

Bei diesen verschiedenen Markern lag die Sensitivität zwischen 57 und 82 Prozent und die Spezifität zwischen 74 und 88 Prozent. NMP22 und BTA, die beiden klinisch relevantesten Marker, waren von vergleichbarer Aussagekraft. So erkannten diese Biomarker etwa zwei Drittel aller Tumore, wobei jedoch auch jeder fünfte Gesunde falsch positiv getestet wurde.

Tumore in fortgeschrittenen Stadien wurden wesentlich häufiger durch die Tests ent­deckt als die Frühstadien. So lag die Sensitivität für alle Testverfahren zwischen 80 und 90 Prozent, wenn die Tumore mindestens im Stadium T2 waren. In Frühstadien verfehlten die Tests jedoch jeden zweiten Tumor. Bei Kombination der Biomarker und zytologischer Testverfahren betrug die Sensitivität etwa 90 Prozent. Somit wurde ein Karzinom bei jedem zehnten Patienten nicht erkannt.

Bisher eignen sich die Biomarker nicht als ausreichend sicheres Screening-Instrument. Eine Zystoskopie können sie den Patienten deshalb nicht ersparen, so die Wissen­schaftler. Insbesondere die niedrigen, sehr gut behandelbaren Tumorstadien würden überproportional häufig übersehen.

© hil/aerzteblatt.de

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