Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Mehr Nebenwirkungen nach „Off-Label“-An­wendung von Medikamenten

Dienstag, 3. November 2015

dpa

Montreal – Die zulassungsüberschreitende „Off-Label“-Anwendung von Arzneimitteln war in einer Kohortenstudie in JAMA Internal Medicine (2015; doi: 10.1001/jamainternmed.2015.6058) mit einer vermehrten Rate von Nebenwirkungen assoziiert, die zur Änderung der Medikation führte. Besonders häufig kam es zu Problemen, wenn die Mittel ohne erwiesenen medizinischen Nutzen eingesetzt wurden.

„Off-Label“-Anwendungen sind keinesfalls selten. Bei Ärzten aus der kanadischen Provinz Quebec lag ihr Anteil an allen Verordnungen bei 11,8 Prozent. Das Team um Tewodros Egale von der McGill Universität in Montreal konnte den Anteil exakt ermitteln, da die Ärzte ihre Verordnungen in einer elektronischen Krankenakte eintragen müssen, die die Forscher für den Zeitraum von 2005 bis 2009 ausgewertet haben.

Eine Besonderheit der MOXXI-Krankenakte (für „medical office of the 21st century“) ist, dass die Ärzte nicht nur den Grund für die Verordnung angeben müssen, wodurch die Forscher leicht zwischen „Label“ und „Off-Label“ unterscheiden konnten. Die Ärzte sind auch gehalten, bei einem Absetzen des Medikaments den Grund anzugeben. Zu den fünf Kategorien, zwischen denen die Ärzte auswählen können, gehört „Nebenwirkungen“ (ein anderer ist Allergien). Damit konnte Egale erstmals in einer größeren Studie die Häufigkeit von Nebenwirkungen von „Label“ und „Off-Label“-Anwendungen ermitteln.

Ergebnis: Die „Off-Label“-Anwendung führte häufiger zu Nebenwirkungen. Die Rate betrug 19,7 pro 10.000 Personenmonate gegenüber 12,5 pro 10.000 Personenmonate bei der indikationsgerechten Anwendung. Noch häufiger waren die Nebenwirkungen, wenn die „Off-Label“-Anwendung in Indikationen erfolgte, für die es keine nachge­wiesene Evidenz einer Wirkung gibt. Die Forscher ermittelten hier eine Rate von 21,7 pro 10.000 Personenmonate. Ihrer Einschätzung nach war die „Off-Label“-Anwendung in vier von fünf Fällen nicht evidenzbasiert.

Die Ergebnisse überraschen Chester Good und Walid Gellad vom Veterans Affairs Pittsburgh Heathcare System nicht. Wenn Ärzte Medikamente zulassungsüber­schreitend einsetzen, begäben sie sich häufig auf unsicheres Terrain, schreiben die Editorialisten. Oft ist nicht klar, wie Patienten mit der besonderen Erkrankung auf das Medikament reagieren, zumal die effektive und verträgliche Dosis nicht in Studien ermittelt wurde. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

12.09.17
Apothekerverband für Konsequenzen aus Krebsmittelskandal
Düsseldorf – Als Konsequenz aus dem Bottroper Skandal um gefälschte Krebsmedikamente fordern die Apothekerverbände ein neues Vergütungsmodell für die hoch spezialisierten Apotheken. Künftig dürfe nur......
04.09.17
EMA: Paracetamol mit verzögerter Freisetzung soll verboten werden
London – Die Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA möchte Paracetamol-Präparate mit verzögerter Freisetzung verbieten lassen. Anlass sind Überdosierungen, zu denen es jüngst in Schweden gekommen ist.......
31.08.17
Giftinformations­zentrum warnt vor Vergiftungen mit Methotrexat
Göttingen – Die Experten des Giftinformationszentrums (GIZ) Nord sind im vergangenen Jahr von Ärzten und Bürgern stark nachgefragt worden. 38.623 Anfragen haben die ärztlichen Berater 2016......
29.08.17
Methadon als Krebsmittel: Bundesregierung äußert sich zurückhaltend
Berlin – Über die Frage, ob Methadon als Krebsmedikament zum Einsatz kommen sollte, wird derzeit heftig gestritten. Die Bundesregierung äußert sich nun sehr zurückhaltend. „Die Annahme zur positiven......
20.08.17
Evolocumab: Bisher keine Hinweise auf kognitive Schäden durch PCSK9-Inhibitor
Boston – Die Behandlung mit dem PCSK9-Inhibitor Evolocumab, der das LDL-Cholesterin deutlich senkt, hat in einer randomisierten Studie (bisher) nicht zu kognitiven Schwächen bei den Patienten geführt,......
17.08.17
Krebsmittelbetrug: NRW verschärft Apothekenüberwachung
Bottrop/Düsseldorf – Im Skandal um einen Krebsmittelbetrug einer Bottroper Schwerpunktapotheke hat Nordrhein-Westfalens Ge­sund­heits­mi­nis­ter Karl-Josef Laumann (CDU) die Apo­the­ken­über­wach­ung......
17.08.17
Methadon in der Krebstherapie: Nicht ohne Absprache mit dem Onkologen
Jena – Aufgrund aktueller Medienberichte ist das Interesse an D,L-Methadon derzeit außerordentlich groß. Es geht sogar so weit, dass Krebspatienten ohne Absprache mit ihrem Onkologen eine Therapie mit......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige