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Ausland

WHO: Keine Aufforderung zum völligen Verzicht auf Wurst

Freitag, 30. Oktober 2015

Genf/Lyon – Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) fordert nach Angaben der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) keinen völligen Verzicht auf Wurst. Nach Protesten und Aufrufen zur Klarstellung erklärte die WHO am Donnerstag in Genf, die jüngste Bewertung ihrer Behörde verlange nicht von den Menschen Lebensmittel wie Würstchen, Schinken und anderes verarbeitetes Fleisch gar nicht mehr zu essen. Sondern die Agentur mache darauf aufmerksam, dass ein geringerer Verzehr das Krebsrisiko vermindern könne.

Die WHO-Behörde hatte am Montag in Lyon mitgeteilt, der regelmäßige Konsum erhöhe das Risiko für Darmkrebs. Zudem stuften die Experten rotes Fleisch generell als wahrscheinlich krebserregend ein. Darunter wird das Muskelfleisch aller Säugetiere verstanden, also auch von Rind, Schwein, Lamm, Kalb, Schaf, Pferd und Ziege.

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Eine Arbeitsgruppe aus 22 Experten hatte mehr als 800 Studien über den Zusammen­hang von Fleischkonsum und dem Risiko für verschiedene Krebsarten ausgewertet. Die WHO-Behörde kam zu dem Schluss, dass das Darmkrebs-Risiko je 50 Gramm verarbeitetes Fleisch am Tag um 18 Prozent steigt.

Deutsche essen immer weniger Fleisch
Über ein Drittel der Deutschen hat seinen Fleischkonsum in den vergangenen fünf Jahren verringert, wie das Meinungsforschungsinstituts YouGov einer Umfrage zufolge berichtet. 15 Prozent wollen wegen der Warnung der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) vor Fleisch und Wurst weniger davon essen. Von den Befragten gaben 37 Prozent an, sie hätten ihren Fleischkonsum unabhängig von der WHO-Warnung in den vergangenen fünf Jahren verändert und achteten inzwischen darauf, weniger Fleisch zu essen.

Zum Vegetarier sind in dieser Zeit demnach zwei Prozent geworden, zum Veganer ein Prozent. 50 Prozent essen Fleisch wie eh und je, ein Prozent hat wieder mit dem Fleischessen angefangen. Auch nach Auskunft des Bundesverbands der Deutschen Fleischwarenindustrie ist der Verzehr von Fleisch gesunken: von 31,3 Kilogramm pro Kopf 2003 auf 29,6 Kilogramm im Jahr 2013.

24 Prozent der Frauen und 16 Prozent der Männer in Deutschland sind aufgrund der jüngsten WHO-Einschätzung beunruhigt (insgesamt: 20 Prozent). Die meisten – 68 Prozent – wollen trotz der WHO-Warnung genau so viel Fleisch wie bisher verzehren. Dass sie schon jetzt kein Fleisch essen, sagten 10 Prozent der Befragten. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #115425
Herz1952
am Montag, 2. November 2015, 14:35

Prinzipielle Zustimmung für Styphylococcux rex

Im Prinzip kann ich Ihnen zustimmen. Es könnte allerdings sein, dass diese Rezeptoren sehr egoistisch sein könnten und zeitweise andere sogar lahmlegen könnten, um "ihrem Organ" genug Futter zu geben. Dabei wird natürlich noch andere Nahrung aufgenommen, die der Körper im Momente nicht braucht.

Wenn ich als ehemaliger "Informatiker" an die technischen Fehler und an die Programmfehler denke, scheint mir das nicht abwegig. Wir Menschen werden schon mit einigen tausend Genfehlern geboren. Wie werden diese sich in Zukunft auswirken?

Ich versuche übrigens mich nach meiner inneren Stimme zu ernähren, d. h. "gut" essen, was schmeckt, aber aufhören, wenn es am besten schmeckt (smile).
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Sonntag, 1. November 2015, 23:23

Auf die innere Stimme hören

Wir alle haben eine umfangreiche Ausstattung an Rezeptoren, die uns genau sagen können, was wir an Nahrung benötigen. Wie hätte die Menschheit sonst die letzten hunderttausend Jahre ohne "Ernährungexperten" überleben können? Die Nachrichten dieser Rezeptoren, die "innere Stimme" ist nicht sehr laut, in unserer heutigen Zeit wird sie schnell übertönt von der Werbung, von der fast ubiquitären Verfügbarkeit von Fast food, vom Alltagsstreß, von den eigenen schlechten Gewohnheiten.

Anstatt jedem selbsternannten Experten nachzulaufen, wäre es meiner Meinung nach viel sinnvoller sich auf die eigene innere Stimme zu besinnen. Und diese innere Stimme kennt die Besonderheiten des eigenen Stoffwechsels, ganz ohne Sequenzierung und ohne seitenlange Laborbefunde. Und das Beste, diese innere Stimme ist rund um die Uhr verfügbar, und das zum Nulltarif.

Das Einzige, wovor ich wirklich Angst habe, ist das beim Essen nicht das drin ist, was drauf steht. Und da sehe ich TTIP mit sehr gemischten Gefühlen entgegen. Eine gewählte Regierung muß sich wenigstens einmal alle paar Jahre um die Interessen der Bürger kümmern, die Schiedsgerichte, die zukünftige Streitfälle zur Kennzeichnung von Lebensmitteln und zum Verbraucherschutz entscheiden, haben da ganz andere Prioritäten. Was nützt mir die innere Stimme, wenn in der Nahrung chemische Risiken versteckt sind, auf die ich evolutionär nicht vorbereitet bin?

Im Vergleich dazu fallen die paar Nachkommastellen der WHO-Studie zum Thema rotes Fleisch aus meiner Sicht nicht wirklich ins Gewicht. Und irgendwann müssen wir alle sterben, und ob ich statistisch einen Monat eher an Krebs sterbe oder einem Monat später an einem Schlaganfall, das ist mir im Augenblick ziemlich egal. Und die Todesstatistik zeigt vor Allem eines: Davongekommen ist bisher noch niemand.
https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Gesundheit/Todesursachen/Todesursachen.html
Avatar #115425
Herz1952
am Sonntag, 1. November 2015, 13:43

Essen kann tödlich sein

Dieser Satz wird vermutlich irgendwann auf allen verpackten Lebensmittel stehen. Mit Lebensmittelfarbe vielleicht auch auf Freilandgemüsen und Obst wegen der eingetragenen Schadstoffe.

Wenn ein Patient zum Arzt kommt, der einen "Gichtfuß" hat, rät er ihm, kein Fleisch zu essen. Was macht der Patient, er geht nach Hause und ist Fisch und wundert sich, dass die Gicht nicht so schnell verschwindet. Fisch ist doch gesund, meint der Patient und auch der Arzt. Aber dass Fisch - und vor allem die "gesunden" Fische - noch mehr Purine enthalten wie Fleisch, das weis meistens keiner von beiden. Aufgeführt werden evtl. noch "exotische" Fische, die sich die meisten nicht leisten können, oder im Normalfall nur in sehr geringen Mengen verzehrt werden.

Ich esse am liebsten ein Kilo kleine Sardellen auf einer kleinen Pizza (smile).

Wenn ein Patient zwei oder gar mehrere Krankheiten hat (Niere schlägt Herz, Herz schlägt Niere), löscht die eine "gesunde" Ernährung die andere aus und der Patient stirbt an Hunger, aber "gesund".
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Samstag, 31. Oktober 2015, 13:50

Die "HAXE DES BÖSEN" 2.0

Peinlich für WHO-IARC-Experten! Sie müssen mit ihren voreiligen Schlussfolgerungen und Warnungen zurückrudern.

Verarbeitetes, gepökeltes oder geräuchertes Fleisch ("processed meat"), insbesondere gebraten, gegrillt und nitrosamin-haltig, ist für den Menschen krebserregend. Das wissen wir schon lange. Auch dass Menschen mit ihrem Gebiss, ihrer Beißmuskulatur, ihren Darm-, Verdauungs- und Ausscheidungs-Tätigkeiten "Allesfresser" (Omnivoren) sind: Vergleichbar mit Schweinen und hochentwickelten Primaten sind sie auf eine obst- und vegetabil betonte Mischkost mit Fleisch, Fisch, Geflügel, Getreide und Milch-(Produkten) angewiesen.

