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Medizin

US-Empfehlungen: Wann Herzkranke an Wettkampfsport teilnehmen dürfen

Dienstag, 3. November 2015

dpa

Dallas/Washington – Die Angst vor einem plötzlichen Herztod auf dem Sportfeld hält viele jüngere Menschen mit angeborenen Herzerkrankungen oder anderen kardialen Störungen davon ab, an Wettkämpfen teilzunehmen. In Circulation beziehen die American Heart Association und das American College of Cardiology Stellung.

Die Empfehlungen basieren auf den Ergebnissen von 15 Arbeitsgruppen. Sie betreffen ausschließlich Athleten mit diagnostizierten Herzkrankheiten, die auf Wettbewerbsebene an Sportarten wie Fußball, Basketball oder Baseball teilnehmen und von einem Trainer betreut werden, nicht aber für Freizeitsportler.

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Tatsache ist, dass ein plötzlicher Herztod beim Wettkampfsport möglich ist und dann jeweils für die entsprechende Medienpräsenz sorgt. Tatsache ist jedoch auch, dass diese Ereignisse relativ selten sind. Das Register SCD Deutschland gibt die Häufigkeit mit 0,5 bis 3 pro 100.000 Personen und Jahr an. Das wären in Deutschland um die hundert Fälle pro Jahr. 

Die häufigste Ursache ist mit einem Anteil von wenigstens einem Drittel eine hyper­trophe Kardiomyopathie. Es folgen angeborene Anomalien der Koronararterien mit einem Anteil von 15 bis 20 Prozent. Andere Ursachen wie Myokarditis, Aortenstenose, Aortendissektion (einschließlich Marfan-Syndrom, Koronare Herzkrankheit, Kanalopathie und die arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie sind mit einem Anteil von jeweils unter 5 Prozent selten. Häufiger ist eine Commotio cordis, ein Aussetzen der Herztätigkeit nach einem heftigen Schlag auf den Brustkorb. 

Ein Todesfall infolge eines Long QT-Syndroms ist nach Ansicht der beiden US-Kardiologenverbände eine Rarität. Ein EKG-Screening aller Leistungssportler wie in Italien lehnen die US-Kardiologen ab. Die Daten der Region Veneto, auf denen die europäischen Empfehlungen beruhen, wurden in anderen Regionen nicht reproduziert, heißt es zur Begründung.

Selbst die Implantation eines Herzschrittmachers oder gar eines implantierbaren Kardioverter-Defibrillators (ICD) stellt für die Experten nicht automatisch eine Kontraindikation dar. Einige Sportler könnten durchaus an Wettbewerben teilnehmen, heißt es in den Empfehlungen, allerdings nur nach eingehender Untersuchung und mit Zustimmung des Arztes. Allgemeine Regeln könnten hier nicht aufgestellt werden. Jeder Patient sei anders.

Bei Patienten mit hypertropher Kardiomyopathie bleiben die US-Empfehlungen zurückhaltend. Junge Menschen mit dieser Erkrankung sollten intensive Wettbewerbssportarten meiden. Gleichzeitig sprechen sich die US-Experten gegen die Implantation eines ICD aus, wenn die alleinige Indikation der Wunsch des Patienten ist, an Wettbewerben teilzunehmen.

Vorsicht geboten ist auch bei Kanalapathien. Diese Personen sollten erst nach einer sorgfältigen Untersuchung und wenn sie unter einer entsprechenden Therapie seit mindestens drei Monaten asymptomatisch sind, ein positives Attest erhalten.

Patienten mit milder arterieller Hypertonie dürfen an Wettbewerben teilnehmen, solange noch keine Endorganschäden aufgetreten sind. Vorsicht geboten ist bei „statischen“ Sportarten wie Gewichtheben, Boxen, Ringen. Patienten mit einer Hypertonie im Stadium 2 (Blutdruck 160/100 mmHg oder höher) sollten diese Sportarten auch ohne Endorganschäden meiden.

Drogen und leistungssteigernde Medikamente lehnen die US-Verbände selbstver­ständlich ab und dies nicht allein aus Gründen der Fairness, sondern weil einzelne Mittel in der Vergangenheit mit Herzklappenerkrankungen in Verbindung gebracht wurden. Andere Zwischenfälle wie die Commotio cordis sind nicht vorhersehbar, weshalb die US-Kardiologen es für ratsam halten, dass automatisierte externe Defibrillatoren auf allen Wettkampfplätzen vorhanden sind und es auch Personen gibt, die sie zu bedienen in der Lage sind. © rme/aerzteblatt.de

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