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Medizin

Haushund schützt Kinder (ein wenig) vor Asthma

Dienstag, 3. November 2015

dpa

Uppsala – Kinder, die im ersten Lebensjahr in einem Haushalt mit Hund aufwachsen, erkranken einer bevölkerungsbasierten Studie in JAMA Pediatrics (2015; doi: 10.1001/jamapediatrics.2015.3219) zufolge etwas seltener an Asthma. Kinder, die auf Farmen mit Tieren aufwachsen, erfahren eine weitaus größere Schutzwirkung.

Allergische Erkrankungen werden heute auf den fehlenden Kontakten mit bakteriellen Antigenen im ersten Lebensjahr zurückgeführt. Auf Bauernhöfen, in denen Viehwirt­schaft betrieben wird, besteht in dieser Hinsicht kein Mangel. Das Fell, insbesondere aber die Exkremente der Tiere sind mit zahllosen Bakterien besiedelt, die auf die Kleidung der Landwirte und damit auch in den Haushalt gelangen.

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Kinder lassen sich nicht von den Tieren abschirmen, und dies sollte nach derzeitigen Kenntnisstand auch nicht unbedingt geschehen. Denn die bakteriellen Antigene leisten, so die derzeitige Lehrmeinung, eine wichtige Rolle in der „Ausbildung“ des Immun­systems. Sie vollzieht sich im ersten Lebensjahr, wenn sich entscheidet, welche Antigene toleriert und welche eine Immunantwort hervorrufen.

Während die Schutzwirkung von Farmtieren nicht bezweifelt wird, ist die Rolle, die ein Haushund in dieser Beziehung spielen kann, unklar. Die Ergebnisse der bisherigen Studien widersprachen sich häufig, weshalb Tove Fall von der Universität Uppsala und Mitarbeiter die bisher (und wohl auf absehbare Zeit) größte Studie zu dieser Frage durchführten.

Sie umfasst mehr als eine Million Kinder, die zwischen 2001 und 2010 in Schweden geboren wurden. Da in Schweden alle Einwohner eine persönliche Identifikations­nummer haben, konnte Fall die Haushalte ermitteln, in denen Hunde gehalten werden (was in Schweden meldepflichtig ist) und diese Tatsache mit den Erkrankungen der Kinder in den ersten fünf Lebensjahren in Beziehung setzen. Fall griff für die Analyse auf insgesamt neun Register zurück.

Aufgrund der großen Teilnehmerzahl konnte das Team die verhältnismäßig geringe Schutzwirkung nachweisen. Die Exposition mit Hunden im ersten Lebensjahr war mit einem um 13 Prozent verringerten Risiko auf die Diagnose einer Asthmaerkrankung im Alter von sechs Jahren assoziiert. Die Odds Ratio von 0,87 war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,81 bis 0,93 statistisch signifikant. Die Schutzwirkung war bereits in der Altersgruppe der 3- bis 6-jährigen Kinder nachweisbar, wo es in Haushalten mit Hund zu 10 Prozent seltener zur Asthma-Diagnose kam (Hazard Ratio 0,90; 0,83 bis 0,93). Auch dieser minimale Unterschied war aufgrund der riesigen Datenbasis signifikant.

Der Effekt war jedoch wesentlich geringer als bei den Kindern, die auf einem Bauernhof aufwuchsen. Fall ermittelte hier eine um 52 Prozent verminderte Rate von Asthmaerkrankungen im Alter von sechs Jahren (Odds Ratio 0,48; 0,31-0,76). Im Alter von 3 bis 6 Jahren kam es zu 31 Prozent weniger Erkrankungen (Hazard Ratio HR 0,69; 0,56-0,84).

Die protektiven Wirkungen waren auch für erstgeborene Kinder nachweisbar, und sie bestanden unabhängig davon, ob die Eltern selbst an Asthma erkrankt waren oder nicht. Fall hofft, dass die Ergebnisse Familien bei der Entscheidung für oder gegen einen Haushund helfen könnten. Abgesehen davon, dass die Assoziation keine kausale Wirkung belegt, sollten aber die Erwartungen nicht zu hoch geschraubt werden. Eine Gewähr, dass das Kind später nicht an Asthma erkrankt, kann ein Hund im Haushalt sicher nicht bieten. © rme/aerzteblatt.de

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