Der Energiebedarf über Protein, Kohlenhydrat, Fett, Mineralstoffe und Spurenelemente ist wegen ihrer Gehirnentwicklung viel höher als bei anderen Primaten. Der global immer weniger Energie-verbrauchende Lebensstil, mangelnde Anstrengungs- und Aufwands-Kultur bzw. Bewegungsarmut post-industrieller Gesellschaften bei exzessivem Nahrungsmittelüberfluss führt gegenüber Armutsländern zu metabolischer Entgleisung, Diabetes mellitus und wachsendem kardio-pulmonalem bzw. nephro-vaskulären Risiko mit s e k u n d ä r e r Tumorinduktion: Die Lebenserwartung und deren Abstand s t e i g t jedoch selbst gegenüber Armuts- und Schwellenländern.

D a s ist der wesentliche Grund für die völlig naiv-empiristisch-heuristische, vorlaute Ableitung eines erhöhten Sterberisikos bei Konsum von rotem Fleisch, wenn man nicht zwischen "processed meat" und "non-processed meat" differenzieren will. Wir sterben nicht w e i l, sondern w ä h r e n d wir zu v i e l rotes Fleisch essen und weil uns der allgemeine Überfluss zu dick macht!

Entlarvend bei den 22 WHO/IARC-Experten, dass sie u n-verarbeitetes rotes Fleisch klammheimlich nur als "wahrscheinlich krebserregend" klassifizieren können. Denn eine Evidenz, dass der Verzehr von rotem Fleisch karzinogen sei, können die Experten nicht mal belegen.

Stattdessen flüchten sie sich in untauglich abstrakte Beispiele: Wenn tägliche 50-Gramm-Portionen von Produkten aus verarbeitetem Fleisch das Risiko für Darmkrebs laut IARC um 18 Prozent steigern, erhöhen 278-Gramm täglich das Darmkrebsrisiko dann um einhundert Prozent? Und ist der Konsum einer 10-Gramm-Portion tgl. dann mit 3,6 Prozent erhöhtem Darmkrebsrisiko nicht mehr signifikant?

"WHO sieht sich zur Klarstellung genötigt

Die WHO rudert in einer erneuten Mitteilung vom Donnerstag, den 29.Oktober, wieder etwas zurück. Es seien eine große Zahl von Rückfragen, besorgten Kommentaren und Bitten um Konkretisierung eingegangen, berichtet die Gesundheitsbehörde. Die IARC (International Agency for Research on Cancer), die die Einstufung von verarbeitetem Fleisch als kanzerogen veröffentlicht hat, arbeite funktional unabhängig unter der Schirmherrschaft der WHO.
Die Einschätzung der IARC bestätige die WHO-Ernährungsempfehlungen aus dem Jahr 2002, heißt es. Schon dort werde bereits zu einem nur „moderaten Konsum“ von verarbeiteten Fleisch- und Wurstwaren geraten, um das Krebsrisiko niedrig zu halten. In der neuen IARC-Bewertung gehe es nicht darum, diesen Konsum ganz zu vermeiden. Es werde lediglich nochmals verdeutlicht, dass die Reduktion eines solchen Konsums auch das Risiko für Kolorektalkrebs senken könne.
Die WHO kündigt an, dass Anfang des kommenden Jahres ein Expertenkomitee der WHO die neuen Erkenntnisse und deren Auswirkungen auf die allgemeinen Ernährungsempfehlungen bewerten wird. Dieses soll dann auch den genauen Stellenwert von verarbeitetem bzw. rotem Muskelfleisch im Kontext einer gesunden Ernährung definieren."
aus: http://www.medscapemedizin.de/artikelansicht/4904217_2

Also lauert dann weiterhin die "HAXE DES BÖSEN"?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

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