Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Bundesregierung will Cannabis-Anbau in Deutschland regeln

Sonntag, 1. November 2015

Berlin – Die Bundesregierung will den Anbau von Cannabis in Deutschland regeln und damit Schmerzpatienten zu Therapiezwecken den Zugang dazu erleichtern. Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium hat einen Arbeitsentwurf vorgelegt, der die Einrichtung einer entsprechenden Cannabisagentur vorsieht, wie eine Ministeriumssprecherin am Sonntag in Berlin sagte. Damit soll auch die Kostenerstattung durch die Krankenkassen in „medizinisch begründeten Fällen“ geregelt werden.

Die Welt am Sonntag hatte über den Entwurf berichtet, der sich nach Ministeriums­angaben derzeit in der Abstimmung zwischen den verschiedenen Ressorts befindet. Dem Bericht zufolge soll die Regie beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) liegen. Der Eigenanbau durch Patienten bleibe verboten. Eine Änderung des Betäubungsmittelgesetzes muss vom Bundestag beschlossen werden. Ab wann die Patienten tatsächlich von der Gesetzesänderung profitieren können, ist noch offen.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), hatte sich Anfang des Jahres dafür ausgesprochen, Cannabis für schwerkranke Schmerzpatienten auf Kassenrezept zuzulassen. Auch Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) hatte wiederholt erklärt, dass schwerkranke Menschen, denen nur durch Cannabis geholfen werden kann, gut versorgt werden sollen.

Dazu müsse neben der Frage der Kostenerstattung „in diesen medizinisch begründeten Fällen“ aber auch geklärt werden, „wie Missbrauch wirksam verhindert werden kann“.

 Cannabis wird unter anderem zur Behandlung von chronischen Schmerzen oder gegen spastische Lähmungen und Krämpfe bei Multipler Sklerose eingesetzt.  Schwerkranke Schmerzpatienten, die Cannabis zur Linderung ihrer chronischen Erkrankungen brauchen, können derzeit schnell ins Visier der Justiz geraten.

Die Cannabis-Präparate in den Apotheken sind teuer und die Kosten werden in der Regel nicht von den gesetzlichen Kassen übernommen. Die Kassen zahlen nur in Einzelfällen, etwa bei MS-Patienten. Bauen Patienten selbst Hanf an, droht ihnen ein Ermittlungsverfahren.

Nach Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn verfügen derzeit nur wenige hundert Patienten über eine Ausnahmeerlaubnis zum Erwerb von Cannabisblüten oder Cannabisextrakten „im Rahmen einer medizinisch betreuten und begleiteten Selbsttherapie“. Mit Sativex gibt es in Deutschland auch ein zugelassenes Fertigarzneimittel auf Cannabis-Basis. Ärzte können auch im Ausland zugelassene Cannabis-Mittel verschreiben.

Vor allem die Grünen und die Linkspartei, aber auch die FDP unterstützen eine Legalisierung von Cannabis. Mit dem Bremer Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) hatte sich erstmals auch ein Länderregierungschef für die Freigabe ausgesprochen. Sowohl Gröhe als auch Mortler lehnen dies ab. © afp/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

24.05.17
Freiburg – Die Verordnung von medizinischem Cannabis für schwerkranke Patienten ist zu kompliziert und muss verändert werden. Das haben heute die Delegierten des 120. Deutschen Ärztetags angemahnt.......
22.05.17
Medizinalcannabis: Ärzte kritisieren Umgang der Krankenkassen mit Anträgen auf Kostenerstattung
Rüthen – Die ersten Anträge von Patienten, die mit Medizinalcannabis therapiert werden sollen, liegen den Krankenkassen vor. Die Kostenübernahme darf nur in begründeten Fällen abgelehnt werden. Dies......
17.05.17
Grüne scheitern mit Cannabis­kontrollgesetz
Berlin – Die Grünen-Bundestagsfraktion ist mit ihrem Entwurf für ein Cannabiskontrollgesetz im Gesundheitsausschuss des Bundestages gescheitert. Die Fraktionen von Union und SPD stimmten heute im......
12.05.17
Cannabis: Erstattung erst nach Genehmigung der Kasse möglich
Berlin – Cannabis kann als Leistung von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erst dann erstattet werden, wenn diese zunächst von einem Arzt verordnet und zudem von der Krankenkasse genehmigt......
09.05.17
Cannabis: „Low-Dose“-THC hält Altern des Gedächtnisses (bei Mäusen) auf
Bonn – Die Behandlung mit Tetrahydrocannabinol (THC) in einer niedrigen Dosierung, die keine Rauschwirkung erzielt, hat in Experimenten an Mäusen die Alterungsvorgänge im Hippocampus aufgehalten und......
03.05.17
Mexiko-Stadt – Mit großer Mehrheit hat das mexikanische Parlament den Weg für die Freigabe von Marihuana für medizinische Zwecke geebnet. 371 Abgeordnete stimmten in Mexiko-Stadt für den......
28.04.17
Berlin – Aus der in Berlin geplanten Studie über Cannabis-Konsum mit 25.000 Probanden wird vorerst nichts. Der Hamburger Forschungsleiter, der Professor für Klinische Psychologie Thomas Schnell,......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige