Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Deutsche wollen letzte Lebensphase zu Hause verbringen

Montag, 2. November 2015

Gütersloh – Fast jeder zweite Sterbende in Deutschland verbringt seine letzte Lebens­phase in einem Krankenhaus. Allerdings möchten nur sechs Prozent der Deutschen ihre letzten Tage und Wochen in einer Klinik verbringen und 76 Prozent lieber zu Hause. Doch nur jeder Fünfte (20 Prozent) beschließt sein Lebensende tatsächlich in den eigenen vier Wänden.

Das geht aus einem sogenannten Faktencheck Gesundheit der Bertelsmann Stiftung hervor, der die Versorgungsleistungen für Menschen während der letzten Lebensphase untersucht hat. Aktueller Anlass dafür ist die Abstimmung im Deutschen Bundestag über das Hospiz- und Palliativversorgungsgesetz am kommenden Donnerstag.

Bundespräsident Joachim Gauck sagte bei einer Diskussionsveranstaltung in Berlin, er sei dankbar, dass die Hospizbewegung in Deutschland immer weiter Verbreitung finde. Er sei zudem froh, dass die Diskussionen über Palliativmedizin und über Suizidbeihilfe im Bundestag „mit so großer Nachdenklichkeit und so viel Verantwortungsbewusstsein geführt werden“.

Dem Faktencheck zufolge hat das medizinische und pflegerische Angebot vor Ort einen entscheidenden Einfluss darauf, wie ein schwerkranker oder alter Mensch betreut wird und ob er im häuslichen Umfeld bleiben kann. In Regionen mit vielen niedergelassenen Ärzten, die eine Zusatzqualifikation im Bereich Palliativmedizin haben, verbringen mehr Menschen ihre letzten Tage in den eigenen vier Wänden. In den Bundesländern, in denen die stationären Angebote besonders stark ausgebaut sind, sterben dagegen mehr Menschen in Kliniken als im Bundesdurchschnitt.

„Die Planung neuer Versorgungsangebote sollte sich an dem Wunsch der allermeisten Menschen ausrichten, ihre letzten Lebenstage zu Hause zu verbringen“, sagte Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Der Ausbau der ambulanten Versorgung müsse deshalb Vorrang vor einem Ausbau stationärer Angebote haben. Zudem sollten alle Beteiligten vor Ort – Ärzte, Pflege- und Hospizdienste, Krankenhäuser und Kranken­kassen – die neuen Möglichkeiten des geplanten Hospiz- und Palliativgesetzes nutzen, Menschen am Lebensende würdevoll zu begleiten.

2014 erhielten bundesweit knapp 30 Prozent der Verstorbenen eine palliativmedi­zinische Behandlung. Laut Lukas Radbruch von der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin weist dies auf eine Unterversorgung hin, denn: „Fast 90 Prozent aller Menschen brauchen am Lebensende eine palliative Begleitung“, so Radbruch.

Das von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) im März 2015 vorgelegte Hospiz- und Palliativversorgungsgesetz soll dazu beitragen, dass alle Menschen an den Orten gut versorgt und begleitet sind, an denen sie ihre letzte Lebensphase verbringen. Dafür ist flächendeckend ein passgenaues Angeboten von medizinischen und pflege­rischen Leistungen für schwerstkranke Menschen und Sterbende nötig.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) unterstützt die Ausrichtung des Gesetzes ausdrücklich. Wichtig sei, zügig einheitliche Rahmenbedingungen für eine bundesweite ambulante Palliativversorgung zu etablieren. Bislang müssten sich die Angebote für die so genannte spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) auf einem wettbe­werbs­orientierten Markt behaupten. Unter diesen Bedingungen konnte sich seit 2006 aber keine flächendeckende ambulante Palliativversorgung etablieren. Es hat sich nach Auffassung der KBV gezeigt, dass sich diese besondere Form der Versorgung nicht als Wettbewerbsfeld eignet – die Begleitung von Menschen auf ihrem letzten Lebensweg sollte kollektiv organisiert werden.

Auch die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) hat das neue Gesetz begrüßt. Der Ausbau palliativmedizinischer Angebote sei vor dem Hintergrund der aktuellen Sterbehilfe-Debatte ein wichtiges Signal, sagte der BÄK-Präsident Frank Ulrich Montgomery. © hil/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

16.10.17
Empfehlungen zum Umgang mit implantierbaren Kardiovertern und Defibrillatoren am Lebensende
Berlin – Patienten mit Herzrhythmusstörungen können von implantierbaren Kardiovertern/Defibrillatoren (ICDs) profitieren. Die Geräte bieten die Chance auf zusätzliche Lebensjahre und mehr......
13.10.17
Stiftung verlangt bessere Sterbebegleitung
Berlin – Deutschland braucht nach Ansicht der Deutschen Stiftung Patientenschutz dringend mehr professionelle und mobile Teams für die Sterbebegleitung. Bisher gebe es kein Konzept, „jedem Sterbenden......
10.10.17
Sterbebegleitung: Großes Netzwerk in Nordrhein-Westfalen
Düsseldorf – In den vergangenen 25 Jahren ist in Nordrhein-Westfalen (NRW) ein nahezu flächendeckendes Netz von Hospiz- und Palliativeinrichtungen für schwerstkranke und sterbende Menschen entstanden.......
22.09.17
G-BA beschließt längere Verordnung für Palliativpatienten
Berlin – Die Mitglieder des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA) haben die häusliche Krankenpflege für Palliativpatienten erweitert. Künftig sollen die Verordnungen nicht nur „bis zu 14 Tagen“ möglich......
22.09.17
Wenig Evidenz für die Wirksamkeit von Cannabinoiden in der Schmerz- und Palliativmedizin
Köln – Nach den Qualitätskriterien einer evidenzbasierten Medizin gibt es nur eine sehr eingeschränkte Evidenz für die Wirksamkeit von Cannabinoiden in der Schmerz- und Palliativmedizin. Es besteht......
15.09.17
Palliativmediziner fordern mehr Forschung zur Versorgung am Lebensende
Berlin – Mehr interdisziplinäre Forschung zur Versorgung von Patienten am Lebensende fordert die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP). „Wir müssen gemeinsam interdisziplinär forschen, um......
12.09.17
Krankenhaus erfüllt ungewöhnlichen Herzenswunsch
Fürth – Immer wieder versuchen Palliativstationen und Krankenhäuser sterbenden Patienten einen letzten Wunsch zu erfüllen. Im Krankenhaus hat eine Betroffene nun Besuch von ihrem früheren Pflegepferd......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige