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Medizin

Keuchhusten erhöht Epilepsie-Risiken bei Kindern

Mittwoch, 4. November 2015

Aarhus – Keuchhusten kann nicht nur während der Attacken einen Krampfanfall auslösen. Einer bevölkerungsbasierten Kohortenstuie im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2015; 314: 1844-1849) zufolge erkrankten die Kinder später auch an einer echten Epilepsie. Das absolute Risiko ist allerdings gering.

In Dänemark kam es in den Geburtsjahrgängen 1978 bis 2011 zu circa 4.700 Keuch­husten-Erkrankungen, die so heftig waren, dass die Kinder hospitalisiert werden mussten. Bei 90 dieser Kinder wurde später eine Epilepsie diagnostiziert. Morten Olsen von der Universitätsklinik Aarhus errechnet eine Inzidenzrate von 1,56 pro 1.000 Personenjahre. In einer zufällig ausgewählten Vergleichskohorte betrug die Inzidenzrate 0,88 pro 1.000 Personenjahre.

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Dies ergibt eine Hazard Ratio von 1,7 Prozent, die mit einem 95-Prozent-Konfidenz­intervall von 1,4 bis 2,1 Prozent signifikant war. Dies bedeutet, dass Kinder nach einer schweren Keuchhustenerkrankung zu 70 Prozent häufiger eine Epilepsie entwickeln.

Die Studie kann nicht beweisen, dass die Keuchhusten-Attacken für die Erkrankung verantwortlich sind oder ob es vielleicht andere Gründe gibt, die die Kinder gleichzeitig anfällig für eine Infektion mit Bordetella pertussis und eine Epilepsie machen. Dies ist jedoch unwahrscheinlich, da die Erkrankungen unterschiedliche Organsysteme betreffen.

Wahrscheinlich erscheint Olsen, dass die heftigen Hustenattacken zu einer latenten Hirnschädigung führen. Mögliche Pathomechanismen sind ein Sauerstoffmangel während der Hustenanfälle oder kleinere Hirnblutungen infolge des erhöhten intrathorakalen und intraabdominellen Drucks. Immunologische oder inflammatorische Prozesse seien ebenfalls denkbar. Hinweise auf eine schädliche Wirkung des Pertussis-Toxins auf das Nervensystem gibt nicht. © rme/aerzteblatt.de

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