NewsMedizinInsulin beeinflusst Dopaminhaushalt im Gehirn
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Insulin beeinflusst Dopaminhaushalt im Gehirn

Donnerstag, 5. November 2015

New York – Im Tiermodell haben Wissenschaftler Insulin als wichtigen Modulator der Dopaminsekretion im Gehirn identifiziert, der besonders auf Zentren des Belohnungs­systems wirkt. Die Forscher um Margaret Rice von der New York University Langone berichten in Nature Communications über die bisher unbekannte Wirkung des Hormons auf Rattengehirne.

Insulin beeinflusst nicht nur den Fett- und Zuckerstoffwechsel, sondern wirkt auch zentral. Eine bekannte Funktion des Hormons ist beispielsweise die Wirkung an Insulinrezeptoren des Hypothalamus, der Schaltzentrale vegetativer Körperfunktionen. Insulin vermittelt im Hypothalamus nach einer Mahlzeit das Sättigungsgefühl. Insulin­rezeptoren finden sich auch im restlichen Gehirn, wobei sie jedoch vor allem im Plexus choroideus, im Bulbus olfactorius, im Kortex und dem Striatum eine relevante Dichte zeigen.

Insulinrezeptoren sind dafür bekannt in Muskel- und Fettgewebe unterschiedlich sensibel für das Hormon zu sein. Möglicherweise könnte dies auch für Zellen im Gehirn zutreffen, berichten die Wissenschaftler. Sie interessierten sich in diesem Zusammen­hang besonders für die Rezeptoren im Striatum. Das Striatum enthält als wichtiges Kerngebiet den Nucleus accumbens, der eine herausragende Rolle für das Belohnungssystem und die Entwicklung von Süchten spielt.

Anzeige

Die Wissenschaftler nutzten Ratten als Modellsystem für ihre Untersuchung. Sie überprüften, wie deren Dopaminhaushalt auf Insulin reagierte. Durch Insulin­konzentrationen von 30nmol, kam es im Striatum und speziell dem Nucleus accumbens zu einer maximalen Steigerung der Dopaminkonzentration von 20 bis 55 Prozent.

Um auch die In-Vivo-Rolle dieser verstärkten Dopaminausschüttung zu verstehen, setzten die Forscher Ratten auf kalorienarme, normale oder sehr kalorienreiche Diäten. Sie untersuchten den Einfluss auf die Insulinsensitivität im Gehirn. Die Wissenschaftler stellten fest, dass bei einer Kalorienrestriktion die Sensitivität für Dopamin um das Zehnfache gegenüber der Normaldiät zunahm. Im Vergleich dazu verloren Ratten mit der kalorienreichen Diät ihre Sensitivität für Insulin völlig und schütteten bei Insulingabe kein Dopamin mehr aus.

Die Wissenschaftler vermuten, dass Insulin eine wichtige Rolle für das Essverhalten spielen könnte, sofern die Ergebnisse auf den Menschen übertragbar sind. Die verminderte zentrale Insulinsensitivität könnte beispielsweise bedeuten, dass immer größere Mengen Nahrung notwendig wären, um das gleiche Glücksgefühl auszulösen. © hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

27. Oktober 2020
Berlin – Die nationale Reduktionsstrategie bleibt bislang bei Zucker in Lebensmitteln deutlich hinter den Erwartungen zurück. Das erklärte der AOK-Bundesverband heute auf dem dritten von der
AOK fordert gesetzliche Maßnahmen zur Zuckerreduktion
26. Oktober 2020
Berlin – In Deutschland müssen Ärzte jedes Jahr rund 50.000 Amputationen aufgrund eines diabetischen Fußsyndroms (DFS) vornehmen. Durch flächendeckende, gezielte Maßnahmen könnte diese Zahl deutlich
Diabetologen fordern mehr Anstrengungen gegen Fußamputationen
20. Oktober 2020
Dallas – Ein neues Basis-Insulin, das aufgrund einer Halbwertzeit von 196 Stunden nur einmal in der Woche injiziert werden muss, hat in einer Phase-2-Studie den HbA1c-Wert von Patienten mit
Typ-2-Diabetes: Basis-Insulin mit einmal wöchentlicher Injektion überzeugt in Phase-2-Studie
19. Oktober 2020
Berlin – Eine diabetische Retinopathie entwickelt sich lange Zeit unbemerkt. Zu Sehstörungen kommt es erst, wenn die Netzhaut des Auges bereits behandlungsbedürftige Schäden aufweist. Regelmäßige
Zu wenig leitliniengerechte Augenarztkontrollen bei Diabetes
9. Oktober 2020
Boston – Der SGLT-2-Inhibitor Ertugliflozin hat sich in einer sogenannten Endpunktstudie als sicher erwiesen. Der erhoffte Rückgang der kardiovaskulären und renalen Ereignisse blieb nach den jetzt im
Typ-2-Diabetes: Ertugliflozin hat (nur) neutrale Wirkung auf Herz-Kreislauf-Ereignisse
8. Oktober 2020
Berlin – Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist bei einem Diabetes mellitus zwei- bis vierfach erhöht, bei Frauen sogar bis sechsfach. Darauf weist die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
Bei Diabetes immer an Herzinsuffizienz denken – und umgekehrt
5. Oktober 2020
Neuherberg – Bei Männern kann eine genetische Variante des Gens DUSP8 die Reaktion des Gehirns auf das Hormon Insulin beeinträchtigen und so das Risiko für Typ-2-Diabetes erhöhen. Das berichten
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER