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Ärzteschaft

Qualitätssicherung bei Prostata-OPs muss differenzierter werden

Montag, 2. November 2015

Berlin – Auf die Bandbreite von Komplikationen nach Prostataoperationen hat die AOK im Rahmen ihres Projektes „AOK-Krankenhausnavigator“ hingewiesen. Die Kranken­kasse orientiert sich dabei an Ergebnissen der „Qualitätssicherung mit Routinedaten“ (QSR). Beim QSR werden die verschiedenen Risikostrukturen der Krankenhäuser laut der AOK bereits in der Analyse berücksichtigt, so dass ein fairer Krankenhausvergleich möglich sei.

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) weist gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt aber darauf hin, dass Daten zu Prostataoperationen hinsichtlich der methodischen Details, der ausgewerteten Komplikationsarten und der daraus möglichen Schlussfolgerungen deutlich differenzierter betrachtet werden müssten, um Patienten vor Fehlinterpretationen und falschen Entscheidungen für oder gegen eine Klinik zu bewahren.

Zum benignen Prostatasyndrom erfasste das QSR-Verfahren laut AOK über 44.100 Fälle aus den Jahren 2011 bis 2013 aus rund 420 Kliniken. Die Gesamtkomplikations­rate lag bei diesen Fällen bei 17,9 Prozent. Beim besten Viertel der Krankenhäuser hatten höchstens 13,2 Prozent der Patienten Komplikationen. Bei dem Viertel der Krankenhäuser mit den höchsten Komplikationsraten waren mindestens 22,5 Prozent der Patienten betroffen.

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Bei der radikalen Prostatektomie wurden für den gleichen Zeitraum mehr als 15.500 Fälle aus 220 Krankenhäusern ausgewertet. Die Gesamtkomplikationsrate lag bei 19,3 Prozent. Auch hier zeigen sich große Unterschiede zwischen den Häusern. Während im besten Viertel der Kliniken höchstens 12,6 Prozent der Patienten Komplikationen erlitten, waren es im Viertel der Kliniken mit den höchsten Komplikationsraten mindestens 27,4 Prozent.

„Bei der Qualität der Behandlungsergebnisse ist die Schere zwischen den Kliniken sehr groß. Das zeigt eindrucksvoll, wie wichtig die angestrebten Reformen des Kranken­hausstrukturgesetzes sind, mit denen Qualitätsergebnisse stärker in die Krankenhaus­planung einfließen sollen“, hieß es aus der Krankenkasse.  

AOK-Auswertung unterscheidet nicht zwischen verschiedenen Operationsverfahren
Die DGU weist dagegen darauf hin, dass für die Operationen der gutartigen, wie auch der bösartigen Prostataveränderung jeweils sehr verschiedene Operationstechniken existieren. Die von der AOK publizierte Qualitätsauswertung unterscheide nicht nach minimal-invasiven oder offenen OP-Techniken und dabei auch nicht zwischen den jeweils völlig verschiedenen Verfahren.

Die verschiedenen Operationsmethoden gingen aber mit unterschiedlichen Folgen einher, die nicht notwendigerweise als Komplikationen gewertet werden müssten. Ein Beispiel hierfür ist laut der DGU die Transfusionsrate: Diese sei bei der radikalen Prostatektomie abhängig vom Operationsverfahren unterschiedlich, ohne dass hiervon das onkologische oder funktionelle Ergebnis beeinflusst werde.

Qualitätsinstrumente weiterentwickeln
Ebenso sei bekannt, dass ein nerverhaltendes operatives Verfahren, welches dem Erhalt der Erektionsfähigkeit diene, mit einem höheren Blutverlust einhergehe als ein nicht nerverhaltendes Operationsverfahren. „Die wissenschaftlich anerkannten Ergebnisqualitätsparameter Kontinenz- und Potenzerhalt werden in dem hier publizierten Verfahren nicht berücksichtigt, da sie mit der Methodik nicht erfassbar sind“, kritisiert die DGU. Die Fachgesellschaft plädiert daher für eine Weiterentwicklung der zur Verfügung stehenden Qualitätsinstrumente und eine differenzierte Betrachtung der für den Patienten relevanten Ergebnisqualitätsparameter. © hil/aerzteblatt.de

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