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Medizin

Wie ein Gen zur Adipositas führt

Freitag, 30. Oktober 2015

Memphis – US-Forscher haben erstmals herausgefunden, wie ein Gen Übergewicht und Adipositas begünstigt. In Cell Reports (2015; doi: 10.1016/j.celrep.2015.09.065) zeigen sie, dass die Genvariante „rs12291063“ im Appetitzentrum des Gehirns die Bildung des „brain-derived neurotropic factor“ (BDNF) vermindert, was eine Vorliebe für große Portionen auslösen könnte.

Varianten im BDNF-Gen wurden bereits in früheren Studien mit Übergewicht und Adipositas in Verbindung gebracht, doch die Pathogenese war bisher unklar. Ein Team um Joan Han vom University of Tennessee Health Science Center in Memphis konnte die Hirnpräparate von 84 Erwachsenen kurz nach deren Tod untersuchen. Sie konzentrierten sich dabei auf den ventromedialen Hypothalamus, der zum Appetitzentrums des Gehirns gehört.

Hier wird normalerweise BDNF gebildet, doch zwischen den einzelnen Hirnpräparaten bestanden deutliche Unterschiede. Die Forscher untersuchten die BDNF-Gene der Verstorbenen und fanden eine Assoziation mit der Genvariante „rs12291063“. Sie ist gekennzeichnet durch den Austausch der Base Thymin durch Cytosin. Wenn beide Allele vom C(ytosin)-Typ waren, wurde deutlich weniger BDNF produziert. 

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Die Analyse der Daten aus mehreren größeren Kohorten ergab, dass der C-Typ (Genotypen CC oder CT) mit einer Adipositas assoziiert war. Dieser Typ ist bei Amerikanern europäischer Herkunft relativ selten (Anteil 2 Prozent). Bei Afro- und Lateinamerikanern betrug der Anteil jedoch ein Drittel, und viele Träger dieser Variante waren bereits im Kindesalter übergewichtig oder adipös. 

Die Forscher konnten auch klären, wie der Genotyp CC die Bildung von BDNF vermindert. Der Austausch der Basen verhindert die Bindung des Proteins „hnRNP D0B“, die für die Produktion von BDNF benötigt wird. BDNF greift in die Kontrolle des Appetits ein. Menschen mit einem angeborenen Mangel an BDNF erkranken an einem WAGR-Syndrom, zu dessen Kennzeichen eine schwere Fettleibigkeit im Kindesalter gehört. Die partielle Aufklärung der Pathogenese könnte zu neuen Behandlungs­ansätzen bei der Adipositas führen: Bei Personen mit den Genotypen CC oder CT könnte versucht werden, die Bildung von BDNF zu erhöhen. © rme/aerzteblatt.de

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