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Medizin

Lebensstil-Änderung könnte Alzheimer-Risiko senken

Mittwoch, 4. November 2015

Heidelberg – Änderungen im Lebensstil könnten das Risiko mindern, an Alzheimer zu erkranken. Das berichten Wissenschaftler des Netzwerks Alternsforschung der Uni­versität Heidelberg auf Basis von Daten aus zwei unabhängigen epidemiologischen Studien. Die Ergebnisse sind in der Zeitschrift Dementia and Geriatric Cognitive Disorders erschienen (doi: 10.1159/000440697).

Die Daten lassen den Schluss zu, dass Menschen, die den genetischen Risikofaktor für Alzheimer Apolipoprotein E (ApoE4) tragen, mit einer Senkung des Cholesterinspiegels ihr erhöhtes Risiko für kognitive Einschränkungen reduzieren könnten – vor allem, wenn sie zusätzlich unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden.

ApoE4 ist ein Eiweiß, das eine wichtige Rolle im Blutfett-Stoffwechsel spielt. In Deutschland tragen es etwa 20 Prozent der Bevölkerung. Unter anderem transportiert es Cholesterin zu Nervenzellen, die dieses für den Signalaustausch benötigen. Vom ApoE-Gen, das den Bauplan für das ApoE-Protein enthält, gibt es drei unterschiedliche Genvarianten. Wer Träger des e4-Allels ist, also die ApoE4-Genvariante trägt, hat ein erhöhtes Risiko, an Alzheimer zu erkranken.

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Für ihre Analysen nutzten die Forscher Daten zweier epidemiologischer Studien des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) mit älteren Erwachsenen. Sie erfassten mit einem kognitiven Test unter anderem Gedächtnisleistung und Konzentrations­fähigkeit und werteten zusätzlich Blutproben und medizinische Daten aus. An der ESTHER-Studie waren 1.434 Menschen über 70 Jahre beteiligt, an der KAROLA-Studie 366 Teilnehmer über 50.

Die Heidelberger Forscher stellten fest, dass der Zusammenhang zwischen dem ApoE4-Risikofaktor und kognitiven Einschränkungen, vor allem der Gedächtnisleistung, bei denjenigen Teilnehmern am stärksten war, die einen hohen Cholesterinspiegel auf­wiesen und unter Herzerkrankungen litten.

„Eine mögliche Erklärung für die Ergebnisse könnte sein, dass das Gehirn gerade dann besonders sensibel auf die Effekte von ApoE4 reagiert, wenn es bereits durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einen erhöhten Cholesterinspiegel vorgeschädigt ist“, erklärt Laura Perna aus der Arbeitsgruppe. Ein komplexes Wechselspiel zwischen den verschiedenen Faktoren sei wahrscheinlich. So erhöhe die ApoE4-Genvariante nicht nur das Alzheimer-Risiko, sondern werde auch mit einem erhöhten Risiko für Arteriosklerose in Verbindung gebracht.

Trotz der noch nicht vollständig geklärten Zusammenhänge betonen die Forscher die klinische Relevanz ihrer Befunde. „Sowohl ein erhöhter Cholesterinspiegel als auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind potenziell vermeidbar, und ein erhöhter Cholesterin­spiegel lässt sich in vielen Fällen mit einem gesunden Ernährungs- und Lebensstil senken“, erklärt der Leiter der Gruppe Hermann Brenner. Regelmäßige körperliche Bewegung und eine vollwertige Kost, die beispielsweise reichlich Gemüse und Obst und wenig tierische Fette enthalte, helfen demnach dabei, einen hohen Cholesterinspiegel zu vermeiden. „Was für die Herzgesundheit gut ist, ist auch für Gehirn und Gedächtnis gut. Das scheint bei Trägern des ApoE4-Risikofaktors besonders wichtig zu sein“, so Brenner. © hil/aerzteblatt.de

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