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Politik

„Hausärzte in Lehrpraxen haben eine immens wichtige Rolle als Vorbild“

Samstag, 7. November 2015

Freiburg – Bilden wir die Richtigen aus? Bilden wir richtig aus? Über diese Fragen diskutierte auf ihrem jüngsten Symposium die Gesellschaft der Hochschullehrer für Allgemeinmedizin (GHA). Vorsitzender Andreas Graf von Luckner über die wichtige Rolle von Hausärztinnen und Hausärzten in Lehrpraxen, den unterschätzten Stellenwert der Lehre an Hochschulen und die Bedeutung von ausreichend Lehrstühlen für Allgemeinmedizin.

5 Fragen an Andreas Graf von Luckner, Vorsitzender der Gesellschaft der Hochschullehrer für Allgemeinmedizin

DÄ: Gerade wenn es um den hausärztlichen Nach­wuchs geht, machen viele Vorschläge, wie man die Richtigen finden und ausbilden sollte. Welche Erkennt­nisse kann die Gesellschaft der Hochschullehrer für Allgemeinmedizin beisteuern?
Von Luckner: Während unserer jüngsten Tagung berichtete eine Referentin über den immer dichteren Dschungel bei den Zulassungen zum Medizinstudium. Die Abiturnote spielt immer noch die entscheidende Rolle. Die Medizinischen Fakultäten können aber mittlerweile weitere Kriterien festlegen, um eine andere Mischung der Medizinstudierenden hinzubekommen. Aber die Abitur­note ist immer noch der beste Prädiktor für den Studienabschluss. Nur weiß niemand, ob die approbierten Ärzte dann in die Versorgung gehen – und ob sie ihre Arbeit dort auch gut machen. Wir suchen offenbar die Richtigen aus für das Studium, aber wir wissen nicht, ob es die Richtigen für später sind. Das gilt auch für die Allgemeinmedizin.

DÄ: In der Aus- und Weiterbildung Allgemeinmedizin wurden auf vielen Ebenen Anstrengungen unternommen, um den Nachwuchs für das Fach zu begeistern. Sehen Sie hier Fortschritte?
Von Luckner: Ich finde, die Allgemeinmedizin hat immer noch ein Imageproblem. Deshalb ist eine longitudinale Verankerung im Studium so wichtig. Manches geht mir einfach nicht schnell genug. Aber man braucht wohl auch Geduld. Zumindest, was die Zahl der Facharztprüfungen in Allgemeinmedizin betrifft, haben wir aber wohl die Talsohle hinter uns gelassen.

DÄ: Kann die GHA bestimmte Formate oder didaktische Kniffe für die Ausbildung empfehlen, dank derer allgemeinmedizinische Inhalte noch attraktiver werden?
Von Luckner: Interessant ist, welche Rolle für die Entscheidung pro Allgemeinmedizin auch unter den sogenannten digital natives der jungen Generation das gelebte und erlebte Vorbild spielt. Wir müssen die Hausärztinnen und Hausärzte in den Lehrpraxen didaktisch gut ausbilden und ihnen klar machen, welch immens wichtige Rolle sie haben, gerade als Vorbild. Das Problem ist aber, dass die meisten Hausärzte sehr viel arbeiten. Wenn sie sich dann noch in der Lehre engagieren, ist ihre Kraft verständlicherweise erschöpft. Dann ist es sehr schwer, sie noch für didaktische Schulungen zu gewinnen.

Allgemeinmedizin: Ein Fach im Aufwind

Noch gibt es nicht an allen medizinischen Fakultäten Lehrstühle für Allgemeinmedizin. Das Fach ist aber kein Nischenangebot mehr. Das belegt eine Umfrage des Deutschen Ärzteblatts – mit großem Rücklauf. Das Hausarzt-Dasein ist unattraktiv für den medizinischen Nachwuchs? 

DÄ: Was kann man da tun?
Von Luckner: Die GHA setzt sich zweimal im Jahr auf Veranstaltungen mit dem Thema Lehre und Didaktik auseinander. Außerdem bieten wir halbtägige Fortbildungsver­anstaltungen dazu an. Dafür wechseln wir regelmäßig den Veranstaltungsort, damit der Weg für die Kollegen je nach Wohnort nicht immer sehr weit ist. Die nächste findet übrigens am 21. November in Göttingen statt. Sofern es im praktischen Jahr ein Pflichtquartal Allgemeinmedizin geben wird, wird es in der Folge dann möglicherweise auch mehr Prüfungen darin geben. Dann benötigen wir auch mehr Prüfer. Auch deshalb müssen wir unsere Angebote überdenken.

DÄ: Vielen allgemeinmedizinischen Instituten gelingt es gleichwohl, Lehrpraxen und engagierte Hausärzte zu finden. Viele schätzen es offenbar auch, wieder an die Universität angekoppelt zu sein. Haben Sie den Eindruck, dass die Allgemeinmedizin dort mittlerweile stärker wahrgenommen wird?
Von Luckner: Die Wahrnehmung der Allgemeinmedizin verbessert sich auf jeden Fall, vor allem, wenn es dort Lehrstühle und eigenständige Abteilungen gibt. Sonst hat man es schwer. Mich wurmt aber, dass man in Deutschland mit engagierter Lehre keine Karriere macht. So sehr gerade für die Allgemeinmedizin moderne Vermittlungskonzepte und intelligente Wissensvermittlung gefordert werden – weit kommt man damit auf der akademischen Karriereleiter oft nicht, auch wenn es zum Glück in allen Abteilungen begeisterte und enthusiastische Lehrer gibt. Die Lehrforschung bietet ihnen allerdings in letzter Zeit mehr Chancen, sich akademisch zu qualifizieren. © Rie/aerzteblatt.de

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